Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mediziner fordern verstärkten Einsatz von Folsäure

27.02.2002



Prophylaxe bei Herz- und Gefäßerkrankungen sowie bei Schwangerschaften

... mehr zu:
»Folsäure

Folsäure soll zukünftig verstärkt zur Prävention in der Medizin eingesetzt werden. Dies forderten zahlreiche Experten aus Gesundheit und Medizin heute, Mittwoch, anläßlich einer Pressekonferenz. Ein Folsäuremangel korreliert meist mit einem erhöhten Homocystein-Spiegel, der einen Risikofaktor für Herz- und Gefäßerkrankungen sowie für Fehlbildungen während der Schwangerschaft darstellt. Eine ausreichende Menge des Vitamins kann nicht über die Nahrung aufgenommen werden, vor allem zu Therapiezwecken ist eine medikamentöse Zufuhr notwendig. Die Therapie mit Folsäure ist kostengünstig, einfach durchzuführen und leicht verfügbar.

Risikofaktoren für ein erhöhtes Serum-Homocystein (Homocysteinämie) sind unter anderem regelmäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, höheres Alter und Übergewicht, aber auch Medikamente wie Theophyllin (Asthma) und die "Pille". Homocystein (Hcy) entsteht als Abfallprodukt des Proteinstoffwechsels und ist ein starkes Gefäßgift, das Entzündungsreaktionen am Gefäß auslöst. Es modifiziert Eiweiß- und Blutfettmoleküle oxidativ, so dass diese sich bösartig verändern. Von dem Risiko einer Hcy-Ämie (Hcy-Wert über 15 mmol) sind nach Schätzungen der Experten zehn Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen. Durch die Zufuhr von Folsäure kann eine Senkung des Hcy-Spiegels um 30 Prozent erreicht werden. Weitere gefäßprotektive Wirkungen in Zusammenhang mit antioxidativen Effekten im Bereich der Endothelfunktion (Endothel = Gefäßinnenwand) werden noch untersucht.


Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie – "Decreased Rate of Coronary Restenosis after Lowering of Plasma Homocysteine Levels" (Vol. 345, No. 22, pp. 1593-1600) – hat signifikante Ergebnisse bei der Restenose-Rate nach Ballonkatheterdilatation (Aufdehnung) von verengten Herzkranzgefäßen erzielt. Durch die Zugabe eines Vitaminpräparates aus Folsäure, Vitamin B6 und B12 konnte die Restenose-Rate auf Grund einer Senkung des Hcy um 75 Prozent herabgesetzt werden. Im Bereich Schlaganfall existiert bisher eine einzige abgeschlossene Studie, die gezeigt hat, dass eine Hcy-Senkung durch Folsäure-Zugabe Verengungen der Halsschlagader zum Stillstand gebracht bzw. sogar zum Rückgang der Plaquebildung geführt hat.

In der Schwangerschaft kann, wie bereits bekannt ist, eine ausreichende Versorgung mit Folsäure schwere Fehlbildungen verhindern, zum Beispiel den sogenannten "Neuralrohrdefekt" ("offener Rücken"). Da die Bildung des Neuralrohres schon in den ersten sechs Schwangerschaftswochen erfolgt, muss dem rechtzeitig durch Zugabe eines Folsäure-Präparates vorgebeugt werden. Der Gynäkologe Norbert Pateisky meinte: " Plakativ formuliert, wer die Pille absetzt, sollte mit Folsäure beginnen", und betonte wie wichtig die Information der Frauen ist, da nur zwei Prozent über die präventive Wirkung einer Folsäurebehandlung Bescheid wissen. Auf der Homepage der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe http://www.oeggg.at finden interessierte Frauen einschlägige Informationen. Um eine ausreichende Menge Folsäure mit der Nahrung aufzunehmen müßten nach Angaben von Harald Kritz von der Kuranstalt Engelsbad täglich "400 bis 500 Gramm Grünfutter" in die Mahlzeit inkludiert werden (siehe Foto). Seit einigen Jahren laufen Bemühungen, um eine Anreicherung der Nahrungsmittel (z.B. Mehl), so wie es bereits in den USA, England, Ungarn etc. durchgeführt wird, zu erreichen.

Ulrike Unterberger | pte

Weitere Berichte zu: Folsäure

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie