Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Atopisches Ekzem: Gestuftes Behandlungskonzept

25.07.2000


... mehr zu:
»Basistherapie »Ekzem »Przybilla
Das Atopische Ekzem wird häufiger: Inzwischen sind 15 Prozent aller Schulanfänger betroffen. Experten setzen auf ein gestuftes Behandlungskonzept, präsentiert auf der 17. Fortbildungswoche für
praktische Dermatologie und Venerologie in München.

Beim Atopischen Ekzem, oft auch Neurodermitis genannt, sind sich die Experten nur an einem Punkt sicher: Die Fallzahlen steigen. Bei den Geburtsjahrgängen vor 1960 sind zwischen ein und drei Prozent der Menschen betroffen. Von den nach 1970 Geboren leiden hingegen zwischen acht und 20 Prozent an der Erkrankung. Unter den zur Zeit siebenjährigen Schulkindern haben 15 Prozent ein Atopisches Ekzem. Die einzige tröstliche Nachricht: Die Heilungsaussichten für die Betroffenen sind gut. Als Wissenschaftler 2000 ehemalige Patienten im Alter von 20 Jahren nachuntersuchten, war die Krankheit bei 88 Prozent verschwunden.

Woher die Hautkrankheit kommt und wodurch sie ausgelöst wird, ist trotz intensiver Forschung immer noch weitgehend unklar. Sicher ist auch hier nur wieder eines: Verschiedene Faktoren müssen zusammenwirken: eine wahrscheinlich genetisch beeinflusste Veranlagung, immunologische und biochemische Besonderheiten, eine besonders "trockene" Haut und vor allem verschiedene Umwelteinflüsse. "Einfach gesagt, reagieren die betroffenen Patienten wegen ihrer atopischen Veranlagung auf bestimmte Umwelteinflüsse mit der atopischen Erkrankung", erklärt Professor Bernhard Przybilla von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU München.

Allerdings wird die Angelegenheit dann doch wieder etwas komplizierter: Offenkundig modulieren die Umwelteinflüsse die veranlagungsbedingten Besonderheiten der Patienten und verstärken so dessen Reaktionsbereitschaft. Ein Beispiel: Ist die Barrierefunktion der Haut aufgrund der Veranlagung eines Patienten gestört, können irritierende Substanzen und Allergene diese Barrierefunktion weiter beeinträchtigen. "Dies mündet", so Przybilla, "in einen Teufelskreis." Doch der kann durchbrochen werden: "Beseitigt man die Krankheitserscheinungen, vermindert man die Empfindlichkeit und beeinflusst so die ’atopische Hypersensibilität’", so der Dermatologe.

Gestuftes Behandlungskonzept

Auf dieser Grundlage basiert das gestufte Behandlungskonzept, das Przybilla favorisiert: Stufe eins besteht aus einer ein- bis zweiwöchigen Basistherapie der Krankheitserscheinungen mit Cortisonhaltigen Salben. "Dies führt innerhalb von sieben bis zehn Tagen in den meisten Fällen zur vollständigen oder weitgehenden Abheilung", weiß der Dermatologe. Danach wird die Cortisondosis reduziert und die Behandlung ausgeschlichen - überlappend beginnt die "Hautpflege". Da die entzündete Haut anfällig ist für bakterielle und virale Infektionen müssen auch diese behandelt werden, falls der Arzt eine entsprechende Infektion diagnostiziert. Ein ebenso wichtiger Baustein der Basistherapie ist die konsequente dauernde Hautpflege sowie die Meidung von Hautirritationen. Kommt es jährlich zu nicht mehr als zwei bis drei Schüben der Erkrankung", so Przybilla, "ist diese Stategie akzeptabel."

Ärzte und Eltern als Detektive

Wenn diese Basistherapie versagt, müssen Ärzte und Eltern zu Detektiven werden. Dann gilt es jene Umwelteinflüsse aufzuspüren, die die Erkrankung provozieren. Dies gelingt allerdings nicht in allen Fällen, da die Palette sehr umfangreich ist: Nahrungsmittel sind etwa bei der Hälfte der Patienten mit schweren Verläufen die Auslöser. Infrage kommen aber auch Allergene wie Hausstaubmilben, Tierhaare (vor allem der Katze) oder Pollen. Ebenso können verschiedene Mikroben und psychische Faktoren Auslöser sein. Dann sind verschiedene Untersuchungen erforderlich. Werden die Ärzte fündig, kann der Provokationsfaktor - wenn möglich - gemieden werden.
"Ungerichtete Auslass-Diäten ohne entsprechende Hinweise aus spezifischen Untersuchungen sind nicht zu vertreten", so Przybilla: "Diese belasten unnötig und gefährden die Kinder durch Mangelernährung."

Gelingt es den Ärzten nicht, individuelle Provokationsfaktoren zu entdecken oder können diese nicht gemieden werden, stehen noch andere Therapiestrategien zur Verfügung, die allerdings oft aufwendig sind, deren Wirkung nicht zuverlässig ist und die auch wesentliche Nebenwirkungen bei korrekter Anwendung haben können. Zu diesen Methoden gehören beispielsweise Phototherapie, Klimatherapie oder Psychotherapie, sowie verschiedene Arzneimittel, die im Rahmen von klinischen Studien erprobt werden.

Rückfragen an:
Prof. Dr. med. Bernhard Przybilla
Klinik und Poliklinik für Dermatologie
und Allergologie der LMUMünchen
Frauenlobstraße 9-11
80337 München
Tel.: 089-5160-6200/6201
Fax: 089-5160-6209

Pressestelle: Barbara Ritzert; ProScientia GmbH,
Andechser Weg 17, 82343 Pöcking
Tel.: 08157/93 97-0; Fax: 08157/93 97-97; e-mail: proscientia@t-online.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert |

Weitere Berichte zu: Basistherapie Ekzem Przybilla

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise