Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Würzburg: Deutsches Referenzzentrum für Meningokokken

20.02.2002


Das Bundesgesundheitsministerium hat das Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg zum Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken (NRZM) erhoben. Damit wird die Kompetenz gewürdigt, die sich das Institut auf dem Gebiet der Meningokokken-Infektionen international erworben hat.

Meningokokken sind Bakterien, die lebensbedrohliche Gehirnhautentzündungen auslösen können. Sie werden als besonderer Problemfall angesehen, da sie zu den häufigsten Erregern der bakteriellen Hirnhautentzündung bei Kindern unter vier Jahren zählen und besonders schwer verlaufende Infektionen verursachen. Jährlich treten allein in Deutschland etwa 800 Fälle auf, von denen bis zu 20 Prozent tödlich enden.

Prof. Dr. Matthias Frosch, Vorstand des Würzburger Hygiene-Instituts, ist nun auch Leiter des Nationalen Referenzzentrums. Wie er mitteilt, werden künftig alle Meningokokken-Stämme, die in Deutschland aus Patienten gewonnen werden, nach Würzburg geschickt und hier mit besonderen molekularbiologischen Methoden untersucht und typisiert. Diese Arbeiten seien wissenschaftlich sehr interessant, weil Meningokokken genetisch sehr flexibel sind und ihre Eigenschaften ständig zu ändern wissen.

Im Zuge der Neuformation des Erbgutes entstehen immer wieder Meningokokken-Typen, die besonders ansteckend sind und über sehr stark ausgeprägte krank machende Eigenschaften verfügen. Diese Eigenschaften zu erkennen, ist laut Prof. Frosch eine der vordringlichen Aufgaben des NRZM, um dann Maßnahmen zur Bekämpfung solcher Meningokokken einleiten zu können.

Zu diesen Maßnahmen zählt auch die Impfung. Die bisher verfügbaren Impfstoffe schützen den Menschen nicht vor allen Meningokokken, sondern nur vor bestimmten Typen. Das mache deutlich, so Matthias Frosch, wie wichtig die Charakterisierung der Erreger im NRZM ist: Hier entscheide sich, ob eine Impfung überhaupt sinnvoll ist und die Bevölkerung schützen kann.

Bei der Bekämpfung bestimmter Infektionskrankheiten brauchen das Bundesministerium für Gesundheit und das Robert-Koch-Institut Informationen und Beratung von externen Experten. Zu diesem Zweck werden die Nationalen Referenzzentren eingerichtet. Ihre Aufgabe ist es, über die Routine hinausgehende mikrobiologische Diagnostik zu betreiben, um epidemiologische Zusammenhänge zu verstehen. Außerdem sollen die Zentren diagnostische Laboratorien sowie Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitsdienstes beraten und zum Beispiel mit der Weltgesundheitsorganisation und anderen internationalen Referenzlaboratorien zusammenarbeiten.

Das NRZM ist eingebunden in ein Netzwerk europäischer Meningokokken-Referenzzentren, die "European Monitoring Group on Meningococci". Diese umfasst derzeit einschlägige Referenzzentren aus 32 europäischen Ländern. Seit September 2001 wird die Gruppe von der Europäischen Kommission auch finanziell unterstützt.

Das Würzburger Hygiene-Institut koordiniert einen Kern aus neun europäischen Gruppen, die eine europäische Infrastruktur zur Erforschung und Überwachung von Meningokokken-Infektionen aufbauen werden. Dabei ist es laut Frosch von besonderer Bedeutung, standardisierte molekulare Methoden zur Typisierung der Erreger zu etablieren.

Aufgebaut wird auch ein elektronisches Informationssystem, um die aktuelle epidemiologische Situation in Europa zu erfassen und daraus Empfehlungen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Meningokokken-Infektionen abzuleiten. Durch die Sammlung europäischer Meningokokkenstämme wird die Voraussetzung geschaffen, um die genetische Variabilität und die sich daraus ableitenden Konsequenzen für das krank machende Potenzial der Erreger zu verstehen.

Prof. Frosch ist zuversichtlich, dass mit all dem neuen Wissen über die Meningokokken die lange erwarteten Grundlagen geschaffen werden, um endlich einen breit wirksamen und alle Altersgruppen schützenden Impfstoff gegen die gefährlichen Erreger zu erhalten. Damit wäre eine der letzten großen Infektionskrankheiten von Kindern beseitigt.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Matthias Frosch, T (0931) 201-5160, Dr. Ingrid Ehrhard, T (0931) 201-3949, Fax (0931) 201-3445, E-Mail: 
mfrosch@hygiene.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Meningokokken Meningokokken-Infektion NRZM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie