Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Riesen-Marktchancen durch Plasmatechnologie in der Medizintechnik

13.03.2002


International renommierte Experten aus den USA, Japan und Skandinavien diskutieren ab heute bis Freitag (13. bis 15. März 2002) in Wuppertal neueste Entwicklungen der Plasmatechnologie.

Zu den neuesten Trends der Plasmatechnologie gehören insbesondere Anwendungen in der Bio- und Medizintechnik. Dort wird ein enormes Marktpotential gesehen. Beispiele: Implantate wie Prothesen und Stents, Sterilisation von Endoskopen oder auch die zeitlich gesteuerte Abgabe von Wirksubstanzen an den menschlichen Organismus zur Unterstützung körpereigener Funktionen. Hier hat das Forschungszentrum für Mikrostrukturtechnik (fmt) der Bergischen Universität unter der Leitung von Professor Dr.-Ing. Dr.h.c. Jürgen Engemann in den letzten Jahren ein spektakuläres Forschungsfeld aufgetan und inzwischen eine international beachtete Spitzenposition erreicht. Die Plasmatechnologie ist eine Querschnitts- und Schlüsseltechnologie mit Anwendungen in vielen Industriezweigen, so der Mikroelektronik und Nanotechnologie, der Oberflächen- und Werkstofftechnik, im Fahrzeug- und Maschinenbau, in der Bio- und Medizintechnik, der Photovoltaik und Umwelttechnik, in Chemie und Kunststofftechnik, Optik und Lichttechnik, Verpackungs- und Textiltechnik. An der plasmatechnologischen Forschung sind Physiker, Chemiker, Elektro- und Maschinenbauingenieure, Verfahrenstechniker und andere beteiligt. Prof. Dr.-Ing. Engemann: "Plasmatechnologie ist innovativ, ökonomisch und ökologisch nachhaltig." Sie finde immer stärkeren Eingang in die industrielle Nutzung. Dabei löse sie vor allem technologische Verfahren ab, die aus ökologischer Sicht umstritten sind. Das Kernthema des Wuppertaler Forschungszentrums für Mikrostrukturtechnik fmt, das soeben ein renoviertes Kasernengebäude auf dem neuen Wuppertaler "Technologie-Campus" Freudenberg bezogen hat, werden deshalb biomedizinische Anwendungen technischer Plasmen sein. Zum Hintergrund - was fasziniert Forscher und Anwender am Phänomen Plasma? Prof. Engemann, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Plasmatechnologie (Bochum) ist, spricht von "Plasma, dem unbekannten Wesen". Wenn von Plasma die Rede sei, dächten viele Menschen zunächst an Blutplasma. Engemann: "Wir verstehen darunter jedoch ein Ensemble von elektrisch geladenen und ungeladenen Teilchen, das als Ganzes elektrisch neutral ist. In mancher Hinsicht ähnelt ein solches ’Gebilde’" - so die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes Plasma - einem Gas. Die geladenen Teilchen sorgen jedoch dafür, dass ein Plasma nicht nur elektrisch erzeugt und beeinflusst werden kann, sondern merkwürdige und von einem Gas völlig verschiedene Eigenschaften hat. Daher nennt man den Plasmazustand der Materie auch den vierten Aggregatzustand." In den letzten Jahrzehnten seien große Anstrengungen unternommen worden, um das Plasma zur Energieerzeugung mittels kontrollierter Kernfusion zu nutzen. Die wissenschaftlich-technischen Herausforderungen seien enorm, weil die Überwindung der Abstoßungskräfte zwischen den Plasmateilchen sehr hohe Temperaturen von über hundert Millionen Grad erfordere, wie sie normalerweise nur im Inneren der Sonne und anderer Sterne vorkämen. Neben der Erforschung dieser heißen, sogenannten thermischen Plasmen sei es neuerdings vor allem das Niedertemperaturplasma, das die Aufmerksamkeit der Forscher und Ingenieure anziehe. Seit seiner Gründung 1991 widme sich das Wuppertaler Forschungszentrum für Mikrostrukturtechnik (fmt), das zum Institut für Materialwissenschaften gehört, intensiv der Physik und Technologie von Niedertemperaturplasmen. In einem solchen nichtthermischen Plasma seien nur die leichten Elektronen heiß (immerhin einige zehntausend Grad), Ionen und Neutralteilchen hätten dagegen annähernd Zimmertemperatur. Eine Fusion lasse sich so nicht erreichen, wohl aber Lichtemission und eine Vielzahl chemischer Reaktionen, die durch die energiereichen Elektronen initiiert werden. Hieraus resultiere ein beachtliches Potenzial für industrielle Anwendungen, die von der Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik über die Lichterzeugung, Automobiltechnik, Medizintechnik bis zum Einsatz im Umweltschutz reichten. Engemann: "Die bekannte ’Energiesparlampe’ beispielsweise müsste eigentlich "Plasmalampe" heißen, denn ihr Licht wird mit einem Niedertemperaturplasma erzeugt."

Michael Kroemer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fmt.uni-wuppertal.de

Weitere Berichte zu: Medizintechnik Mikrostrukturtechnik Plasma Plasmatechnologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie