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Frauen stoßen fremde Herzen seltener ab

13.03.2002


Der weibliche Körper kann sich besser mit fremden Herzen anfreunden: Nach einer Herztransplantation kommt es bei Frauen deutlich seltener zur chronischen Abstoßung des neuen Organs als bei Männern. Bei diesem Effekt spielt das Sexualhormon Östrogen offenbar eine wichtige Rolle, wie die Würzburger Medizinerin Sonja Schrepfer in ihrer Doktorarbeit herausgefunden hat.

Bei einer chronischen Transplantatabstoßung wandern glatte Muskelzellen in die Innenschicht der Herzkranzgefäße ein und vermehren sich dort. Dadurch werden die Gefäße immer enger, und die zunehmend schlechtere Versorgung des Herzens mit Sauerstoff führt rasch zur Herzinsuffizienz oder zum plötzlichen Herztod. Diese Vorgänge sind die Haupttodesursache im Langzeitverlauf nach einer Herztransplantation. Eine Therapie dagegen gibt es bis heute nicht.

Sonja Schrepfer hat am Rattenmodell herausgefunden, dass die Verengung der Blutgefäße an einem transplantierten Herzen unter dem Einfluss von Östrogen deutlich geringer ausfällt. Das Hormon hemmt die glatten Muskelzellen in der Gefäßwand und bewirkt zudem, dass in den Transplantaten weniger Immunzellen zu finden sind.

Die Würzburger Medizinerin testete auch die Wirkung des Pflanzeninhaltsstoffes Coumestrol, der sich vom Östrogen ableitet. Von diesem Naturstoff ist bekannt, dass er vorwiegend den so genannten ß-Rezeptor beeinflusst. Ergebnis: Auch das Coumestrol verringert eindeutig die Verengung der Blutgefäße. Dieser Effekt verschwindet, wenn gleichzeitig ein Stoff vorhanden ist, der den Rezeptor blockiert. All das deutet darauf hin, dass die Wirkung von Östrogen auf die chronische Transplantatabstoßung über Rezeptoren vermittelt wird.

Für diese Forschungen bekam Sonja Schrepfer am 17. Februar 2002 in Leipzig den mit 1.000 Euro dotierten Nachwuchsförderpreis der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie verliehen. Die 23jährige Medizinerin kommt aus Rimpar bei Würzburg und ist inzwischen in Hamburg-Eppendorf tätig. Ihre preisgekrönte Arbeit führte sie an der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie der Uni Würzburg unter der Anleitung von Dr. Volkmar Lange durch.

Laut Dr. Lange soll nun eine Therapiemöglichkeit erarbeitet werden, die zumindest das rasche Voranschreiten der Gefäßverengung bei transplantierten Herzen bremst. Gleichzeitig müssen dabei natürlich die Nebenwirkungen des Östrogen vermieden werden: die "verweiblichenden" Effekte und das erhöhte Risiko für Krebserkrankungen der Brustdrüsen und der Gebärmutterschleimhaut.

Weitere Informationen: Dr. Volkmar Lange, T (0931) 201-5081, Fax (0931) 201-5088, E-Mail: 
Lange_V@klinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

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