Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schiefe Wirbelsäule bei Kindern: Besondere OP-Technik in der Universitätsmedizin Göttingen

09.02.2007
Orthopädin in der Universitätsmedizin Göttingen wendet besonderes Operationsverfahren bei Kindern mit angeborener Wirbelsäulenverkrümmung an. 28 Kinder bisher erfolgreich behandelt.

Kinder mit stark verkrümmter Wirbelsäule und eingeengtem Brustkorb werden am Universitätsklinikum Göttingen mit einer speziellen Operationstechnik erfolgreich behandelt.


Wirbelsäulenmodell mit Titanstangen zur Rückenstabilisierung bei kongenitaler Skoliose. Foto: Hell

Die Orthopädin Priv. Doz. Dr. Anna K. Hell aus der Abteilung Orthopädie (Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Schultz) der Universitätsmedizin Göttingen hat die so genannte Teleskop-Technik in Europa etabliert und, zunächst in Basel und jetzt auch in Göttingen, bereits an 28 Kindern erfolgreich angewendet. Ein an den Rippen befestigtes Teleskop aus Titan begradigt und streckt die verkrümmte Wirbelsäule im Laufe der Jahre so, dass die Kinder wachsen, besser atmen und sich aufrechter bewegen können.

In Niedersachsen ist das Verfahren bisher einzigartig. Nur zwei weitere Kliniken in Deutschland (Hamburg und Düsseldorf) wenden die Technik bisher ebenfalls routinemäßig an.

Bei der Operation wird eine teleskopartige Stange aus Titan vom Rücken her unter die Haut eingepflanzt und an den Knochen verankert. Die Stange kann zwischen den Rippen aufgespannt sein oder von den Rippen zur Lendenwirbelsäule reichen und dadurch den Rücken strecken. In anderen Fällen werden die Rippen vom Beckenkamm weg gestemmt. Etwa alle sechs Monate verlängern die Ärzte in einem kleinen Eingriff die Teleskopstange, um dem Wachstum des Kindes Rechnung zu tragen. "Insgesamt konnten wir allen kleinen Patientinnen und Patienten helfen. Je jünger die Kinder zu Beginn waren, desto erfolgreicher war die Methode. Alle Kinder wurden aktiver, weil sie besser atmen konnten", sagt Priv. Doz. Dr. Anna K. Hell.

Eine kleine Patientin konnte mit 15 Monaten kaum allein aufrecht sitzen. Knapp zwei Jahre später hatte sie einen geraden Rücken, konnte einen normalen Kindergarten besuchen und hat alle körperlich-sportlichen Aktivitäten mitgemacht. "Sie schlägt jetzt sogar Purzelbäume. Auch für die Eltern ist das eine große Erleichterung", sagt Hell. Heute geht die zierliche Patientin in eine normale Schule.

Angeborene, starke Wirbelsäulenverkrümmungen (so genannte "kongenitale Skoliosen") können zusammen mit anderen Fehlbildungen auftreten. Den Wirbelkörpern fehlen oft die so genannten Wachstumszonen, so dass der Rücken nicht weiter in die Länge wächst und stattdessen die Lunge einengt. Oft sind die Rippen auf der betroffenen Seite miteinander verwachsen. Unbehandelt kommt es zu Fehlstellungen mit Wirbelsäulenverkrümmungen mit einem Winkel von oft über 100 Grad. Früher versuchte man, die Wirbelsäule der Kinder im Säuglingsalter zu versteifen, damit der Rücken wenigstens einigermaßen gerade blieb. Der Rücken und Brustkorb wuchs dann jedoch im Vergleich zum restlichen Körper nicht mehr. Bestenfalls hatte ein ausgewachsener Patient eine halbwegs gerade Wirbelsäule von der Länge eines Kleinkindes. Weil auch der Brustkorb dadurch klein blieb, hatte die Lunge zu wenig Platz, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Die Patienten starben meist früh an Lungenversagen, nicht aber unmittelbar an ihrem krummen Rücken.

In den USA (San Antonio, Texas) wurde Anfang der 1990er Jahre das Teleskop-Verfahren zur Streckung der Wirbelsäule entwickelt. Priv. Doz. Dr. Hell, erlernte im Jahr 2000 in den USA die Methode. Ihre Forschungsarbeiten darüber wurden in den letzten Jahren mit zwei Wissenschaftspreisen ausgezeichnet. Das Prinzip wandte sie erstmals im Jahr 2002 im Universitätskinderspital Basel in der Schweiz an. Die Ergebnisse der Behandlung der ersten 15 Kinder in Europa wurden 2005 in der Zeitschrift "Klinische Pädiatrie" von Dr. Hell veröffentlicht. Seit ihrem Wechsel nach Göttingen im Jahr 2004 konnte sie am Universitätsklinikum 19 Kinder erfolgreich mit dem Teleskop-Prinzip behandeln.

Alle Implantate sind Sonderanfertigungen in den kleinsten Größen. Die Kosten für die Implantate werden in Göttingen auf Antrag von den Krankenkassen übernommen.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität, Abt. Orthopädie
Priv. Doz. Dr. Anna K. Hell, Tel.: 0551 / 39-2774
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen
anna.hell@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Universitätsmedizin Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Brustkorb Rippen Wirbelsäule Wirbelsäulenverkrümmung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise