Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selbstmessung der Gerinnungswerte: Deutschland als Vorbild für unsere französischen Nachbarn

06.03.2007
Der französische Fernsehsender TV5 kam eigens von Paris nach Berlin-Buch

Vielleicht ist Privatdozent Dr. Ralf Dechend aus der Franz-Volhard-Klinik des HELIOS Klinikums Berlin-Buch in Frankreich bald ein bekanntes Gesicht. Der Bucher Kardiologe und Gerinnungsspezialist gab dem französischen Fernsehsender TV5 ein Interview, das im Rahmen einer Medienkampagne bald über den Sender laufen wird. Französische Journalisten waren eigens von Paris nach Berlin gekommen, um einen Beitrag über die Selbstkontrolle der Gerinnungswerte durch betroffene Patienten zu drehen. Deutschland ist hier ein Vorbild für Frankreich.

Von den 500.000 Patienten, die in Deutschland auf die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente angewiesen sind, misst schon jeder fünfte Patient seine Werte selbst. Ganz anders in Frankreich. Dort komme die Selbstkontrolle praktisch nicht vor, und die Betroffenen gehen selbst mit der Routinekontrolle durch den Arzt, die alle vier Wochen erfolgen soll, sehr nachlässig um, bedauern französische Gesundheitsexperten. Die Folge: In Frankreich sterben zu viele der 600.000 Patienten, die Gerinnungspräparate einnehmen, an den Folgen von Hirnblutungen. Dabei ist die Einnahme der Medikamente lebenswichtig, bei bestimmten Arzneimitteln müssen die Werte aber engmaschig kontrolliert werden (siehe auch Stichwort unten).

Die aktive Beteiligung der Patienten, die ihre Werte in der Regel einmal pro Woche selbst messen, hat Vorteile. Die Patienten sind weitgehend unabhängig, vor allem auf Reisen und im Urlaub. "Studien haben bewiesen, dass geschulte Patienten, die ihren Status regelmäßig ständig selbst kontrollieren, ihre Gerinnungswerte besser im Griff haben als Patienten, die alle vier Wochen zum Arzt gehen", berichtet Dr. Dechend. "Das gilt sowohl für ältere Patienten, als auch für Kinder und Jugendliche." Klinische Daten deuten darauf hin, dass Patienten, die ihre Werte selbst kontrollieren, weniger Schlaganfälle, Thrombosen und Hirnblutungen erleiden.

... mehr zu:
»Gerinnungswerte »Thrombose

Das französische Wissenschaftsministerium hat das Thema Selbstkontrolle entdeckt und startet in den nächsten Wochen eine Studie. Die Forscher möchten herausfinden, ob Patienten, die ihre Gerinnungswerte selbst kontrollieren, besser eingestellt sind und weniger Hirnblutungen erleiden als Patienten, die lediglich zur Routinekontrolle gehen. Vom Ergebnis dieser Studie will Paris das weitere Vorgehen abhängig machen.

Dass der Fernsehsender TV5 nach Berlin-Buch kam, war kein Zufall. "Bei uns hat die Schulung von Patienten zur Selbstkontrolle fast schon Tradition", erklärt Dechend und berichtet: "Wir schulen jährlich 150 Patienten, gehören damit zu den fünf größten Schulungszentren in Deutschland. Die Betroffenen kommen aus dem Umkreis von 100 Kilometern und werden auch von niedergelassenen Ärzten zu uns überwiesen." Die theoretische Schulung erfolgt an zwei Nachmittagen, die praktische Übung dauert etwa zehn Stunden und wird in einer kleinen Gruppe mit fünf bis sieben Patienten durchgeführt. Grundlage sind die Richtlinien der Arbeitsgemeinschaft Selbstkontrolle der Antikoagulation (ASA). Die Kosten für Schulungen und Messgeräte übernehmen die Krankenkassen.

Um die französischen Zuschauer mit dem Thema vertraut zu machen und das "Bucher Modell" zu präsentieren, stand der Gerinnungsspezialist Dechend den französischen Fernsehjournalisten für ein langes Interview zur Verfügung.

Stichwort Gerinnungsstörungen

Damit im Blut keine Gerinnsel entstehen, die zu Thrombosen oder Schlaganfällen führen können, sind gefährdete Patientengruppen (Menschen mit einer künstlichen Herzklappe, Vorhoffflimmern, nach schweren Herzinfarkten mit Aneurysma oder Aussackung der Herzwand, Thrombosen und/oder Lungenembolien) auf die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente angewiesen. "Dieses erfordert jedoch eine sorgfältige und regelmäßige Überwachung des Gerinnungsstatus", berichtet Privatdozent Dr. med. Ralf Dechend aus der Franz-Volhard-Klinik des HELIOS Klinikums Berlin-Buch.

Die Dosierung dieser Medikamente (die sog. "oralen Antikoagulantien") ist abhängig von der Einnahme anderer Arzneimittel und den Ernährungsgewohnheiten. Ist die Menge des Wirkstoffs zu gering, ist die Therapie unwirksam und es drohen Thrombosen oder Schlaganfälle. Eine Überdosierung kann umgekehrt Blutungen auslösen. Bei bestimmten Gerinnungshemmern wie Macumar ® oder Falithrom ® ist eine dauernde Kontrolle notwendig.

Anmeldung für Schulungen: Hiltrud Lembke, 030/9417-2469 oder 0172/8030491.

Pressekontakt:

HELIOS Klinikum Berlin-Buch
Hermann Müller
PR-Marketing/Pressesprecher
Wiltbergstraße 50
13125 Berlin
Telefon: +49 ()30 94 01 - 20 84 und 0175/4000850
Telefax: +49 (0)30 94 01 - 32 08
E-Mail: hemueller@berlin.helios-kliniken.de

Hermann Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.helios-kliniken.de/berlin

Weitere Berichte zu: Gerinnungswerte Thrombose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie