Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie gefährlich sind Pilzgifte und Dieselabgase?

25.07.2007
Senatskommission der DFG bewertete Arbeitsstoffe - 107 Änderungen und Neuaufnahmen in MAK- und BAT-Werte-Liste 2007

Sie sind auch als der "Fluch des Pharao" bekannt: Aflatoxine - hochgiftige und krebserregende Wirkstoffe aus bis zu mehreren hundert Jahre alten Schimmelpilzen, die sich auch in Wal- und Erdnüssen oder Pistazien finden können - kommen in der Nahrungsmittelindustrie, in der Landwirtschaft sowie bei Laboranalysen vor. Bekannt sind die Wirkstoffe schon seit langem - doch jetzt bewertete sie die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die jährliche MAK- und BAT-Werte-Liste der DFG. Ergebnis: Aflatoxine erregen Krebs, schädigen Keimzellen und können nicht nur durch Einatmen, sondern bereits durch längeren Hautkontakt gefährlich werden.

So wie die Aflatoxine untersuchte die Senatskommission der DFG insgesamt 107 Arbeitsstoffe und schlug auf dieser Grundlage Neuaufnahmen oder Änderungen für die MAK- und BAT-Liste vor. In dieser Liste werden zum einen die Grenzwerte für die maximale Konzentration von Arbeitsstoffen in der Atemluft ausgewiesen, die die Gesundheit nicht beeinträchtigen (MAK-Werte); zum anderen die Konzentration eines Stoffes, der ein Mensch sein Arbeitsleben lang ausgesetzt sein kann, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen (BAT-Werte). Die so fortgeschriebene Liste wurde jetzt wie jedes Jahr im Juli dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales übergeben. Bis zum Ende des Jahres können nun zu jedem bewerteten Stoff die ausführlichen schriftlichen Begründungen beim Kommissionssekretariat angefordert und weitere neue Daten und Kommentare ergänzt werden, die wiederum von der DFG-Senatskommission geprüft und noch berücksichtigt werden können. Anschließend verabschiedet die Senatskommission die vorgeschlagenen Werte und ihre Begründungen endgültig. Sie dienen dem Gesetzgeber als Empfehlung für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.

Auch Abgasen aus Dieselmotoren widmete sich die Kommission in diesem Jahr und überprüfte die vorliegenden Daten zur Krebserzeugung beim Menschen. Sie beließ die Einstufung jedoch in der sogenannten Kategorie 2 - mit dem Hinweis, dass noch keine Aussage über Emissionen modernster Dieselmotoren möglich ist. Kategorie 2 benennt Stoffe, die als krebserzeugend beim Menschen anzusehen sind, weil Tierversuche und zum Teil auch epidemiologische oder Studien zum Wirkungsmechanismus auf einen nennenswerten Beitrag zum Krebsrisiko hinweisen. Insgesamt hat die Kommission in diesem Jahre 27 Stoffe auf krebserzeugende Wirkung überprüft oder aus diesem Grund neu in die MAK-Liste aufgenommen. Weitere 13 überprüfte sie auf ihre unerwünschten Wirkungen auf Keimzellen. Den Zusatz "H" - nicht nur durch Inhalation, sondern auch durch Aufnahme über die Haut gefährlich - bekamen insgesamt 22 Stoffe. Bei neun weiteren Stoffen überprüfte die Kommission diese Markierung, behielt sie aber bei.

... mehr zu:
»Aflatoxine »BAT-Wert »MAK-Wert

Für Phosgen, das im ersten Weltkrieg als chemische Waffe eingesetzt wurde, heute aber eine große Rolle bei der Produktion von Kunststoffen spielt, setzte die Kommission den MAK-Wert neu fest, und zwar aufgrund neuer detaillierter Studien bei dem revidierten, höheren Wert von 0,1 ml/m³. Die maximale Konzentration von Essigsäure soll am Arbeitsplatz bei 10 ml/m³ liegen. Für Essigsäure ergab sich außerdem, dass sie bei eingehaltenem MAK-Wert während der Schwangerschaft ungefährlich ist. Die Kommission überprüfte auch ältere MAK-Werte - in Zusammenarbeit mit der europäischen und der amerikanischen Kommission - für Stoffe wie das als Sprengstoff bekannte TNT oder Salpetersäure. Ersterer erzeugt im Tierversuch Krebs und erhält daher nicht länger einen MAK-Wert. Für Salpetersäure ist die Datenlage unzureichend und der MAK-Wert entfällt deshalb. Für insgesamt zwölf Stoffe ändern sich die MAK-Werte beziehungsweise werden neu vorgeschlagen. In vier Fällen bestätigte sich auch bei neuerlicher Prüfung der bestehende MAK-Wert. Für fünf weitere Stoffe genügte die Datenmenge nicht, um einen belastbaren Wert vorzuschlagen. Darüber hinaus prüfte die Kommission 17 Arbeitsstoffe auf eine Gefährdung in der Schwangerschaft. Bei den als Lösungsmittel verwendeten Stoffen 2-Ethoxyethanol und 2-Ethoxyethylacetat konnte trotz des abgesenkten MAK-Wertes eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden, bei allen übrigen besteht bei eingehaltenem MAK-Wert keine Gefährdung.

Die MAK- und BAT-Werte-Liste führt darüber hinaus Stoffe auf, die Allergien an den Atemwegen und der Haut auslösen. In diesem Jahr sind daraufhin zehn Stoffe untersucht worden. Der bekannteste ist sicherlich Nickel und seine Verbindungen, die weiterhin alle als sensibilisierend bewertet sind.

Für die Liste 2007 ist der BAT-Wert erstmals als Mittel- statt als Höchstwert eines Stoffes angegeben, dem ein Mensch sein Arbeitsleben lang ausgesetzt sein kann, ohne dass er gesundheitlichen Schaden nimmt. Diese Regelung trägt nicht nur den oft nur als Mittelwert erfassbaren Daten Rechnung, sondern macht die Ergebnisse auch mit den internationalen Grenzwerten der entsprechenden europäischen und amerikanischen Organisationen (Kommissionen) vergleichbar. In der BAT-Liste gab es in diesem Jahr zehn Änderungen und Neuaufnahmen. Neue sogenannte Biologische Leitwerte (BLW) führte die Kommission für Acrylamid und Cadmium auf. Diese Werte quantifizieren Stoffe, die keinen BAT-Wert erhalten, weil sie beispielsweise krebserzeugend sind. Auch bei einem Einhalten dieser BLW ist ein Risiko nicht ausgeschlossen, sie sind jedoch Bewertungskriterien für die arbeitsmedizinische Überwachung.

Die MAK- und BAT-Werte-Liste 2007 ist die letzte, die die Senatskommission unter dem langjährigen Vorsitz von Professor Helmut Greim erarbeitet hat. Den Vorsitz übernahm in der Plenarsitzung der Kommission im März dieses Jahres Professor Andrea Hartwig, Technische Universität Berlin.

Weitere Informationen
Eine Liste mit allen Neuaufnahmen und Änderungen können Sie im Internet abrufen unter www.dfg.de/aktuelles_presse/reden_stellungnahmen/download/mak2007.pdf.
Mehr über die Arbeit der Senatskommission erfahren Sie auf der Seite www.dfg.de/dfg_im_profil/struktur/gremien/senat/kommissionen_ausschuesse/

senatskommission_pruefung_arbeitsstoffe/index.html. Dort finden Sie auch weitere Informationen über die neue Vorsitzende der Kommission, Professor Andrea Hartwig, sowie Ansprechpartner bei der DFG und die Kontaktdaten des Kommissionssekretariates, wo auch die wissenschaftlichen Begründungen für die Änderungen angefordert werden können.

Hinweis für Redaktionen:
Redaktionen können bei der DFG-Geschäftsstelle ein kostenloses Rezensionsexemplar anfordern: Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kennedyallee 40, 53175 Bonn, Tel. +49 228 885-2109, Fax: +49 228 885-2180, E-Mail: Michael.Hoenscheid@dfg.de
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/dfg_im_profil/struktur/gremien/senat/kommissionen_
ausschuesse/senatskommission_pruefung_arbeitsstoffe/index.html

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de

Weitere Berichte zu: Aflatoxine BAT-Wert MAK-Wert

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics