Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das erste Institut für Multiple-Sklerose-Forschung in Deutschland

06.03.2002


Das erste Institut für Multiple-Sklerose-Forschung in der Bundesrepublik soll in Göttingen errichtet werden. Die Vertragsunterzeichnung zwischen der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und dem Bereich Humanmedizin der Georg-August-Universität fand heute, am 6. März 2002, in Anwesenheit des Niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur, Thomas Oppermann, im Universitätsklinikum Göttingen statt. "Der Zuschlag der Hertie-Stiftung ist eine hohe Anerkennung für die Exzellenz der hier arbeitenden Wissenschaftler. Mit dem neuen Institut wird sich Göttingen zu einem der bedeutendsten Zentren der Multiple-Sklerose-Forschung entwickeln", sagte Minister Oppermann. Göttingen hatte sich im öffentlichen Wettbewerb "Molekulare Neuroimmunologie der Multiplen Sklerose" der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung durchgesetzt und damit den Zuschlag für die Fördermittel der Stiftung erhalten: 2,8 Millionen EURO in den nächsten sechs Jahren, die zum Aufbau des Forschungsinstitutes durch den Bereich Humanmedizin verwendet werden.

An dem neuen Institut sind fünf wissenschaftliche Einrichtungen aus Göttingen vertreten: Die Abteilung Neurologie mit ihrem Schwerpunkt Neuroimmunologie des Bereichs Humanmedizin, das Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin, die Forschergruppe Neuroimmunologie des European Neuroscience Instituts (ENI), die Biomedizinische NMR Forschungs GmbH am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie Göttingen und das Deutsche Primatenzentrum. Diese werden ergänzt durch Arbeitsgruppen des Instituts für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität Bonn und der Neurologischen Klinik der Charité Berlin.

In einem international begutachteten Wettbewerb der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung zum Thema "Molekulare Neuroimmunologie" wurde ein unter Leitung von Professor Dr. Mathias Bähr (Leiter der Abt. Neurologie - Bereich Humanmedizin) und Privat-Dozent Dr. Harald Neumann (Forschergruppe Neuroimmunologie des European Neuroscience Institute der Universität Göttingen) gestellter Antrag mit dem Titel "Molecular mechanisms and repair strategies of demyelination and axonal damage in Multiple Sclerosis" zur Förderung ausgewählt. Im Bereich Humanmedizin wird nun ein "Institut für Multiple-Sklerose-Forschung" im Sinne des Paragraphen 6 Niedersächsisches Hochschulgesetz (NHG) gegründet. Das Institut will die neuroimmunologischen Mechanismen erforschen, die dem für die multiple Sklerose so charakteristischen Untergang der Nervenfaserscheiden und Nervenfasern zugrunde liegen. Ziel des Instituts ist es darüber hinaus, Strategien zur Reparatur dieser Schäden zu entwickeln. Schwerpunkte der geplanten Forschung sind die Analyse der molekularen Mechanismen der Myelin- und axonalen Schädigung, zytotoxische Reaktionen zwischen Immunzellen und Neuronen sowie die Entwicklung neuer Strategien der Gen- und Zellersatztherapie in Tiermodellen.

Zum Aufbau des Instituts wird die Gemeinnützige Hertie-Stiftung einen C4-Stiftungslehrstuhl "Experimentelle Neuroimmunologie" und weitere Wissenschaftlerstellen an der Georg-August-Universität finanzieren. Mit Unterstützung des Landes Niedersachsen baut der Bereich Humanmedizin die zweite Etage des neurowissenschaftlichen Forschungsgebäudes im Waldweg 33 aus, schreibt den Lehrstuhl als Dauerstelle aus und ergänzt die Personalausstattung des neuen Institutes, so dass dort bereits bei Arbeitsbeginn am 1. Juni 2002 mehr als 20 Mitarbeiter tätig sein werden. Um die Effektivität des Institutes zu erhöhen und einen Beitrag zur Reform der Forschungsorganisation zu leisten, haben Stiftung und Universität vereinbart, eine moderne Führungsstruktur zu realisieren. Wie der Vorsitzende der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, Dr. Michael Endres, ausführte, sollen die Leiter der geförderten Arbeitsgruppen und der neue Lehrstuhlinhaber den gleichberechtigten Vorstand des Institutes bilden, der gemeinsam Räumlichkeiten, Personal und Sachmittel verwaltet und aufteilt.

Die multiple Sklerose ist eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems, an der etwa 100.000 Menschen in Deutschland leiden. Obschon die Krankheit seit mehr als einhundert Jahren bekannt ist und erforscht wird, ist die eigentliche Ursache noch immer unklar und es fehlen sicher wirksame Maßnahmen zur Eindämmung und Heilung. In den letzten Jahren haben sich jedoch die Hinweise darauf verstärkt, dass die eigentliche Ursache der multiplen Sklerose in einer Störung des körpereigenen Immunsystems liegt. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung will die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiet mit einem herausragenden, erfolgversprechenden und langfristigen Forschungsvorhaben gezielt vorantreiben und wird dazu in den nächsten zehn Jahren bis zu 4,6 Mio. EURO zur Verfügung stellen.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung arbeitet in den Schwerpunkten Neurowissenschaften/multiple Sklerose, Europäische Integration und Erziehung zur Demokratie. Dem Willen des Stifters, Georg Karg, entsprechend wurde der medizinischen Forschung seit Gründung der Stiftung im Jahre 1974 eine hohe Priorität eingeräumt, wobei die Erforschung der multiplen Sklerose im Vordergrund stand. Die GHS ist heute die größte private Förderinstitution der Hirnforschung in Deutschland; allein in den letzten drei Jahren wurden die Neurowissenschaften mit durchschnittlich mehr als zehn Millionen EURO pro Jahr gefördert. Mit dem Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung in Tübingen hat die Stiftung im Jahr 2000 das größte und modernste Zentrum für Neurologie in Deutschland gegründet. Auf dem Gebiet der multiplen Sklerose ist die GHS - sowohl in der Forschung als auch der sozialmedizinischen Nachsorge - die aktivste deutsche Stiftung und hat bislang insgesamt mehr als 30 Millionen ¤ an Fördermitteln aufgewendet.

Claudia Finke | ots
Weitere Informationen:
http://www.ghst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie