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Passiv rauchende Kinder haben häufiger Asthma und Allergien

15.05.2002


Kinder aus Raucherhaushalten leiden häufiger an Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis. Außerdem ist in ihrem Blut eine deutliche Belastung mit krebserzeugenden Stoffen aus dem Tabakrauch erkennbar. Das hat der Oberarzt Dr. Gerald Baier von der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenkranke der Uni Würzburg herausgefunden. Für seine Studie bekam er den mit rund 7.500 Euro dotierten Forschungspreis "Rauchfrei leben" verliehen.

Tabakrauch gehört zu den wichtigsten Luftschadstoffen, denen Kinder in Räumen ausgesetzt sind. Er besteht aus mehr als 4.500 chemischen Verbindungen mit unterschiedlichsten Wirkungen. Darin enthalten sind schleimhautreizende Stoffe, toxische Komponenten und allergieauslösende Verbindungen. Außerdem wurden mehr als 50 Substanzen nachgewiesen, die das Erbgut verändern und Krebs erzeugen können.

Dr. Baier hat bei seiner Studie in Zusammenarbeit mit den Würzburger Toxikologinnen Dr. Iris Zwirner-Baier und Prof. Dr. Helga Stopper in den vergangenen zwei Jahren 216 Kinder im Alter von 2 bis 15 Jahren untersucht, die in der HNO-Klinik der Uni Würzburg behandelt wurden. Die Studie umfasste eine HNO-ärztliche Untersuchung mit Blutabnahme, eine Allergietestung und einen umweltmedizinischen Fragebogen. Außerdem wurden Aufnahme und Wirkungen der Tabakrauch-Schadstoffe im Blut der Kinder bestimmt, und zwar anhand der beiden Biomarker 4-Aminobiphenyl-Hämoglobin-Addukte und Mikrokerne.

Ergebnis: Bei Kindern aus Raucherhaushalten fanden sich Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis eindeutig häufiger. Darüber hinaus traten diese Leiden bei den Eltern und/oder Großeltern der passiv rauchenden Kinder deutlich seltener auf als bei der Vergleichsgruppe, das heißt ihre genetische Vorbelastung für diese Krankheiten war geringer. Damit wird laut Dr. Baier ein eindeutiger Zusammenhang zwischen den genannten Erkrankungen und dem Passivrauchen erkennbar. Auch die beiden Biomarker waren im Blut von tabakrauchbelasteten Kindern signifikant höher als bei nicht belasteten.

Kinder gelten als besonders empfindlich, da sie pro Kilogramm Körpergewicht ein höheres Atemminutenvolumen, eine höhere Stoffwechselrate und geringere Enzymaktivitäten als Erwachsene haben. Auch die Entgiftung über Leber und Niere funktioniert bei ihnen nicht so gut wie bei Erwachsenen. "Unter Berücksichtigung dieser Faktoren ist es nahe liegend, dass Kinder auf Chemikalien empfindlicher reagieren", so Dr. Baier.

Der Forschungspreis "Rauchfrei Leben" wurde Dr. Baier am 10. Mai 2002 im Rahmen der 5. Deutschen Nikotin-Konferenz in Erfurt verliehen. Er wird gestiftet von der Firma Pharmacia GmbH (Erlangen) und vom Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e. V. vergeben. Dr. Baier teilt sich den Preis mit Prof. Dr. Ulrich John von der Uni Greifswald.

Weitere Informationen: Dr. Gerald Baier, T (0931) 201-21328, Fax (0931) 201-21321, E-Mail: 
gerald.baier@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

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