Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Magnetresonanz-Tomographie ist auf dem Vormarsch

07.05.2002


Technische Fortschritte bei Röntgen- und CT-Geräten, medizinische Leitlinien und eine strenge Indikationsstellung für Röntgenuntersuchungen tragen inzwischen dazu bei, dass die durchschnittliche Strahlenbelastung der Bevölkerung sinkt. Auch die Magnetresonanz-Tomographie, jenes bildgebende Verfahren, dass ohne ionisierende Strahlung auskommt, hat daran zunehmend Anteil. Dies spiegelt sich im Programm des Deutschen Röntgenkongresses in Wiesbaden.

Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) ist ein dominierendes Thema des diesjährigen Röntgenkongresses: Fast die Hälfte der Vorträge beschäftigt sich mit den Möglichkeiten dieses bildgebenden Verfahrens. Nicht nur in der Forschung, sondern auch in der täglichen Diagnostik in Kliniken und Praxen befindet sich die MRT auf dem Vormarsch: US-amerikanische Analysen belegen, dass die Zahl der MRT-Untersuchungen jährlich um elf Prozent wächst.

In Deutschland gibt es knapp über tausend MRT-Geräte, etwas mehr als die Hälfte davon stehen in Praxen.
Die Vorteile der Methode liegen - neben der fehlenden Strahlenbelastung - beispielsweise vor allem in der präzisen und differenzierten Darstellung von Weichteilen, Organen und Gefäßen. "Damit verbunden", so Kongresspräsident Professor Ingolf Peter Arlart vom Zentrum Radiologie des Stuttgarter Katharinenhospitals, "ist eine hohe diagnostische Treffsicherheit." Allerdings kennt Arlart auch die Nachteile des Verfahrens. Dazu gehören hohe Kosten, Mängel beim Patientenkomfort durch die Untersuchung in einer Röhre, die Klaustrophobie verursachen kann, ebenso die Tatsache, dass sich bestimmte Gewebe nicht gut darstellen lassen. Dies hat mit dem Prinzip der Methode zu tun: Bei der MRT werden die Signale der Kerne von Wasserstoffatomen im Gewebe genutzt, die mit Hilfe der magnetischen Felder und Hochfrequenz-Radiowellen unterschiedlich ausgerichtet werden. Aus den Resonanzschwingungen dieser Wasserstoffkerne (Protonen) errechnet der Computer ein dreidimensionales Bild. Entsprechend schwach fallen die Signale bei Geweben mit geringer Protonendichte aus. Auch für Patienten mit Implantaten oder Herzschrittmachern kommt die Untersuchung mit den starken Magnetspulen nicht infrage.

Inzwischen drängen schnelle und ultraschnelle MRT-Geräte auf den Markt, die im Sekundentakt bzw. im Abstand von 40 Millisekunden ein Bild aufnehmen können. Auch die Auflösung der Aufnahmen wird ständig feiner. Neue Kontrastmittel sorgen für bessere Untersuchungsmöglichkeiten, etwa der Leber. Ebenso gibt es inzwischen Großgeräte, die offen sind und darum minimal-invasive Eingriffe unter Sichtkontrolle gestatten. Allerdings geht dieser Vorteil im Augenblick noch zu Lasten der Bildqualität und setzt Spezial-Instrumente voraus. Auch Kleingeräte, um etwa Arme oder Beine untersuchen zu können, haben eine geringe Magnetfeldstärke und darum eine eingeschränkte Auflösung.

Dennoch ist Arlart davon überzeugt, dass sich der Siegeszug der MRT nicht aufhalten lässt: "Hochaufgelöste Bilder, schnellere Bildsequenzen, die Einblicke in Dynamik und Funktion von Organen liefern, und eine weitere Reduktion der medizinisch verursachten Strahlenbelastung sind stichhaltige Argumente für dieses Verfahren." Auch Körperregionen, wo bislang konventionelle Röntgen- oder CT-Untersuchungen dominieren, können zunehmend mit dem strahlenfreien Verfahren abgebildet werden: Brustkorb und Lunge, Herz und Gefäße oder der Magen-Darm-Trakt. Entsprechend prognostizieren Experten der Methode in den nächsten Jahren ein deutliches Wachstum bei der Diagnostik von Herz- und Gefäßerkrankungen und bei Störungen des Muskel- und Stützgewebesystems. Auch die Zahl der MR-überwachten minimal-invasiven Eingriffe dürfte konventionellen Strategien Terrain abgewinnen.

Sorge bereitet den Radiologen allerdings, dass auch andere ärztliche Fachdisziplinen zunehmend Anstrengungen unternehmen, diese von den Radiologen für den klinischen Einsatz entwickelten Diagnosemethode einzusetzen. Während der Radiologe als Spezialist für die bildgebende Diagnostik nur auf Zuweisung eines anderen Arztes tätig wird, bereiten Ärzteorganisationen den Weg vor, dass Kardiologen, Orthopäden, Gefäßchirurgen und Angiologen die Untersuchung nicht nur verordnen, sondern nach einer entsprechenden Ausbildung vor allem in der eigenen Praxis selbst auch durchführen können. "Durch diese Selbstzuweisung", warnt Arlart, "könnte eine Fehlentwicklung eintreten, vergleichbar der Situation in der Ultraschall- und Röntgendiagnostik, die mit einem politisch nicht gewollten Kostenanstieg in der medizinischen Versorgung einhergeht."

Rückfragen an:
Prof. Dr. med. Ingolf Peter Arlart, Kongresspräsident
Ärztlicher Direktor Zentrum Radiologie/
Radiologisches Institut
Katharinenhospital
Kriegsbergstraße 60
70174 Stuttgart
Tel.: 0711-2784400
Fax: 0711-2784409
E-Mail: i.arlart@katharinenhospital.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.drg.de/

Weitere Berichte zu: Gewebe MRT Magnetresonanz-Tomographie Strahlenbelastung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten