Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MikroRNA als Marker des Prostatakarzinoms

11.09.2007
Das Prostatakarzinom stellt die häufigste Krebserkrankung des Mannes in Deutschland dar und steht in der Krebssterblichkeitsstatistik hinter dem Lungen- und Darmkrebs auf Platz 3, in den USA sogar nach dem Lungenkrebs auf Platz 2. Obwohl das Prostatakarzinom als Tumor des alten Mannes gilt, sind nahezu 30% der Patienten mit einem neu entdeckten Prostatakrebs jünger als 65 Jahre.

Ist die Diagnose Prostatakrebs gestellt, ergibt sich aus dem Phänomen, dass es sich in der Regel um sehr langsam wachsende Tumoren mit spätem Metastasierungspotenzial handelt, ein klinisches Dilemma im Hinblick auf therapeutische Überlegungen.

Mit den seit der Einführung des PSA-Tests verbesserten Früherkennungsmöglichkeiten werden auch solche Prostatakarzinome entdeckt, die wahrscheinlich zu Lebzeiten der Patienten nie oder erst sehr spät zu Beschwerden geführt hätten. Die besondere Eigenart der Prostatakarzinome erschwert jedoch die Unterscheidung dieser so genannten insignifikanten Karzinome von den aggressiven Tumoren, die letztendlich immer zum Tode des Patienten führen.

Für eine risikoangepasste und damit auf dem Wachstumsverhalten des jeweiligen Karzinoms basierte Therapieplanung sind also zuverlässige Prognosefaktoren erforderlich. Die bisher in der Klinik verwendeten Vorhersagemodelle basieren auf statistischen Berechnungen und sind damit auf den Einzelfall bezogen oft nicht hinreichend präzise genug. Von neuen biochemischen oder molekularen Biomarkern erwarten sich die Forscher eine höhere Zuverlässigkeit in der Voraussage des individuellen Tumorverlaufs.

... mehr zu:
»Prostatakarzinom »mikroRNA

In dieser Hinsicht vielversprechend sind eine erst kürzlich entdeckte Klasse kleiner, nicht kodierender RNA-Moleküle, die so genannten mikroRNAs. MikroRNAs greifen in die Regulation verschiedenster Gene ein und sind damit an vielen biologischen Vorgängen wie Abwehr von Virusinfektionen und Zelldifferenzierung beteiligt. Mehrere Befunde sprechen dafür, dass ihnen auch eine Rolle bei der Entstehung und dem Wachstum von Tumoren zukommt, wobei die genauen molekularen Funktionen bislang nur in sehr geringem Maße verstanden sind.

Mit neuen experimentellen Ansätzen versuchen Prof. Wullich und Prof. Grässer mit Mitarbeitern alle in gesundem und bösartig verändertem Prostatagewebe vorkommenden mikroRNAs zu erfassen und zu beschreiben. Damit sollen neben bekannten vor allem neue mikroRNAs identifiziert werden, die sich möglicherweise als neue diagnostische oder prognostische Marker für das Prostatakarzinom eignen könnten. Mit Hilfe Prostata-spezifischer Biochips soll untersucht werden, inwieweit spezifische Expressionsmuster eine Vorhersage harmloser oder aggressiver Krankheitsverläufe erlauben. Darüber hinaus sollen neu identifizierte mikroRNAs auf deren funktionelle Bedeutung im Hinblick auf die Entstehung von Prostatakarzinomen analysiert werden, womit mögliche neue Therapieansätze verbunden sein könnten.

Kontakt:Prof. Dr. F. Grässer, Homburg/Saar
Tel. +49 (6841) 16-24700 Fax +49 (6841) 16-24702
e-mail: graesser@uniklinikum-saarland.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 250.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

MicroRNAs (miRNAs) werden im Zellkern als Vorläufermoleküle synthetisiert ("Transkripti-on") und nach der Prozessierung zur reifen miRNA (dargestellt in Grün) im Cytoplasma an die sogenannten "Argonaute" ("Ago") Proteine (dargestellt in Blau) angelagert. Nach der Ausbildung der miRNA-Ago-Komplexe binden diese wiederum an bestimmte Boten RNA (mRNA) Moleküle (dargestellt in Braun) und verhindern die Proteinsynthese. Dies ge-schieht entweder durch Unterdrückung der Proteinsynthese ("Repression der Translation") ohne Zerstörung der mRNA, entweder durch direkte Spaltung der mRNA oder durch Einlei-tung der Deadenylierung mit anschließendem Abbau der mRNA. Schlussendlich verhindert die miRNA die Herstellung von Proteinen, man spricht von "post-transkriptionller Ruhigstellung" eines Genes.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Prostatakarzinom mikroRNA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise