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Hoch ansteckende Fieberkrankheiten in Afrika:
EU-Forschungsprojekt

21.12.2006
EU-Projekt unter Leitung des Universitätsklinikums Göttingen will Zeit von Ausbruch bis Erkennen und Behandlung hoch infektiöser Fiebererkrankungen in Afrika drastisch senken.

Ein europäisch-afrikanisches Gemeinschaftsprojekt unter der Leitung von Dr. Manfred Weidmann aus der Abteilung Virologie (Direktor: Prof. Dr. Gerhard Hunsmann) am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen erhält ab Dezember 2006 Fördergelder in der Höhe von 853.000 Euro von der Europäischen Union für die Entwicklung von Schnellnachweisen für virale hämorrhagische Fieber in Afrika. Ziel ist es, die Zeit von Ausbruch bis zum Erkennen und der Behandlung der hoch infektiösen Fiebererkrankungen drastisch zu senken.

Zu den Krankheiten, die lebensgefährliche Blutungen auslösen können, gehören das Krim-Kongo-Fieber, das Rift-Tal-Fieber oder auch die Ebola-Krankheit. "Aus Unkenntnis und wegen fehlender technischer Möglichkeiten verstreichen heute noch Wochen, ehe nach Ausbruch dieser Krankheiten reagiert werden kann. Das wollen wir endlich ändern", sagt der Virologe Dr. Manfred Weidmann. Anfang Dezember haben sich der Koordinator des EU-Projekts, Dr. Weidmann, und der Co-Koordinator aus dem Senegal in Brüssel getroffen, um die praktische Arbeit zu organisieren.

An dem EU-Projekt beteiligen sich drei europäische Staaten (Deutschland, Schweden, Frankreich) und vier afrikanische Staaten (Senegal, Burkina Faso, Mali, Guinea). Innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre soll ein Teststreifen zur Erkennung von acht verschiedenen Virusinfektionen entwickelt werden. Die Teststreifen sollen in Krankenstationen in Mali und Guinea eingesetzt werden. Sie ermöglichen die Früherkennung von hämorragischen Fieberausbrüchen vor Ort. Für den Test ist nur ein kleiner Tropfen Blut notwendig. In der Zukunft sollen die Teststreifen kostengünstig in Afrika hergestellt werden, damit pro Test nicht mehr als ein Euro Kosten anfallen. In Mali erlernen dann in der "Fondation Mérieux Mali", einem Schulungszentrum für medizinisches Personal, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus bis zu 150 Krankenhäusern den Umgang mit den Teststreifen.

Bereits im Jahr 2003 konnte Dr. Weidmann ein mobiles Gerät zur molekulargenetischen Bestimmung von Virustypen des US-amerikanischen Unternehmens Cepheid in Afrika verwenden. Zwei dieser "Smart Cycler"-Geräte für "fluoreszierende Echtzeit-Nukleinsäurevermehrung" (FRT-PCR) werden nun im Rahmen des EU-Projektes angeschafft. Sie können mit einer Autobatterie betrieben werden und innerhalb von ein bis zwei Stunden den Virus-Typ genau feststellen. Nun sollen standardisierte Testverfahren entwickelt werden, damit zwei mobile Einsatzteams in Burkina Faso und Senegal die Geräte zur Eindämmung von hämorragischen Fieberausbrüchen nutzen können.

Wird ein Fieberausbruch mit Hilfe der Teststreifen in einer Krankenstation entdeckt, informiert das Personal sofort ein Einsatz-Netzwerk aus Behandlungszentren, Regierungsstellen des jeweiligen Landes und die World Health Organization (WHO) in Genf. Ein mobiles Einsatz-Team reist daraufhin sofort mit einem "Smart Cycler" aus einem der Behandlungszentren in die betroffene Region, um die Diagnose zu bestätigen und die Eindämmung der Krankheit zu koordinieren.

Sechs Jahre lang hat Dr. Weidmann das Vorhaben von Freiburg und Göttingen aus vorbereitet. "Dass das Projekt bewilligt wurde, dafür danken wir auch dem Geschäftsbereich Internationale Beziehungen am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen. Beratung und Begleitung des EU-Projektes durch Frau Hennecke waren äußerst effizient. Von dort bekommen wir auch in der Zukunft Unterstützung bei der Verwaltung des Projekts, das noch im Rahmen des 6. Forschungsrahmenprogramms (6. FRP) der EU unterstützt wird", sagt Dr. Weidmann.

Der Göttinger Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer unterstützt ausdrücklich das Projekt: "Ich werde mich bei den Botschaftern der beteiligten afrikanischen Länder für eine optimale Umsetzung dieses wichtigen Forschungsprojektes von Herrn Dr. Weidmann einsetzen". Fischer ist seit 2003 Leiter des Arbeitskreises Afrika der CDU/CSU-Fraktion, Mitglied der Afrika-Parlamentariergruppen sowie Vorstandsmitglied in der Deutschen Afrika-Stiftung.

Hämorrhagische Fieber sind infektiöse Fiebererkrankungen, die zu lebensgefährlichen Blutungen führen können. Meist verursachen Viren die Krankheiten, die vor allem in Afrika, Südamerika oder Südostasien auftreten. Dazu gehören das Gelbfieber, das Rift-Valley-Fieber, das Lassafieber oder auch die Ebola-Krankheit. Die Krankheiten lassen sich schwer anhand ihrer Symptome unterscheiden. Es bedarf einer genauen virologischen Diagnostik, zu der bisher jedoch nur wenige Labore in der Lage sind. Neue, mobile Testverfahren sowie Teststreifen zur Reihenuntersuchung sollen jetzt die Schnelldiagnostik vor Ort im Krankheitsfall vereinfachen.

Weitere Informationen:
Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Abt. Virologie
Dr. Manfred Weidmann
Tel. 0551/ 3899-406
c/o Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin
Hermann-Rein-Str. 3
37075 Göttingen
E-Mail: mweidma@gwdg.de
Bereich Humanmedizin - Georg-August-Universität Göttingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Stefan Weller
Robert-Koch-Str. 42 - 37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 99 59 - Fax: 0551/39 - 99 57
E-Mail: presse.medizin@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.humanmedizin-goettingen.de

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