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Häufig unerkannt - Multiple Sklerose im Kindesalter - Göttinger Mediziner machen Pilotstudie

08.06.2000


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Häufig unerkannt: Multiple Sklerose im Kindesalter
Göttinger Mediziner belegen mit Pilot-Studie: Frühe Diagnose ist möglich

(ukg) In einer erstmaligen Studie konnten Mediziner der Universität Göttingen belegen, dass Multiple Sklerose (MS) bereits im Kindesalter beginnen kann, dann aber häufig unerkannt bleibt und deshalb eine frühzeitige Therapie nicht stattfindet. Multiple Sklerose ist eine Entzündung im Gehirn, die schubweise zu Lähmungen führen kann. Die Mediziner erforschten den Verlauf und die Häufigkeit der Multiplen Sklerose bei Kindern im Alter von drei bis 16 Jahren. "Die Studie bietet die einmalige Chance, jene Faktoren in der Frühphase zu erkennen und zu analysieren, die für die MS-Erkrankung verantwortlich sind", sagt Professor Folker Hanefeld, Abteilung Kinderheilkunde mit Schwerpunkt Neuropädiatrie. Bislang sei man davon ausgegangen, dass MS fast ausschließlich im Erwachsenenalter auftrete. Die bisherigen Ergebnisse der Göttinger Studie zeigen jedoch, dass schon bei sehr kleinen Kindern Symptome der MS, wie zum Beispiel Lähmungen und Sehstörungen, auftreten können. Wenn die Krankheit früh erkannt wird, können Ärzte frühzeitig mit entsprechenden Therapien beginnen. Die Studie läuft seit 1996 und wird von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung von Beginn an und auch zukünftig gefördert. Die Förderung geschieht im Rahmen der umfangreichen MS-Forschungs-Förderung der Stiftung.

Seit 1997 werden über das bundesweite Programm ESPED zur "Erfassung Seltener Pädiatrischer Erkrankungen in Deutschland" alle MS-verdächtigen Erkrankungsfälle aus der gesamten Bundesrepublik nach Göttingen gemeldet. Seit Beginn der Studie gingen über 200 Fälle ein. Rund 160 davon haben die Mediziner bisher analysiert. "Wir stellten bei 42 Kindern eine gesicherte MS fest, bei 80 Kindern besteht der Verdacht einer MS," sagt Professor Hanefeld. Aus den gewonnenen Daten lässt sich der Schluss ziehen, dass in Deutschland pro Jahr mehr als 50 neue Fälle von MS bei Kindern auftreten. Geht man von insgesamt 5.000 Neuerkrankungen pro Jahr aus, so bedeutet dies, jeder 100ste Patient mit MS erkrankt im Kindesalter. Vergleichbare Daten wurden bisher weltweit noch nicht erhoben.

Um die Diagnose MS so eindeutig wie nur möglich zu machen, setzten die Mediziner verschiedene Untersuchungsmethoden ein. Neben der kranialen Bildgebung zum Nachweis der MS-Läsionen im Gehirn und Rückenmark beschäftigten sich die Mediziner besonders mit biochemischen Veränderungen in den Entzündungsherden. Hierzu setzten sie die MR-Spektroskopie ein. Damit konnten sie nachweisen, dass nicht nur die Markscheiden, sondern auch die Nervenfortsätze im Rahmen des entzündlichen Entmarkungsprozesses beschädigt wurden. Daraus ergaben sich neue Behandlungsansätze. Von allen Patienten wurden umfangreiche Stammbäume erstellt, um genetische Bedingungen der MS zu klären. Ebenso wurden, soweit wie möglich, Blut- und Nervenwasserproben untersucht.

Bei frühzeitig diagnostizierte MS können Therapien mit Medikamenten direkt eingesetzt werden. "Außerdem betreuen wir die Patienten in einer speziellen Sprechstunde," sagt Professor Hanefeld. Neben der medizinischen Betreuung seien vor allem die sozialen Komponenten bei der Behandlung der MS wichtig. Für viele bedeutet die Diagnose MS eine große Lebensumstellung. Auch stellen sich die Betroffenen Fragen nach der zukünftigen Lebensgestaltung. Die Mediziner beraten die Patienten, beziehungsweise bei kleinen Kindern deren Eltern, deshalb bei Fragen der Beschulung, Berufsfindung und Familienplanung.

Weitere Informationen:

Georg-August-Universität Göttingen
Bereich Humanmedizin
Abt. Kinderheilkunde - Schwerpunkt Neuropädiatrie
Professor Folker Hanefeld
Tel. 0551/39 - 80 35

08.06.2000 |

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