Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tabuleiden erfolgreich behandeln

01.03.2007
Der neue Bereich Neuro-Urologie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg bietet eine interdisziplinäre Therapie der Harninkontinenz bei Erkrankungen des Nervensystems an

Die Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg hat einen neuen Bereich Neuro-Urologie eingerichtet. Sie bietet Patienten, die an Inkontinenz und anderen Funktionsstörungen der Blase aufgrund einer neurologischen Erkrankung leiden, eine umfassende Behandlung an.

"Patienten mit komplexen neurologischen Erkrankungen haben oft keine Kontrolle mehr über ihre Harnblase", erklärt Privatdozent Dr. André Reitz, Leiter der Neuro-Urologie. Ohne Behandlung drohen schwere Komplikationen wie chronische Harnwegsinfektionen und Nierenversagen bis hin zur Dialysepflichtigkeit (Blutwäsche). Ziel des neuro-urologischen Zentrums ist es, den Patienten eine umfassende diagnostische Abklärung und Therapie aus einer Hand anzubieten.

Lebensqualität und Selbstwertgefühl werden wieder hergestellt

"Harninkontinenz ist ein Tabuthema. Viele Patienten vermeiden aus Angst oder Scham einen Arztbesuch und finden sich mit ihrer Inkontinenz ab," berichtet Dr. Reitz. Dabei ist oft eine wirksame Behandlung möglich; Lebensqualität und Selbstwertgefühl können wieder hergestellt, Komplikationen vermieden werden.

Bei einer Vielzahl neurologischer Erkrankungen ist eine Abklärung der Blasenfunktion erforderlich. Die Querschnittlähmung kann auf einer angeborenen Spaltbildung der Wirbelsäule (Spina bifida) oder einem Unfall beruhen. Auch Tumoren der Wirbelsäule, ein Bandscheibenvorfall und Osteoporose können Ursachen sein. Degenerative Erkrankungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson und Demenz werden ebenfalls oft von einer Harninkontinenz begleitet. Dies gilt auch für Schädelhirntrauma, Schlaganfall oder Tumoren des zentralen Nervensystems.

Die medizinische Versorgung dieser Patienten stellt hohe Ansprüche: Viele sind an den Rollstuhl gebunden oder müssen im Liegen versorgt werden; sie leiden unter zusätzlichen Problemen wie Spastik und Stuhlinkontinenz, sind aufgelegen oder haben geistige Leistungseinschränkungen.

Die Abklärung erfolgt im Zentrum für querschnittgelähmte Patienten der Orthopädischen Universitätsklinik II in Heidelberg unter Leitung von Professor Dr. Hans-Jürgen Gerner, das über jahrelange Erfahrung mit neuro-urologischen Erkrankungen verfügt. Hoch qualifizierte Ärzte und Pflegekräfte sowie eine exzellente Infrastruktur und moderne Geräte garantieren den hohen Standard der Versorgung. Die Patienten werden gemeinsam von Urologen, Neurologen, Orthopäden, Anästhesisten und Rehabilitationsexperten behandelt.

Injektion mit Botulinumtoxin reguliert hyperaktive Blase

Patienten mit neurologischen Erkrankungen leiden häufig an einer Überaktivität der Blase, die üblicherweise zunächst mit Medikamenten behandelt wird. Bei mangelnder Wirksamkeit oder starken Nebenwirkungen wird im Heidelberger Zentrum die Injektion des Nervengiftes Botulinumtoxin in den Blasenmuskel angeboten. Eine einzelne Injektion kontrolliert die Inkontinenz bis zu einem Jahr; danach die kann die Behandlung wiederholt werden. Der Eingriff wird in der Regel in Lokalanästhesie vorgenommen und dauert etwa 15 Minuten.

Eine weitere Therapieoption bei überaktiver Blase ist die "Sakrale Neuromodulation": Die gestörte Blasenfunktion wird durch elektrische Nervenstimulation reguliert. Das Behandlungsspektrum der Abteilung wird durch eine Reihe von Inkontinenzoperationen abgerundet. Dazu zählen die Implantation von Urethralbändern und künstlicher Harnröhren-Schließmuskelsysteme.

Kontakt:
Bereich Neuro-Urologie
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Schlierbacher Landstr. 200a D- 69118 Heidelberg
www.orthopaedie.uni-hd.de ® Med. Fachbereiche ® Andere Fachgebiete ® Urologie
Tel: +49 6221 96 6134 Andre.Reitz@ok.uni-heidelberg.de
Auskunft/Sekretariat/Sprechstundenvereinbarung
Frau Glinz-Balles
Tel: +49 6221 96 6332
Fax: +49 6221 96 6345
Brigitte.Glinz-Balles@ok.uni-heidelberg.de

Norbert Dörholt | idw
Weitere Informationen:
http://www.orthopaedie.uni-hd.de/

Weitere Berichte zu: Blase Harninkontinenz Inkontinenz Nervensystem Neuro-Urologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie