Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chlorung in Schwimmbädern zur Desinfektion

12.02.2001


Werden öffentliche Schwimmbäder gemäß der Norm DIN 19643 betrieben, besteht nach derzeitiger Kenntnis keine Gesundheitsgefahr für die Nutzer durch Chlor und die Nebenprodukte der Beckenwasserchlorung. Zur Desinfektion des Wassers in öffentlichen Schwimm- und Badebecken ist aus hygienischer Sicht derzeit Chlor unverzichtbar. Damit reagiert das Umweltbundesamt auf Pressemeldungen der vergangenen Wochen, in denen über eine Studie der belgischen Universität Louvain-la-Neuve berichtet wird. In dieser Studie wird ein Zusammenhang zwischen häufigem Schwimmbadbesuch und der Zunahme von Asthma und Allergien bei Kindern hergestellt.

Der komplette Text der Bewertung der Studie durch das Umweltbundesamt lautet:

· Eigentlich befasst sich die Studie mit städtischen Luftverunreinigungen. Eine gezielte Datenerfassung im Hinblick auf mögliche Belastung in Schwimmbädern erfolgte nicht, die Studie enthält keinerlei analytische Daten über Höhe und Art der Schwimmbad-bedingten Exposition. Es wurde lediglich der Schwimmbadbesuch im Rahmen des Schulunterrichts bei der Schulleitung abgefragt. Das vom Schulbetrieb unabhängige Schwimmen wurde nicht erfasst. Der gefundene statistische Zusammenhang zwischen Schwimmbadbesuch und einem Parameter, der auf eine Beeinträchtigung der Lungenfunktion hindeuten kann, kann allenfalls als Hinweis auf einen möglichen Einfluss interpretiert werden. Sie ist keinesfalls ein Nachweis negativer Auswirkungen von Schadstoffen in der Luft von Schwimmbädern auf die Lungenfunktion von Schulkindern. Zur Überprüfung der Hypothese eines ursächlichen Zusammenhangs wäre eine gezielte Studie erforderlich. Auch die Nachweismethoden, mit denen die gesundheitlichen Beeinträchtigungen untersucht werden, sind nach unserer Kenntnis nicht etabliert und validiert. Gasförmiges Chlor liegt im Wasser von Schwimmbädern nicht vor. Es reagiert sofort nach Zugabe unter Bildung von hypochloriger Säure, die nicht flüchtig ist, weiter und wirkt so auf die erwünschte Weise desinfizierend.

· In Belgien gilt für das gebundene Chlor in den Schwimmbädern ein Grenzwert von 1 Milligramm pro Liter (mg/l). Dieser ist deutlich höher als der in Deutschland durch die Norm DIN 19643 vorgeschriebene von 0,2 mg/l. Um diesen Wert einzuhalten, muss eine weitergehende Aufbereitung des Badebeckenwassers stattfinden, die auch alle anderen Nebenprodukte der Desinfektion deutlich reduziert. Die Überwachung der Einhaltung dieser Norm liegt in der Hand der kommunalen Behörden.

· Nach Daten des Landesgesundheitsamtes in Stuttgart liegt die Konzentration der relevantesten Stoffgruppe - der Trihalogenmethane (THM) - im Mittel bei etwa 60 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) direkt über der Wasseroberfläche. Der MAK-Wert (maximale Arbeitsplatzkonzentration) für Chloroform, der die krebserzeugenden (kanzerogenen) Wirkungen der THM berücksichtigt, wurde auf 2,5 mg/m³ festgelegt. Zudem ist von einer Einwirkungszeit beim Schulschwimmen von nur 1½ Stunden pro Woche auszugehen, am Arbeitsplatz hingegen von 40 Stunden pro Woche. Damit scheinen auch von den THM im Schwimmbad keine Gefährdungen auszugehen.

· Lokale Reizwirkungen einiger anderer Nebenprodukte der Badewasserchlorung (chlorierte Amine, Aldehyde, Ketone und Karbonsäuren) sind seit langem bekannt. Bei Einhaltung der durch die DIN 19643 vorgeschriebenen Betriebsbedingungen sind ihre Konzentrationen so gering, dass sie nach derzeitiger Kenntnis allenfalls vorübergehend und nur bei besonders empfindlichen Personen zu entsprechenden Belästigungen führen.

· Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert eine große Verbundstudie zu Schwimmbädern, in der Wirkungen dieser und weiterer Stoffe auf die menschliche Gesundheit bei wiederholter Exposition untersucht werden. Ihr Ziel ist es unter anderen, die Aufbereitungstechnik weiter zu optimieren.

· Silber-Kupfer-Verbindungen, wie sie als Alternativen zur Chlorung in den Pressemeldungen erwähnt wurden, dürfen für öffentliche Schwimmbäder ernsthaft keinesfalls in Betracht gezogen werden. Sie wirken zu langsam. Nach DIN 19643 muss das Desinfektionsmittel innerhalb von 30 Sekunden die Konzentration von Pseudomonas aeruginosa um vier Zehnerpotenzen senken. Die Silber-Kupfer-Verbindungen benötigen dafür eine Stunde und mehr. Außerdem besitzen sie nicht die notwendige Desinfektionskapazität.

Karsten Klenner | idw

Weitere Berichte zu: Desinfektion THM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung