Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Epilepsie: Wenn das Gehirn aus allen Neuronen feuert

28.09.2007
Wissenschaftler forschen weltweit zur Anfallsvorhersage bei Epilepsiepatienten

Mehr als 600.000 Patienten in Deutschland leiden an Epilepsie.

Bei etwa einem Drittel dieser Patienten kann die Erkrankung mit Medikamenten bislang nicht kontrolliert werden. Zum Wesen der Epilepsien gehört das spontane Auftreten epileptischer Anfälle, die sich in kognitiven Defiziten, motorischen Störungen, bis hin zu Verkrampfungen der Extremitäten oder in Automatismen äußern. Die Epilepsie ist unberechenbar, ohne Vorankündigung überraschen die epileptischen Attacken die Betroffenen in jeder Lebenssituation, ob beim Fahrradfahren, im Supermarkt oder zu Hause.

Die Anfälle nehmen nicht viel Zeit ein, in den meisten Fällen weit weniger als ein Prozent der Lebenszeit. Dennoch gelten die Betroffenen als chronisch krank und sind aufgrund der Unvorhersehbarkeit des nächsten Anfalls stark beeinträchtigt. Die permanente Angst vor Anfällen führt zum sozialen Rückzug, viele berufliche Tätigkeiten bleiben den Patienten verschlossen, das Führen eines Kraftfahrzeugs ist verboten, die Gefahr auch lebensgefährlicher Verletzungen stets präsent. Darüber hinaus bedeutet das unvorhergesehene Auftreten epileptischer Anfälle, dass nicht gezielt, zeitlich begrenzt behandelt werden kann. Die Patienten müssen über viele Jahre hinweg dauerhaft prophylaktisch Medikamente einnehmen.

... mehr zu:
»Epilepsie »Neuronen

Epileptische Attacken werden durch eine Fehlfunktion der Nervenzellen im Gehirn ausgelöst. Beim epileptischen Anfall feuert das Gehirn in ganzen Bereichen gleichzeitig aus allen Neuronen. Weltweit arbeiten Forscher daran, ein zuverlässiges Frühwarnsystem zu etablieren, das den Übergang in einen Anfall frühzeitig erkennt. Seit rund zehn Jahren konzentrieren sich diese Bemühungen verstärkt darauf, das Nahen eines Anfalls aus kontinuierlichen EEG-Registrierungen (Elektroencephalogramm) vorherzusagen. Mittels verschiedener mathematischer Verfahren der Zeitreihenanalyse können heute aus dem EEG Informationen herausgelesen werden, die eine signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Anfällen aufweisen. Wesentliche Impulse kamen dafür aus den kooperierenden Gruppen des Freiburger Zentrums für Datenanalyse und Modellbildung, unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Timmer und des von Prof. Dr. Andreas Schulze-Bonhage geleiteten Epilepsiezentrums am Universitätsklinikum Freiburg.

Erste US-Firmen beginnen derzeit mit der Entwicklung von Verfahren, die Patienten vor einem Anfall warnen können. Dies würde die dauerhafte Überschattung der gesunden Phasen durch die vergleichsweise kurzen Anfallsepisoden mindern. Der zweite Schritt sind Verfahren, die zu einer zeitlich gezielten Therapie und Anfallskontrolle führen.

Die Forschungen mit dem Ziel, epileptische Anfälle bei Patienten vorhersagen zu können, sind multidisziplinär. Bei der "Internationalen Tagung zur Anfallsvorhersage bei Epilepsiepatienten", die vom 29. September bis zum 2. Oktober in Freiburg stattfindet, stellen Grundlagenwissenschaftler sowie experimentell arbeitende Epilepsieforscher, klinisch tätige Epileptologen und anwendungsorientierte Forscher aus der Industrie gemeinsam aktuelle Ansätze zur Anfallsvorhersage vor und diskutieren neue therapeutische Verfahren, wie die Tiefenhirnstimulation. Die Erforschung der Anfallvorhersage wird intensiv von Organisationen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem BMBF, der Europäischen Union und des National Institute of Health gefördert.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Andreas Schulze-Bonhage
Epilepsiezentrum, Universitätsklinikum Freiburg
Breisacher Straße 64, 79106 Freiburg
Tel. 0761 / 270-5366
E-Mail andreas.schulze-bonhage@uniklinik-freiburg.de
Prof. Dr. rer. nat. Jens Timmer
Freiburger Zentrum für Datenanalyse und Modellbildung
Eckerstraße 1, 79104 Freiburg
Tel. 0761 / 203-5829
E-Mail jens.timmer@fdm.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://epilepsy.uni-freiburg.de/

Weitere Berichte zu: Epilepsie Neuronen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie