Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse über Metastasenbildung bei Dickdarmkrebs

15.11.2006
Die Behandlungssaussichten (Prognose) für Dickdarmkrebs hängen davon ab, ob der Tumor Tochtergeschwulste (Metastasen) bildet oder nicht.

Neue Erkenntnisse über die Bildung von Metastasen beim Dickdarmkrebs, die Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Robert-Rössle-Tumorklinik in Berlin-Buch sowie dem National Cancer Institute (NCI), in Frederick, Maryland (USA) jetzt gewonnen haben, eröffnen in Zukunft einen wichtigen neuen Ansatz für Diagnose und Therapie dieses Tumors.

Die Arbeit von PD Dr. Ulrike Stein, Prof. Peter M. Schlag und Prof. Walter Birchmeier vom MDC und der Rössle-Tumorklinik sowie Dr. Robert H. Shoemaker vom NCI ist jetzt in der amerikanischen Fachzeitschrift Gastroenterology (Vol. 131, Nr. 5, pp. 1486-1500) erschienen.

Die Forscher konnten nachweisen, dass das Gen S100A4/Metastasin, das die Ausbreitung und Invasion von Tumorzellen kontrolliert, durch eine bestimmte Signalkaskade reguliert wird, in der Fachsprache beta-Catenin/TCF-Signalkaskade genannt. Diese Regulation steht direkt in Zusammenhang mit der Metastasierung beim Dickdarmkrebs.

... mehr zu:
»Dickdarmkrebs »Gen »Metastase »PhD1 »Tumorzelle

S100A4/Metastasin wurde in so genannten Microarray-Studien als das Gen identifiziert, welches am stärksten durch verändertes (mutiertes) beta-Catenin angeschaltet wird. Beta-Catenin ist ein Protein, das unter anderem dafür sorgt, dass Zellen in ihrem Zellverband bleiben. Ist es mutiert, lösen sich Zellen aus dem Zellverband heraus, können wandern und sich in anderen Organen ansiedeln und Metastasen bilden.

Dr. Stein und ihre Kollegen konnten die Stelle an dem S100A4/Metastasin-Gen identifizieren, an die mutiertes beta-Catenin bindet und das Gen reguliert. Das von beta-Catenin ausgelöste Ablesen (Expression) des S100A4/Metastasin-Gens führt zu einer gesteigerten Migration und Invasion von Tumorzellen. Wird diese Signalkette unterbrochen, können die Tumorzellen nicht mehr wandern.

In Tierversuchen zeigte sich, dass das Anschalten des S100A4-Gens stark erhöhte Metastasierungsraten auslöste. Dies konnte am Krankheitsverlauf von Patienten mit Dickdarmkrebs untermauert werden. War S100A4/Metastasin in Tumorgewebsproben erhöht, hatten die Patienten auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit Metastasen in der Leber oder Lunge zu bekommen.

Die von den Forschern in Berlin und Frederick erzielten Ergebnisse verbinden zwei bisher nicht verknüpfte zelluläre Programme, die bedeutend für Tumorwachstum und Metastasierung sind: der beta-Catenin/TCF-Signalweg und das S100A4/Metastasin-Gen, das Wanderung und Invasion kontrolliert. Neue gezielte therapeutische Strategien, die darauf abzielen, die beta-Catenin/TCF-Regulation zu unterbrechen, um die Entstehung von Metastasen beim Dickdarmkrebs zu verringern oder zu verhindern, werden derzeit von der Forschungsgruppe in Berlin-Buch weiter geprüft.

*The metastasis-associated gene S100A4 is a novel target of beta-catenin / T-cell factor (TCF) signaling in colon cancer

Short title: beta-catenin/TCF regulates S100A4

Authors:
Ulrike Stein, PhD1, Franziska Arlt1, Wolfgang Walther, PhD1, Janice Smith1, Todd Waldman, MD, PhD2, Erik D. Harris3, Susan D. Mertins, PhD4, Claus W. Heizmann, PhD5, David Allard, PhD6, Walter Birchmeier, PhD7, Peter M. Schlag, MD, PhD1, and Robert H. Shoemaker, PhD4

1Department of Surgery and Surgical Oncology, Robert-Rössle Cancer Hospital, Charité Campus Buch, and Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine, Berlin, Germany;

2Lombardi Cancer Center, Georgetown University School of Medicine, Washington, DC;

3SAIC-Frederick, National Cancer Institute-Frederick, Frederick, MD;

4Screening Technologies Branch, Developmental Therapeutics Program, Division of Cancer Treatment and Diagnosis, National Cancer Institute-Frederick, Frederick, MD;

5Department of Pediatrics, Division of Clinical Chemistry and Biochemistry, University Zürich, Zürich, Switzerland;

6Cancer and Polio Fund Laboratories, Biosciences Building, University of Liverpool, Liverpool, UK;

7Department of Cancer Research, Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine, Berlin, Germany

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | MDC-Berlin
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de/ueber_das_mdc/presse/index.htm

Weitere Berichte zu: Dickdarmkrebs Gen Metastase PhD1 Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie