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Medikamenten-Depot im Zahn

01.02.2007
Häufiges Tablettenschlucken ist lästig. Forscher entwickeln daher eine Zahnprothese, die die Dosierung der Medikamente übernimmt. Sie wird mit dem Wirkstoff gefüllt und gibt die entsprechenden Mengen selbstständig an die Mundschleimhäute des Patienten ab.

Wann sollte man noch gleich die Tabletten nehmen? Und wie viele davon? Chronisch Kranke sind vom ständigen Pillenschlucken oft genervt, demente Menschen überfordert. Die regelmäßigen Tabletteneinnahmen sollen schon bald der Vergangenheit angehören: Wissenschaftler eines EU-Konsortiums entwickeln eine Prothese, die die benötigten Medikamente kontinuierlich und richtig dosiert abgibt. Konzentrationsspitzen, die bei der Einnahme von Tabletten entstehen und Nebenwirkungen erhöhen, werden so vermieden. Das Besondere an der Prothese Intellidrug: Im Gegensatz zu bereits existierenden Medikamenten-Prothesen und Implantaten ist sie recht klein - sie findet in zwei künstlichen Backenzähnen Platz. Im Mundraum ist sie gut zugänglich und kann einfach gewartet und wieder befüllt werden.


Die kleine Backenzahnprothese Intellidrug wird mit Wirkstoff gefüllt und gibt diesen selbstständig an die Mundschleimhäute ab. Die Dosis stellt der Arzt über eine Fernbedienung ein. © Fraunhofer IBMT

"Die Zahnprothese besteht aus einem Reservoir, in dem sich das Medikament befindet, einem Ventil, zwei Sensoren sowie elektronischen Komponenten", erklärt Dr. Oliver Scholz vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT in St. Ingbert, wo die Sensoren und die Elektronik entwickelt wurden. "Über eine Membran gelangt Speichel in das Reservoir, löst einen Teil des festen Medikaments und fließt über einen kleinen Kanal in den Mundraum. Hier wird es von den Schleimhäuten der Wangen aufgenommen." Zwei Sensoren am Kanal überwachen, wie viel Wirkstoff in den Körper gelangt: Ein Flusssensor misst die Menge der Flüssigkeit, die durch den Kanal in den Mund gelangt, ein weiterer Sensor die Konzentration des Wirkstoffs in der Flüssigkeit. Anhand der Messergebnisse öffnet oder schließt die Elektronik ein Ventil am Ende des Kanals und steuert so die Dosierung. Ist der Wirkstoff aufgebraucht, weist die Elektronik den Patienten mit einer Fernbedienung, die ebenfalls am IBMT entwickelt wurde, darauf hin. Mit dieser lässt sich Intellidrug drahtlos bedienen - über sie kann der Patient oder der Arzt beispielsweise einstellen, welche Dosis des Medikaments abgegeben werden soll.

In Abständen von einigen Wochen muss der Patient den Wirkstoff nachfüllen lassen. "Dies könnte über ein Pfandsystem geschehen: Der Patient tauscht die leere Prothese gegen eine neu befüllte. Im gleichen Zuge können der Batteriewechsel und die Wartung vorgenommen werden", sagt Scholz. Einen Prototypen stellen die Forscher erstmalig auf der Messe MedTec vor, die vom 27. Februar bis zum 1. März in Stuttgart stattfindet (Halle 5.0, Stand 1327). Intellidrug soll in diesem Jahr klinisch geprüft werden - gefüllt mit dem Medikament Naltrexon, das drogenabhängige Patienten während des Entzugs einnehmen.

Dr. Janine Drexler | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2007/02/Mediendienst22007Thema2.jsp

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