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Substanz-"Wunderwaffe" schießt auf Krebszellen

04.03.2002


Medikament entwickelt schädigende Wirkung erst im Tumor

Chemiker der Universität Göttingen haben ein Krebs-Medikament entwickelt, das ausschließlich Tumore schädigt. Das Mittel wirkt nur dann tödlich, wenn es die Tumorzellen erreicht. Keinen Beweis gibt es bisher dafür, ob das Medikament auch bei Menschen Wirkung zeigt. Das Team um Lutz Tietze hofft trotzdem auf einen Schritt in Richtung "magische Wunderwaffe", die selektiv Krebszellen attackiert und dabei kaum Nebenwirkungen aufweist, wie das Fachmagazin Nature in seiner aktuellen Online-Ausgabe berichtet. Der Vorteil von Enzym-aktivierten Methoden, die in den 80-Jahren entwickelten wurden, liegt darin, dass sich die Wirkung nur am Zielort entwickelt.

Das Medikament wirkt in Mäusen mit einpflanzten menschlichen Tumoren, so Tietze. Bevor die Tiere mit der Substanz behandelt wurden, erhielten die Mäuse ein Enzym zur Aktivierung. Dadurch heftete sich der Wirkstoff lediglich an die Tumorzellen und ließ gesunde Zellen unbeeinflusst. Dadurch bleibt das Medikament bis zum Zeitpunkt der Aktivierung in den Tumoren harmlos. Laut Forschern schrumpften anschließend die Tumore ohne sichtbare Nebenwirkungen. Bei Menschen solle das selbe Wirkprinzip gelten. Das aktivierende Enzym könnte so "maßgeschneidert" werden, dass es sich am bösartigen Gewebe festklammert und gesunde menschliche Zellen umgeht.

Die meisten Chemotherapien derzeit sind für kanzeröse Zellen ebenso wie für normale Zellen Gift und führen zu schweren Nebenwirkungen wie z.B. zu einem geschwächten Immunsystem. Um diese zu verringern entwickelten die Göttinger Forscher ein Antitumor-Molekül, das aus einem Ring mit drei Kohlenstoff-Atomen besteht. Der Ring ist stark gespannt und neigt dazu, aufzubrechen. Ist der Ring erst einmal offen, wird er zum reaktiven Molekül und schädigt Nukleinsäuren-Moleküle, die für die normale Zellfunktion wesentlich sind. Damit die "Bombe" aber nicht an jedem beliebigen Ort im Körper "explodiert", entwickelten die Forscher eine Art "Vorläufer-Substanz". Es handelt sich dabei um ein natürliches Antibiotikum, das keinen gespannten Ring, sondern eine Zucker-Einheit besitzt. Wird der Zucker abgespalten, arrangiert sich das Molekül neu und wird toxisch. Der Zucker wird durch ein Enzym entfernt.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nsu/020225/020225-14.html

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