Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Suchtmediziner: Hamburger Senat fördert lebensgefährliche Infektionskrankheiten

07.02.2002


Als "gefährlichen Rückschritt" bezeichnet die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin die Entscheidung des Hamburger Senats, den Spritzentausch in Hamburger Gefängnissen zur Vermeidung von lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten zu beenden.

Als "gefährlichen Rückschritt" haben die führenden deutschen Fachleute für Suchtmedizin die Entscheidung des Hamburger Senats bezeichnet, den Spritzentausch in Hamburger Gefängnissen zur Vermeidung von lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten zu beenden.

Dr. Jörg Gölz, Vorsitzender der "Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin" (DGS) verwies auf die Erfolge der schadensmindernden Maßnahmen im In-und Ausland sowohl für Drogenkranke als auch für die Gesellschaft.
Weniger das Heroin als vielmehr die Bedingungen, unter denen es konsumiert wird, verursachten schwerwiegende Folgen, heißt es in einer Presseerklärung der DGS. Jede HIV-Infektion, die durch infizierte Nadeln weitergegeben wird, kostet die Gesellschaft pro Jahr und Patient 25.000 Euro an Behandlungskosten, jede chronische Hepatitis C durch infizierte Spritzen 30.000 bis 50 000 Euro.
Darüber hinaus machen beide Infektionskrankheiten eine spätere berufliche Rehabilitation des infizierten Drogenabhängigen unmöglich.

Während zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit Sofortprogramme für den Spritzentausch in Russland und Zentralasien plant, um AIDS- und Hepatitis-Epidemien zu begrenzen, beschließt der Hamburger Senat genau das Gegenteil von dem, was sich bewährt hat. Deutsche Gefängnisse galten jahrelang als "Durchlauferhitzer" für die Verbreitung der beiden Viruserkrankungen unter Drogenkonsumenten. Durch den Spritzentausch in den Gefängnissen wurde diesem gesundheitspolitischen Skandal ein Ende gesetzt. Dieses Angebot jetzt zu stoppen, entbehre jeder vernünftigen Begründung, erklärte die DGS. Statt dessen grabe der Hamburger Senat Argumente aus der Steinzeit der drogenpolitischen Debatte aus: Die Vergabe steriler Spritzen soll durch ausstiegsorientierte Angebote ersetzt werden. Doch beide Angebote können sich nicht wechselseitig ersetzen. Wer Heroin injizieren muss, geht nicht auf ein "ausstiegsorientiertes" Angebot ein, nur weil die sterilen Spritzbestecke wieder verknappt werden. Auch in Haftanstalten lässt sich der Drogenkonsum nicht unterbinden. Vielmehr sind sowohl Suchtkrankheiten als auch Virusinfektionen dort besonders häufig. Die Folge unterlassener schadenmindernder Maßnahmen (wie Spritzentausch) ist die Weitergabe von lebensbedrohlichen Krankheiten. Für den finanziellen Schaden aber stehe nicht der Hamburger Senat gerade, sondern die Bürger mit ihren Beiträgen zur Krankenversicherung und ihren Steuern.

Ansprechpartner:
Dr. Jörg Gölz Vorsitzender DGS Praqxisgemeinschaft Kaiserdamm Kaiserdamm 24, 14057 Berlin Tel.: (030) 30113-944 oder 883 21 27; Fax: 883 85 75 E-Mail: goelz@snafu.de

Dipl.Pol. Justin Westhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.mwm-vermittlung.de/
http://www.dgsuchtmedizin.de/

Weitere Berichte zu: Hepatitis C Heroin Infektionskrankheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise