Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Essener Meeresbiologen züchten Schwämme für die Krebsbekämpfung

11.12.2000


... mehr zu:
»Krebsbekämpfung
Die meeresbiologische Abteilung von Dr. Helmut Schuhmacher, Professor für Hydrobiologie an der Universität Essen, hat die Federführung in einem von der Europäischen Union in den nächsten drei Jahren mit 1,2 Millionen
Euro geförderten Forschungsprojekt übernommen. Ziele sind die Entwicklung und Erprobung neuartiger Technologien zur nachhaltigen, umweltfreundlichen Nutzung mariner Rohstoffe. In dem interdisziplinären Projekt "Development of non-degrading, NOvel MArine Technologies for the sustainable exploitation and protection of Mediterranean marine resources" oder "NOMATEC" werden sieben Forschungsinstitute aus vier EU-Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten.

Die Essener Meeresbiologen haben jetzt die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit elektrochemisch erzeugten Riffstrukturen am Beispiel konkreter Anwendung in das Projekt einzubringen. Die Biologen haben sich zum Ziel gesetzt, ein Verfahren zur Zucht von Schwämmen im Meer zu entwickeln. Viele marine Schwämme enthalten pharmazeutisch interessante Stoffe, von denen einige bereits erfolgreich bei der Tumorbekämpfung eingesetzt werden. Bei Erfolg könnte man bestimmte Schwämme für die medizinische Nutzung züchten und wäre nicht auf das Sammeln dieser am Meeresboden weit verstreut lebenden Organismen angewiesen. Die Schwammzuchtanlage wird mit Hilfe des "ERCON"-Verfahrens - nach Electrochemical Reef Construction - gebaut, welches die Meeresbiologen seit vielen Jahren erforschen und weiterentwickeln.
Ein anderes Teilgebiet des Projektes ist der Entwicklung eines Verfahrens zur Rehabilitation von geschädigten Seegraswiesen gewidmet. Die Seegrasbestände sind die Kinderstuben vieler mariner Lebewesen und spielen eine Schlüsselrolle in der Ökologie der Küstengewässer des Mittelmeeres. Neben der ökologischen Funktion besteht daher auch ein erhebliches wirtschaftliches Interesse, diese einzigartigen Lebensräume zu erhalten. Auch bei der Lösung dieses Problems will man sich des ERCON-Verfahrens bedienen.

Für die Freilandversuche arbeiten die Wissenschaftler mit der Forschungsstation STARESO bei Calvi auf Korsika zusammen. Das ist für Essener Meeresbiologen die Fortsetzung einer seit vielen Jahren bewährten Kooperation; die Station diente ihnen bereits als Standort bei den ersten Versuchen zur Schaffung von künstlichen Riffen. Anfang Februar werden dort nun die Freilandarbeiten für das neue Projekt beginnen.

"Wenn es uns gelingt, die gesteckten Ziele zu erreichen, wäre dies nicht nur ein Beitrag zur medizinischen Forschung, sondern auch eine Möglichkeit, küstennahe Gewässer für umweltfreundliche Produktionen zu nutzen und neue Arbeitsplätze zu schaffen", kommentiert Professor Schuhmacher das Vorhaben. Es ist bereits die zweite "Leitaktion", die seine Arbeitsgruppe an die Universität Essen geholt hat: Seit dem vorigen Jahr koordiniert Dr. Daniel Hering das von ihm konzipierte Projekt "AQUEM", das im Rahmen der künftigen EU-Wasserrichtlinie Normen für die Bewertung von Fließgewässern setzt. Ähnlich wie Sonderforschungsbereiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft auf nationaler Ebene sagen solche EU-Leitaktionen Entscheidendes über die Strukturen hochrangiger Forschung auf europäischer Ebene aus. Das Projektmanagement für NOMATEC, dessen Konzept die Gutachter durch die vollständige Kette der Wertschöpfung von der Grundlagenforschung bis hin zur Endverarbeitung in der pharmazeutischen Industrie beeindruckte, hat Peter van Treeck übernommen.


Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83 - 20 85
Weitere Informationen: Prof. Dr. Helmut Schuhmacher,
Telefon (02 01) 1 83 - 37 77;
Peter van Treeck, Telefon (02 01) 1 83 -31 12

Monika Roegge | idw

Weitere Berichte zu: Krebsbekämpfung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Spezialisten-Zellen helfen Gedächtnis auf die Sprünge
17.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie