Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brustkrebs-Patientinnen fehlt seelische Begleitung

16.07.2007
Kurzzeit-Psychotherapie soll Betroffenen mit Depressionen helfen

Depressionen sind die häufigste psychische Begleiterkrankung bei Krebs-Patienten. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität und auch den Krankheitsverlauf der Betroffenen oft enorm. Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt eine Studie, welche die Wirksamkeit einer "Kurzzeit-Psychotherapie" bei depressiven Brustkrebs-Patientinnen untersucht. Die gemeinnützige Organisation unterstützt dieses Kooperationsprojekt an den Universitäten Mainz und Leipzig im Rahmen ihres Förderschwerpunktprogramms "Psychosoziale Onkologie" mit 543.000 Euro.

"Wie wird es weiter gehen? Wie soll ich mit der Krankheit umgehen? Wird mein Mann mich noch lieben?" - Nach der Diagnose 'Brustkrebs' geht es vielen Frauen ähnlich: Die Krankheit trifft fast alle Betroffenen plötzlich und völlig unerwartet. Alle Lebensziele, Inhalte und Werte werden in Frage gestellt. Die Sorge um das weitere Leben ist ein ständiger Begleiter der Therapie. Hinzu kommt, dass viele Frauen die Erkrankung als Angriff auf ihre Weiblichkeit sehen.

"Die Patientinnen leiden häufig unter starken seelischen Belastungen und Depressionen", sagt Professor Dr. Manfred Beutel, Studienleiter am Universitätsklinikum Mainz, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. "Unbehandelt beeinträchtigen die depressiven Leiden die Betroffenen und ihre Lebensqualität oft erheblich und verschlechtern sogar den Krankheitsverlauf." Dies zeigt: Krebs-Patienten benötigen nicht nur die bestmögliche medizinische Therapie, sondern auch seelische Begleitung. "Viele Frauen wünschen sich kompetente Gesprächspartner, mit denen sie über ihre Erkrankung und die damit einhergehenden Ängste und Belastungen sprechen können", so der Studienleiter. "Doch nur ein Drittel aller Krebs-Patienten werden entsprechend ihrer Bedürfnisse psychologisch begleitet."

... mehr zu:
»Brustkrebs »Psychotherapie

Im Rahmen der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie wird jetzt die Wirksamkeit einer Kurzzeit-Psychotherapie bei depressiven Brustkrebs-Patientinnen erforscht. "Wir wollen prüfen, inwieweit wir auch mit einem begrenzten Zeitrahmen von maximal 25 Behandlungsstunden in sechs Monaten den Patientinnen helfen können", erklärt Prof. Dr. Reinhold Schwarz, Studienleiter in der Abteilung Sozialmedizin der Universität Leipzig. Die Wissenschaftler untersuchen, wie sich die Psychotherapie auf die depressiven Symptome der Patientinnen und deren Lebensqualität auswirkt. Besonders beachten sie bei dieser "psychodynamischen" Therapie, wie die Betroffenen ihre Erkrankung vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Entwicklung erleben und dadurch bedingte Einbußen sowie innere oder zwischenmenschliche Konflikten verkraften. "Depressive Erkrankungen können vor allem mit Gefühlen von Hilflosigkeit und Angst vor dem Verlassenwerden und Alleinsein einhergehen", erklärt Beutel. "In anderen Fällen stehen Gefühle des verletzten Selbstwertgefühls oder des Versagens im Vordergrund, verbunden mit perfektionistischen und selbstkritischen Zügen." Die Studie soll klären, ob die Kurzzeit-Therapie bei beiden Formen depressiver Erkrankungen die Psyche gleich gut stabilisiert und die Lebensqualität erhöht.

Der Nutzen der Kurzzeit-Psychotherapie wird hinsichtlich erfolgreicher Konfliktverarbeitung und verbesserter Lebensqualität jeweils zu Behandlungsbeginn, -ende und nach weiteren sechs Monaten beurteilt. Die Studie läuft über drei Jahre. 180 Brustkrebs-Patientinnen nehmen daran teil. Die Ergebnisse werden verglichen mit Brustkrebs-Patientinnen, die keine spezielle Psychotherapie erhalten.

Das Forschungsprojekt ist Teil des Förderungsschwerpunktprogramms "Psychosoziale Onkologie" der Deutschen Krebshilfe. Die gemeinnützige Organisation hat dieses Schwerpunktprogramm initiiert, um die psychosoziale Versorgung krebskranker Menschen und die psychosozialen Versorgungsstrukturen in der Krebsmedizin zu verbessern und die psychoonkologische Forschung voranzubringen. Mit vier Millionen Euro fördert die Deutsche Krebshilfe bundesweit insgesamt 14 Projekte rund um die Themen Arzt-Patient-Kommunikation, Behandlung psychischer Symptome von Krebs-Patienten und Begleitung der Angehörigen.

Infokasten: Psychosoziale Onkologie
Psychosoziale Onkologie erfordert ein ganzes Team von Fachleuten: Ärzte, Psychologen, Pfleger, Sozialarbeiter, Seelsorger und Physiotherapeuten arbeiten eng zusammen. Psychotherapie und andere therapeutische Möglichkeiten wie Entspannungsmethoden, künstlerische Therapien oder Sportprogramme, die ergänzend zu Gesprächen eingesetzt werden können, senken die Belastungen durch die Krankheit. Aber auch Selbsthilfegruppen sind hilfreiche Angebote in der psychosozialen Unterstützung: Hier finden Gespräche mit Menschen statt, die Ähnliches erleben oder erlebt haben. Im stationären Bereich leisten psychoonkologische Dienste in Kliniken und Krankenhäusern Unterstützung. Im ambulanten Bereich finden Betroffene professionelle Ansprache etwa in Krebsberatungsstellen.

Projektnummer: 107457

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Brustkrebs Psychotherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics