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Die Alzheimer-Krankheit wird erforscht

27.11.2006
In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gegenwärtig mehr als eine Million Menschen an einer Demenzerkrankung, davon zwei Drittel an Alzheimer.

Im Jahr 2050 werden es durch das Altern der Bevölkerung voraussichtlich zwei Millionen sein. Die Krankheit ist eine langsam, aber stetig voranschreitende Erkrankung des menschlichen Gehirns, bei der durch die Anhäufung von Eiweißbruchstücken (Ab-Peptide) Nervenzellen zerstört werden. Sie beginnt schleichend mit Gedächtnis- und Orientierungsstörungen und kann bis zur völligen Abhängigkeit der Betroffenen von Betreuung und Pflege führen. Die Erkrankung ist bisher nicht heilbar, aber es gibt neue Ansätze für eine Therapie.

Prof. Dr. Tobias Hartmann erforscht in der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes die Rolle der Eiweißstoffe, deren auffällige Ablagerungen der Nervenarzt Alois Alzheimer bereits vor 100 Jahren im Gehirn seiner Patienten entdeckt und mit der später nach ihm benannten Erkrankung in Verbindung gebracht hatte.

Die heute als Amyloidplaques bekannte Erscheinung gilt als typisches Zeichen der Alzheimer Krankheit. Diese Eiweißbruchstücke, aus denen diese Ablagerungen bestehen, haben eine natürliche Funktion. Eigentlich dienen sie der Senkung des Cholesterinspiegels im Körper. Das bedeutet: Je mehr Cholesterin im Blut ist, desto mehr Amyloid wird im Körper produziert, um den Cholesterinwert zu senken. Unter bestimmten Umständen "verklumpen" die normalerweise regulierenden Eiweiße und lagern sich zu Plaques im Gehirn zusammen. Daher steigt mit erhöhtem Cholesterinspiegel auch das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die Aufklärung dieses komplexen natürlichen Steuerungsmechanismus eröffnet neue Ansätze für die Therapie: So haben Untersuchungen gezeigt, dass den Cholesterinspiegel senkende Medikamente die Entstehung der amyloiden Eiweißstoffe verringern und möglicherweise zur Therapie der Alzheimer Krankheit beitragen könnten. Auch Untersuchungen mit essentiellen Fettsäuren lassen hoffen, dass diese künftig zur Prävention der Krankheit eingesetzt werden könnten.

Die Produktionsrate des Amyloids ermöglicht es außerdem vorherzusagen, in welchem Alter die seltene, erblich bedingte Form der Alzheimer Demenz ausbricht. Dies fand Hartmann vor kurzem in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe um Professor Johannes Schröder von der Sektion Gerontopsychiatrische Forschung am Zentrum für Psychosoziale Medizin der Universitätsklinik Heidelberg heraus.

Beide Wissenschaftler wurden für die Aufklärung der Rolle des Fettstoffwechsels bei der Alzheimer-Krankheit (Hartmann) und die systematische Untersuchung der leichten kognitiven Beeinträchtigungen, deren Überwachung der Früherkennung und -behandlung der Krankheit dient, (Schröder) mit dem Alois Alzheimer-Preis der Universität Frankfurt ausgezeichnet.

Kontakt:
Prof. Dr. Tobias Hartmann
Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes
Kirrberger Straße
Gbäude 90
66421 Homburg
Tel. (0 68 41)1 62 41 30
E-Mail: tobias.hartmann@mx.uni-saarland.de

Helga Hansen | Innovationseinblicke Saarland
Weitere Informationen:
http://www.zmbh.de/Hartmann
http://www.innovation.saarland.de

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