Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie reagieren Immunzellen bei Gefahr?

25.10.2000


Mit zwei verschiedenen Signalen informieren

die dendritischen Zellen des Immunsystems die T-Zellen über den

Angriff von Bakterien oder Viren. Wie die T-Zellen diese Signale

verarbeiten, wird in Würzburg erforscht. TZR=T-Zell-Rezeptor.

Grafik: Lühder


Wenn dem Körper Gefahr von Krankheitserregern droht, dann tritt seine Abwehr in Aktion. Ist tatsächlich ein Erreger eingedrungen? Um welchen handelt es sich genau? Die Antwort auf diese Fragen wird
letztendlich den T-Zellen des Immunsystems zugespielt. Wie diese dann reagieren, untersuchen Immunbiologen an der Universität Würzburg.

Täglich wird der menschliche Organismus mit einer ganzen Reihe von Krankheitserregern konfrontiert: Bakterien und Viren dringen in ihn ein und versuchen sich zu vermehren. Zur Abwehr solcher Überfälle besitzt der Mensch ein ausgeklügeltes Immunsystem: Zum einen produzieren dessen B-Zellen antibakterielle und antivirale Antikörper, zum anderen töten T-Zellen infizierte Zellen direkt ab.

Wie erfahren die T-Zellen nun, ob ein Krankheitserreger zu bekämpfen ist und um welchen es sich handelt? Die entsprechenden Informationen bekommen sie von den dendritischen Zellen des Immunsystems geliefert: Diese nehmen einige eingedrungene Krankheitserreger in sich auf, verdauen sie und leiten dann passende Signale an die T-Zellen weiter.

Dabei handelt es sich einerseits um ein Signal, das die Identität des Erregers mitteilt. Dadurch wird sichergestellt, dass nur solche T-Zellen aktiviert werden, die den Erreger auch wirklich bekämpfen können. Andererseits, und dies ist laut Dr. Fred Lühder vom Würzburger Institut für Virologie und Immunbiologie nicht weniger bedeutend, wird den T-Zellen ein "Gefahrensignal" übermittelt, das ganz allgemein die Existenz eines Krankheitserregers im Körper anzeigt.

Dr. Lühder untersucht am Mausmodell, auf welcher Ebene innerhalb der T-Zellen diese beiden unterschiedlichen Signale zusammenwirken und ob und in welcher Weise sie sich gegenseitig beeinflussen. Sein Projekt wird vom Bundesforschungsministerium im Rahmen des Würzburger "Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung" gefördert.

Für seine Arbeit nutzt der Wissenschaftler monoklonale Antikörper, die am Lehrstuhl von Prof. Dr. Thomas Hünig entwickelt wurden. Diese Antikörper können das "Gefahrensignal" am T-Zell-Rezeptor CD28 direkt imitieren - daraufhin werden die T-Zellen zur Teilung und zur Ausbildung ihrer speziellen Abwehrfunktionen angeregt.

Dr. Lühder: "Die Erforschung dieser Signalwege kann später einmal vielleicht zu neuen Therapiestrategien für bestimmte Erkrankungen führen: Entweder in Fällen, bei denen das Gefahrensignal zur falschen Zeit gegeben wird und sich das Immunsystem deshalb auch gegen den eigenen Körper richtet, was zum Beispiel für autoimmunen Diabetes oder Multiple Sklerose zutrifft. Oder aber in Fällen, bei denen das Signal zur richtigen Zeit fehlt und folglich die effektive Eliminierung von gefährlichen Zellen verhindert, beispielsweise bei Krebs."

Weitere Informationen: Dr. Fred Lühder, T (0931) 201-3958, Fax (0931) 201-2243,
 E-Mail: fred.luehder@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Immunsystem Krankheitserreger Multiple Sklerose T-Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Starkes Übergewicht: Magenbypass und Schlauchmagen vergleichbar
17.01.2018 | Universität Basel

nachricht Therapieansatz: Kombination von Neuroroboter und Hirnstimulation aktiviert ungenutzte Nervenbahnen
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten