Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wassergefiltertes Infrarot A (wIRA) ist nicht an der Zelldegeneration menschlicher Haut beteiligt

20.11.2007
Wassergefiltertes Infrarot A (wIRA) ist in Übereinstimmung mit früheren Untersuchungen bei angemessenen Bestrahlungsstärken im Gegensatz zu Ultraviolett A nicht an der Lichtalterung der Haut beteiligt.

wIRA, wie es in gemäßigten Breiten als Sonnenwärmestrahlung die Erdoberfläche erreicht und in wIRA-Strahlern therapeutisch genutzt wird, könnte sogar eher mit einer Schutzfunktion verbunden sein.

In einer Originalarbeit in der international ausgerichteten interdisziplinären elektronischen Fachzeitschrift "German Medical Science" der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) werden Untersuchungen an menschlichen Hautzellen (Fibroblasten) nach Einzelbestrahlungen zwischen 15 Minuten und 8 Stunden mit wIRA oder 15-45 Minuten mit Ultraviolett A (UVA) bei zwei physiologischen Temperaturen sowie nach wiederholten Bestrahlungen mit wIRA dargestellt: Nach Einzelbestrahlungen von kultivierten menschlichen Hautzellen mit UVA zeigte sich eine sehr starke Zunahme der Ausprägung der Boten-RNA des kollagenabbauenden Enzyms Matrix-Metalloproteinase 1 (MMP-1) (11fache Ausprägung für die konventionelle Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) und 76fache Ausprägung für die quantitative Echtzeit-RT-PCR) sowie eine dosisabhängige Minderung des Zellüberlebens.

Im Gegensatz hierzu rief wIRA selbst unter der untersuchten unphysiologisch hohen Bestrahlungsstärke kein Zellsterben und keine mit den angewendeten empfindlichen Methoden erkennbare Steigerung der Ausprägung der Boten-RNA von MMP-1 hervor. Auch bei wiederholter Bestrahlung mit wIRA wurde die Ausprägung der Boten-RNA von MMP-1 nicht gesteigert.

Die Ergebnisse der jetzigen Arbeit, bei der insbesondere auch großer Wert auf eine sorgfältige Temperierung der Zellen gelegt wurde, stehen in Übereinstimmung mit Veröffentlichungen mehrerer Arbeitsgruppen und widersprechen Veröffentlichungen vor allem einer Arbeitsgruppe, die unerwünschte Effekte von Infrarot A und wIRA in Zellkulturen beschrieb.

In der jetzt veröffentlichten Arbeit wird detailliert auf Gründe für die unterschiedlichen Ergebnisse eingegangen: so verwendete die jetzt veröffentlichte Arbeit normale Hautzellen und nicht Vorhautzellen des Neugeborenen, die sich bekanntermaßen anders verhalten und nicht repräsentativ für menschliche Haut sind. Zelleffekte sind nicht nur von der Bestrahlungsdosis, sondern auch von der Bestrahlungsstärke abhängig. In einigen anderen Arbeiten wurde nicht berücksichtigt, daß Zellkulturen, die eine einlagige Zellschicht darstellen und anders als menschliche Haut keine Hornschicht und keine Wärmeverteilung über den Blutkreislauf besitzen, sinnvollerweise nicht mit der gleichen Bestrahlungsstärke wie lebende Haut bestrahlt werden können: entsprechend wurde bei Zellkulturen z.T. mit dem 3- bis 10fachen einer physiologischen Bestrahlungsstärke gearbeitet.

In der jetzigen Arbeit wurden mit sorgfältiger aufwendiger Temperierung der Zellen, die eine Überhitzung der Zellen vermied, selbst bei einer solchen unphysiologisch hohen Bestrahlungsstärke keine unerwünschten Effekte beobachtet. Eine derartige Temperierung ist wichtig, um Fehlinterpretationen zu vermeiden, da die Boten-RNA von MMP-1, deren Erhöhung z.T. als Hinweis auf Hautalterung interpretiert wird, auch bereits durch Temperaturerhöhung über eine Schwelle - unabhängig von der Ursache der Temperaturerhöhung und damit auch unabhängig von spezifischen Eigenschaften des Infrarot - vermehrt ausgeprägt wird. Angemessene therapeutische Bestrahlungsstärken von wIRA, das mit seiner Steigerung von Gewebesauerstoffteildruck, Gewebedurchblutung und Gewebetemperatur klinisch breit u.a. schmerz- und entzündungsmindernd sowie wundheilungsverbessernd eingesetzt werden kann, liegen deutlich niedriger als die hier untersuchten unphysiologisch hohen Bestrahlungsstärken, insbesondere, wenn der Unterschied zwischen lebender Haut und Zellkultur berücksichtigt wird.

Die Infrarot-A-Bestrahlungsstärke an der Erdoberfläche in Meereshöhe durch die Sonne in gemäßigten Breiten - und selbst in den Tropen - ist nochmals deutlich niedriger, so daß sich aus der jetzt veröffentlichten Arbeit sowohl bezogen auf Infrarot-A-Bestrahlungsstärken als auch Infrarot-A-Bestrahlungsdosen - anders als hinsichtlich des unbestritten sinnvollen und notwendigen Schutzes vor übermäßiger UV-Bestrahlung - keine Hinweise für die Notwendigkeit oder Sinnhaftigkeit eines Schutzes vor Infrarot A oder wIRA ergeben.

Veröffentlichung:
Gebbers N, Hirt-Burri N, Scaletta C, Hoffmann G, Applegate LA. Water-filtered infrared-A radiation (wIRA) is not implicated in cellular degeneration of human skin. Wassergefilterte Infrarot-A-Strahlung (wIRA) ist nicht an der Zelldegeneration menschlicher Haut beteiligt. GMS Ger Med Sci. 2007;5:Doc08.
Online verfügbar unter:
http://www.egms.de/pdf/gms/2007-5/000044.pdf (PDF, ca. 6 MB) und
http://www.egms.de/en/gms/2007-5/000044.shtml (shtml).
Kontaktadresse:
Dr. Lee Ann Laurent-Applegate, PD & MER
Orthopedic Cell Therapy Unit
University Hospital
CHUV PAV-03
CH-1011 Lausanne, Switzerland
Tel: +41 21 314 3510
e-mail: Lee.Laurent-Applegate@chuv.ch

Wolfgang Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.egms.de/pdf/gms/2007-5/000044.pdf
http://www.egms.de/en/gms/2007-5/000044.shtml

Weitere Berichte zu: Bestrahlung Infrarot A Zelldegeneration

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften