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Depression im Alter - häufig wird die behandelbare Erkrankung nicht erkannt

20.12.2006
Kompetenznetz "Depression Suizidalität"

Oft wird sie schlichtweg übersehen: eine Depression im Alter. Die Erkrankung kommt bei älteren Menschen zwar nicht öfter vor als bei jüngeren, doch ist sie noch schwieriger zu erkennen. Allzu häufig wird mangelnde Energie und Hoffnungslosigkeit bei betagten Menschen fälschlicherweise als natürliche Folge des Alterungsprozesses und der entsprechenden Lebensumstände angesehen. Zu selten wird erkannt, dass körperliche und psychische Beschwerden Ausdruck einer depressiven Erkrankung sein können. Dies hat zur Folge, dass keine angemessene Therapie erfolgt, obwohl eine Depression gut behandelbar ist.

Die Lebenserwartung steigt in unseren Breitengraden kontinuierlich an. Im Alter von 65 Jahren haben Menschen oft noch ein ganzes Drittel ihres Lebens vor sich. Für viele ist es nicht einfach, alt zu werden: Die Leistungsfähigkeit nimmt ab, körperliche Beschwerden häufen sich und es wird zunehmend schwieriger, im gewohnten Tempo des Alltags mitzuhalten. Auch wenn die meisten alten Menschen die Fähigkeit behalten, ihr Leben selbständig und interessant zu gestalten, entwickeln circa fünf Prozent der über 65-Jährigen eine behandlungsbedürftige Depression. Die Depression gehört damit zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen im Alter.

Die Erkrankung Depression hat nichts mit vorübergehender schlechter Stimmung zu tun, wie wir sie alle kennen. Symptome wie anhaltende Freud- und Interesselosigkeit, Hoffnungslosigkeit, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Antriebs- und Energielosigkeit sowie Suizidgedanken sind Warnzeichen, die auf eine Depression hindeuten können. Hinzu kommen häufig körperliche Symptome wie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, allgemeines Unwohlsein oder diffuse Schmerzen. Gerade die vielfältigen körperlichen Symptome im Alter erschweren eine korrekte Diagnose. Wird die Depression nicht erkannt und behandelt, kann dies neben dem persönlichen Leid und zunehmender sozialer Isolierung zu vermehrtem Auftreten weiterer körperlicher Erkrankungen führen. Dass eine Depression rechtzeitig erkannt wird, ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass depressive Menschen ein deutlich erhöhtes Risiko haben, an einem Suizid zu versterben. Dies trifft insbesondere auf ältere depressive Menschen zu, wobei alte Männer das höchste Suizidrisiko aufweisen.

"Dabei sind Depressionen auch bei älteren Menschen gut behandelbar", weiß Prof. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie des Universitätsklinikums Leipzig und Sprecher des "Kompetenznetz Depression, Suizidalität". Studien konnten die Wirksamkeit von medikamentösen Therapien und psychotherapeutischen Behandlungsverfahren bei der Altersdepression belegen.

Um die Versorgung alter Menschen, die von ambulanten Pflegeeinrichtungen betreut werden, zu verbessern, führt das "Deutsche Bündnis gegen Depression e.V." derzeit zusammen mit dem Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen und in Kooperation mit dem "Kompetenznetz Depression, Suizidalität" bayernweit 200 eigens entwickelte Schulungen für Altenpflegekräfte durch. Diese Schulungen können über das "Deutsche Bündnis gegen Depression e.V." gebucht werden. Das Konzept der Schulungen basiert auf einem Ansatz, der sich in einem früheren Projekt des Deutschen Bündnisses im stationären Pflegebereich bereits bewährt hat: Über 5.000 Altenpflegekräfte konnten mit nachweisbarem Erfolg geschult werden. Altenpflegekräfte haben oft eine entscheidende Vermittlerfunktion zwischen Patient, Arzt und Angehörigem. Ziele der vierstündigen Fortbildungen sind, Altenpflegekräfte zu schulen, so dass sie eine Depression und eine eventuell bestehende Suizidgefährdung frühzeitiger und sicherer erkennen können, den neuesten Wissensstand über Behandlungsmöglichkeiten weiterzugeben, Strategien im Umgang mit Betroffenen einzuüben sowie die Zusammenarbeit mit Arzt und Angehörigen zu optimieren.

Kontakt
Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.
Dr. Antje-Kathrin Allgaier
tel. 089/ 5160-5558
antje.allgaier@med.uni-muenchen.de

Anke Schlee | idw
Weitere Informationen:
http://www.buendnis-depression.de

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