Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genkatalog soll beim Kampf gegen Augenerkrankungen helfen

11.10.2000


Krankheitsbilder der altersabhängigen

Makuladegeneration (AMD): Deren Spätmanifestationen können sich als

so genannte atrophische, "trockene" oder als exsudative, "nasse" AMD

ausprägen. Bilder: Weber


... mehr zu:
»AMD »Augenerkrankung »Gen »Netzhaut

Einen Genkatalog der menschlichen Netzhaut wollen Wissenschaftler

von der Universität Würzburg erstellen. Damit unternehmen sie einen ersten systematischen Versuch, die Grundlagen zu schaffen, um die molekularen Vorgänge in der Netzhaut aufzuklären. Die besondere Aufmerksamkeit der Forscher gilt dabei einer Augenerkrankung namens "altersabhängige Makuladegeneration", kurz AMD genannt.

Die AMD gehört zu den häufigsten Ursachen für Erblindungen in den westlichen Industrienationen. Sie beginnt meist nach dem 50. Lebensjahr als Sehstörung mit einem verzerrten Bild im zentralen Gesichtsfeld und schreitet derart fort, dass die Betroffenen schließlich an der Stelle, die sie mit den Augen fixieren, nur noch einen undurchsichtigen Fleck erkennen. Die Patienten können nicht mehr lesen, nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen und keine Gesichter mehr erkennen - eine selbstständige Lebensführung wird schwer bis unmöglich.

Etwa 30 Prozent der Bevölkerung über 75 Jahre sind von unterschiedlichen Stadien der Erkrankung betroffen. In den Spätstadien der AMD befinden sich weltweit über acht Millionen Menschen, wobei sich diese Zahl nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2030 etwa verdoppelt haben wird. Da gegenwärtig weder eine vorbeugende noch eine behandelnde Therapie verfügbar ist, gewinnen die Aufklärung der Ursachen der AMD und die Entwicklung neuer prophylaktischer Therapieansätze eine zentrale Bedeutung.

Die AMD ist eine komplexe Erkrankung, für deren Entstehung sowohl umweltbedingte als auch genetische Faktoren verantwortlich gemacht werden. Prof. Dr. Bernhard Weber vom Institut für Humangenetik der Universität Würzburg: "Zwar konnten auf Grund epidemiologischer Studien mehrere umweltbedingte Einflüsse einschließlich Rauchen, Serum-Cholesterin oder Lichtexposition mit der Entwicklung einer AMD in Verbindung gebracht werden. Dagegen stellt die Charakterisierung der genetischen Faktoren ein ungleich größeres Problem dar."

Man wisse heute, so Prof. Weber, dass der Sehvorgang beim Menschen von einer großen Zahl von Genen gesteuert wird, von denen viele ausschließlich in den Netzhautgeweben des Auges aktiv werden. Jedoch kenne man bislang nur wenige von diesen Genen, und auch das Wissen über ihre Funktionen in der Netzhaut sei sehr begrenzt.

Deshalb will die Arbeitsgruppe von Prof. Weber unter der Leitung von Dr. Heidi Stöhr einen vollständigen Katalog der Netzhautgene erstellen und deren Beitrag zu Erkrankungen, insbesondere der AMD, untersuchen. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Deutschen Humangenomprojekts mit rund 800.000 Mark gefördert.

Die Würzburger Humangenetiker wollen einerseits die in Datenbanken verfügbaren Informationen aufarbeiten und andererseits bestimmte Gene auf Mutationen hin analysieren. Sie erwarten, dass die Ergebnisse ihrer Studie einen Beitrag zum Verständnis der physiologischen Prozesse in der Netzhaut liefern. Außerdem hoffen sie, neue Zielmoleküle zu finden, die im erkrankten Netzhautgewebe als Angriffspunkt für Arzneistoffe dienen können.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Bernhard Weber oder Dr. Heidi Stöhr, T (0931) 888-4062 bzw. 888-4090, Fax (0931) 888-4069,
 E-Mail: bweb@biozentrum.uni-wuerzburg.de
huge014@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: AMD Augenerkrankung Gen Netzhaut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise