Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gestiegene Kaiserschnittrate ist bedenklich

15.08.2007
Eines der bedeutensten medizinischen Journale, das "New England Journal of Medicine", veröffentlichte kürzlich eine Studie, in der die Gründe einer deutlich gestiegenen Kaiserschnittrate aufgeführt wurden. Nach Ansicht der Autoren wird diese Rate auch in den kommenden Jahren weiter ansteigen.

Eine Entwicklung, die Privat-Dozent Dr. Walter Klockenbusch zumindest "bedenklich" findet. "Die Kaiserschnittrate ist heute zehnmal so hoch wie vor 70 Jahren", sagt der Leiter des Bereichs Geburtshilfe am Universitätsklinikum Münster (UKM).

Eine der Gründe der gestiegenen Rate ist die Tatsache, dass Frauen heute immer später schwanger werden und vermehrt Probleme auftauchen, die mit Übergewicht zusammenhängen. Gleichzeitig gibt es im Vergleich zu vergangenen Jahren immer mehr Frühgeburten und Mehrlingsschwangerschaften. In seiner täglichen Arbeit macht Klockenbusch oft die Erfahrung, dass Schwangere immer öfter einen Kaiserschnitt wünschen - ohne medizinische Notwendigkeit. "Durch intensives Zuhören und in einem ausführlichen Gespräch schälen sich dann häufig die wahren Gründe für den Wunschkaiserschnitt heraus", berichtet er. So hätten die Frauen häufig Angst vor den Schmerzen oder um das Kind. Gründe, die Klockenbusch gut nachvollziehen kann. Die er aber auch oft entkräften kann: "Es gibt keine Situation, in der wir nichts gegen Schmerzen tun können. Unsere Patientinnen sind den Schmerzen nie ausgeliefert." Außerdem werden die Kinder unter der Geburt ständig überwacht. "Sollte Gefahr drohen, können wir das Kind innerhalb von Minuten auf die Welt holen", betont Klockenbusch. Kinderärzte sind bei Bedarf immer zur Stelle.

Seit Klockenbusch als Geburtshelfer tätig ist, hat er beobachtet, dass das Sicherheitsdenken immer stärker ausgeprägt ist - ein Kaiserschnitt, bei dem Eltern auch den Geburtstermin bestimmen können, scheint die perfekte Lösung zu sein. "Die Vorteile einer normalen Geburt sind aus meiner Sicht aber nicht zu unterschätzen", sagt Klockenbusch. Das Gefühl, eine Geburt aus eigener Kraft geboren zu haben, mache, so seine Beobachtungen, die Frauen unbeschreiblich glücklich und zufrieden. "Die Vorteile für die Kinder sind heute noch nicht zu beweisen. Uns liegen aber Hinweise vor, dass Neugeborene nach einer normalen Geburt weniger Anpassungsstörungen und insbesondere weniger Atemprobleme haben", sagt er.

... mehr zu:
»Geburt »Kaiserschnitt

Wenn Klockenbusch es sich aussuchen könnte, würde er immer mehr UKM-Babies auf natürlichem Weg auf die Welt helfen. "Aber das ist auch klar: Geburtshilfe geht immer nur mit den Frauen, nie gegen sie." Und wenn eine Frau sich für einen Kaiserschnitt entschieden hat, respektiert er ihre Entscheidung.

Dennoch will er sich auch weiterhin dafür stark machen, den Nachwuchs unter den Geburtshelfern am UKM mit schwierigen Situationen vertraut zu machen. "Die Erfahrungen, Zwillinge auf natürlichem Weg auf die Welt zu bringen, genauso wie das Erlernen der Zangenentbindung ist deutlich zurückgegangen - wahrscheinlich proportional zur Steigerung der Kaiserschnittrate", vermutet Klockenbusch. Zeit und Geduld in der Betreuung der Schwangeren sowie die Fähigkeit, empathisch auf die Ängste und Sorgen der werdenden Mütter einzugehen, sind für ihn der Schlüssel für eine erfolgreiche Geburtshilfe. Gleichzeitig arbeitet der Vater zweier Kinder daran, die Frauen darin zu unterstützen, Vertrauen zu sich selbst zu haben. "Eine Geburt ist schließlich ein natürlicher Prozess - keine Krankheit."

Simone Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

Weitere Berichte zu: Geburt Kaiserschnitt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops