Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Hilfe für Gewaltopfer

30.06.2000


... mehr zu:
»Psychologe »Psychotherapie
Prävention von chronischen Störungen

Köln, den 28. Juni 2000 - Durch eine nach einem Gewaltakt zügig

eingeleitete kurze Trauma-Akuttherapie, die ungefähr zehn Termine umfaßt, kann eine signifikante und andauernde Minderung der Symptome bei Gewaltopfern erreicht werden. Ein weiterentwickeltes Therapieverfahren, bei dem die Behandlungsform speziell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten wird, kann dabei die bisher hohe Abbruchrate verhindern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die unter Leitung von Professor Dr. Gottfried Fischer am Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität zu Köln in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Psychotraumatologie, Köln erstellt wurde.

Die psychische Versorgung von Gewaltopfern kann in großen Teilen Deutschlands derzeit nur als katastrophal bezeichnet werden. Dies zeigte sich im Rahmen der Studie, auf die nach Bekanntwerden der Thematik ein wahrer Nachfrageansturm von Opfern entstand, die schon vor längerer Zeit traumatisiert wurden. Eine Schätzung, daß in einem Zeitraum von zehn Jahren in Nordrhein-Westfalen 80.000 Gewaltopfer unter chronischen Gesundheitsfolgen einer Gewalttat leiden, werten die Kölner Psychologen deshalb nur als untere Grenze einer vermutlich noch höher liegenden Zahl. Hinzu kommt, daß ein Großteil der Betroffenen nicht als chronisch Traumatisierte in der Statistik geführt werden, sondern unter ihren Folgeerkrankungen wie Alkoholismus oder depressiven Störungen eingeordnet werden.

Das Kölner Opferhilfe Modellprojekt, ein Netzwerk von Hilfsangeboten, das im Zuge eines vorhergehenden Projektes entstand, ermöglicht eine schnelle erste Hilfe für Gewaltopfer. Ein wesentlicher Kooperationspartner in diesem Netzwerk ist die Kölner Polizei. Mit dem Computerprogramm "Victim", welches landesweit in Polizeidienststellen in NRW eingeführt wurde, können akut traumatisierte Opfer erkannt und an entsprechende Hilfsstellen weitergeleitet werden. Desweiteren besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Weißen Ring und dem Versorgungsamt der Stadt Köln. Im Umfeld des Projekts entstand darüber hinaus eine Gruppe von psychotraumatologisch erfahrenen Psychotherapeuten, die Patienten betreuen können.

Besonders wichtig scheint bei der Behandlung der Betroffenen eine in der Psychotherapie bislang unübliche Aktivität und Flexibilität des Therapeuten zu sein, der verstärkt auf das Opfer zugehen sollte. Denn eine große Zahl der Opfer von Gewaltverbrechen strebt nach Beobachtungen der Studie in der Frühphase nach dem Verbrechen eher von Hilfseinrichtungen weg und nimmt mit diesen erst wieder Kontakt auf, wenn ihr Trauma bereits chronisch geworden ist und die Beschwerden nicht mehr anderweitig zu entlasten sind. Die Therapeuten sollten deshalb aktiv den Kontakt zum Patienten herstellen, zum Beispiel durch telefonische Kontaktaufnahme. Genauso sollte der Patient über die Symptome und Ursachen von Traumafolgeerkrankungen aufgeklärt und über deren Verlauf informiert werden.

Nach Meinung der Kölner Psychologen kann die sichtbar gewordene Versorgungslücke für Traumaopfer nur durch Verbesserungen im Bereich der Weiterbildung von Psychotherapeuten auf dem Gebiet der Psychotraumatologie und Entwicklung ambulanter und stationärer Konzepte für die Akuttraumatherapie in einem vertretbaren Zeitraum geschlossen werden. Dabei ist es jedoch nicht nötig eine flächendeckende Versorgung anzustreben und jedes Opfer psychotherapeutisch zu behandeln. Vielmehr werden die gefährdeten Patienten durch den während der vorhergehenden Studie entwickelten Kölner Risiko-Index herausgefiltert (nur etwa ein viertel der Betroffenen) und können dann fachlich betreut werden.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen vormittags Frau Maibach unter der Telefonnummer 0221/470-6287 und der Fax-Nummer 0221/470-5034 zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).

Für die Übersendung eines Belegexemplars waren wir Ihnen dankbar.

Gabriele Rutzen |

Weitere Berichte zu: Psychologe Psychotherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

22.08.2017 | Physik Astronomie

Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Virus mit Eierschale

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie