Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapien gegen Infektionen bei chronischen Wunden

28.08.2007
Forscher wollen angeborenes Immunsystem der Haut nutzen
Großzügige DFG-Förderung für RUB-Studie

Offene Beine, diabetisches Fußsyndrom und Druckgeschwüre sind die schmerzhaften und gefährlichen Spielarten chronischer Wunden. Durch sorglosen und falschen Einsatz von Antibiotika resistent gewordene Erreger machen die Behandlung solcher Problemwunden schwierig und langwierig.

Bei der Bekämpfung der problematischen Erreger setzen Forscher um PD Dr. Lars Steinsträßer, Juniorprofessor für molekulare Wundheilung und Gentherapie in der Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte der Ruhr-Universität im Bergmannsheil auf das angeborene Immunsystem. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Studie "Host Defense Peptide als Effektormoleküle des angeborenen Immunsystem der Haut und ihr Einfluss auf die Wundheilung" für zunächst zwei Jahre mit 230.000 Euro.

Infektabwehr der verletzten Haut

Die Haut ist das größte Immunorgan des menschlichen Körpers und die wichtigste Barriere zwischen Körper und Umwelt. Sie besitzt eine wesentliche Funktion bei der Erkennung und Ansiedlung (Kolonisierung) erwünschter und bei der initialen antimikrobiellen Abwehr unerwünschter Mikroorganismen. Diese "Freund-Feind"-Erkennung der Haut leistet das angeborene Immunsystem (innate immune System), das im Gegensatz zum adaptiven, lernenden Immunsystem sofort gegen eindringende, krankheitsauslösende Mikroben agiert. "Die Basis des stammesgeschichtlich älteren angeborenen Immunsystems sind antimikrobielle Peptide: kurze Eiweißketten, die eindringende Bakterien, Pilze und Viren erkennen und vernichten", erklärt Dr. Steinsträßer. "Zusätzlich konnte man feststellen, dass diese Peptide verschiedene Zellen gezielt beeinflussen um die Immunantwort zu modulieren und gleichzeitig die Wundheilung und Neubildung von Blutgefäßen zu fördern." Neue Studien haben zudem gezeigt, dass eine reduzierte lokale Produktion antimikrobieller Peptide die Ursache der unterdrückten Immunantwort und den damit verbundenen höheren Infektionsraten bei Wundinfektionen ist.

Wieso es zu Wundinfektionen kommt

Wie genau das angeborene Immunsystem der Haut funktioniert, ist noch nicht vollständig geklärt. Genau das will PD Dr. Steinsträßer nun untersuchen. Mittels innovativer Analysemethoden werden die Forscher seiner Arbeitsgruppe die Immunantwort des Hautgewebes beim Kontakt mit verschiedenen Mikroorganismen auf Gen- und Proteinebene systematisch analysieren. Außerdem werden sie die Immunantwort kranker Haut mit der von nicht infizierter Haut bzw. unverletzter Haut vergleichen. So wollen die Forscher einen besseren Einblick in die Entstehung von bakteriellen Wundinfektionen bei chronischen Wunden bekommen und mögliche Therapiealternativen ermitteln.

Viren helfen, Bakterien zu töten

Da bei chronischen Wunden die Immunantwort massiv reduziert und die Infektanfälligkeit sehr ausgeprägt ist, wollen die Forscher die Immunreaktion im Wundbereich gezielt beeinflussen. Künstlich hergestellte, antimikrobielle Peptide, die den im Menschen vorkommenden entsprechen, sollen in ihrer Wirkung genauso untersucht werden, wie mögliche gentherapeutische Ansätze. Dabei sollen die genetischen Informationen der antimikrobiellen Peptide mittels nicht vermehrungsfähiger Viren in die verbliebenen gesunden Hautzellen eingeschleust werden, um die Zellmaschinerie der intakten Zellen in den verletzten Hautarealen zur Produktion des benötigten Peptids zu verwenden. "Durch die natürliche Hautregeneration ist die Wirkung dieses Therapieansatzes auf etwa zwei Wochen begrenzt", erläutert Steinsträßer. "Diese vorübergehende Gentherapie in Hautwunden kann die intensive Pflege mit täglichen Verbandswechseln und die tägliche Anwendung künstlich hergestellter Wachstumsfaktoren und Antibiotika überflüssig machen."

Große Spezialabteilung im Bergmannsheil

Bei schweren Wundinfektionen chronischer Wunden kann die Behandlung in Spezialzentren den Heilungsprozess positiv beeinflussen. Die Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte (Klinikdirektor Prof. Hans-Ulrich Steinau) der Ruhr-Universität an den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannsheil GmbH gehört zu den renommiertesten Spezialabteilungen für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie in Deutschland.

Weitere Informationen

PD Dr. Lars Steinsträßer, Juniorprofessor für molekulare Wundheilung und Gentherapie, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, BG Universitätskliniken Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr Universität Bochum, Bürkle-de-la Camp Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-3442, Fax: 0234/302-6379, E-Mail: lars.steinstraesser@ruhr-uni-bochum.de, Internet: http://www.bergmannsheil.de/692.0.html

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.bergmannsheil.de/692.0.html
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Haut Immunsystem Wunden chronische Wunden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RWI/ISL-Containerumschlag-Index dreht wieder leicht ins Plus

23.05.2018 | Wirtschaft Finanzen

Wenn Korallen Plastik fressen

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Ventile für winzige Teilchen

23.05.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics