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Fußball trotz Hüftprothese? – Kappen für aktive Menschen

25.10.2006
Über 170.000 Mal pro Jahr werden in Deutschland künstliche Hüftgelenke eingesetzt. Und die Tendenz ist steigend. Nicht nur, weil die Menschen immer älter werden, auch die Zahl der jüngeren Patienten mit Hüftgelenkverschleiß – der so genannten Coxarthrose – nimmt deutlich zu.

Auch der 53-jährige Matthias J. nimmt seit Jahren regelmäßig Medikamente gegen die Schmerzen im Hüftgelenk. Besonders die rechte Seite ist bei ihm betroffen. Auf Anraten seines Orthopäden hat der sportbegeisterte Mann sich nun für eine Hüftoperation entschieden. Seine größte Sorge: Kann er nach der Operation wieder so aktiv sein wie früher? Sein größter Wunsch: Wieder sonntags zusammen mit seinen Freunden Fußball spielen.

„Mit dem so genannten Oberflächen- oder auch Kappenersatz hat sich in den letzten Jahren eine Hüftgelenkprothese speziell für jüngere Patienten etabliert, die höhere Ansprüche an die Belastbarkeit und Beweglichkeit des künstlichen Gelenkes stellen“, erläutert Dr. Stephan Elenz, Chefarzt in der Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und orthopädische Chirurgie am St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr. „Zwar ist die Idee des Oberflächenersatzes am Hüftgelenk schon über 70 Jahre alt, doch erst in jüngster Vergangenheit ist es durch die Optimierung von Material, Design und Operationstechnik gelungen, den Patienten eine wirkliche Alternative zur konventionellen Behebung eines Hüftleidens anzubieten.“ 1989 startete Prof. Dr. Derek McMinn aus Birmingham erfolgreich eine Pilotstudie mit diesem neuen Prothesentyp. Seit 1997 wird der moderne Oberflächenersatz auch in Deutschland eingesetzt. Seitdem steigen die Fallzahlen und neben den ursprünglichen McMinn Hüftkappen gibt es mittlerweile eine Vielzahl weiterer Modelle auf dem Markt.

Maximaler Knochenerhalt

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„Bei konventionellen Hüftgelenkoperationen wird der Hüftkopf zusammen mit dem gesamten Schenkelhals entfernt und ein ca. 15 cm langer Metallstiel in den Oberschenkelknochen eingebracht. Dabei geht viel gesunde Knochensubstanz verloren. Beim neuen Verfahren wird der Hüftkopf nicht abgetrennt, sondern lediglich die abgenutzte Oberfläche abgefräst und mit einer Kappe überkront – ähnlich wie dies bei einem defekten Zahn geschieht. In die richtige Position wird die Kappe über einen Metallstift geführt, der in den erhaltenen Schenkelhals ragt, und dann mittels Knochenzement verankert“, erklärt Elenz. “Ein künstliches Gelenk kann derzeit rund zehn bis 20 Jahre funktionsfähig bleiben. Dann lockert es sich in der Regel und muss gegen ein anderes Modell ausgewechselt werden. Je kleiner und knochensparender das erste Implantat ist, desto einfacher und komplikationsloser der Wechseleingriff. Da der Oberflächenersatz derzeit das Implantationsverfahren mit einem besonders geringen Knochenverlust ist, ist es gerade für jüngere Menschen, die aufgrund ihres Alters mit einer Wechseloperation rechnen müssen, zu empfehlen.“

Manchmal ist weniger mehr

Der maximale Knochenerhalt ist aber nicht der einzige Vorteil des Oberflächenersatzes. „Aufgrund der gleichen anatomischen Form wie beim echten Hüftgelenk und des großen Durchmessers des Oberflächenersatzes ist eine Ausrenkungsgefahr nach der Operation – wie sie bei konventionellen Modellen durchaus besteht – mit dieser Prothese fast ausgeschlossen. Außerdem behält der Patient einen annähernd gleichen Bewegungsumfang wie bei einem natürlichen Gelenk“, so der Chirurg. „Das Kappensystem bietet durch die Beibehaltung der anatomischen Verhältnisse auch eine schnelle Rehabilitation. Die Patienten dürfen nach einer solchen Operation das betroffene Gelenk sofort voll belasten und können teilweise ohne Hilfen gehen. Fallabhängig wird entschieden, ob sich für sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus eine ambulante oder stationäre Reha anschließt. Einem raschen Wiedereintritt in das Berufsleben steht danach nichts mehr im Wege.“

Mehr Lebensqualität

Die Frage nach dem richtigen Sport bewegt viele Menschen mit einer Hüftgelenkprothese. Grundsätzlich sollten sie vorsichtig sein mit Sportarten, die das künstliche Gelenk überlasten. Das sind insbesondere körperliche Aktivitäten, die mit starken Stauch- und Drehbelastungen des Gelenkes einhergehen, also Sprungsportarten sowie Ballsportarten mit Gegnerkontakt oder mit plötzlichen Richtungswechseln. „Die weltweiten Erfahrungen der letzten Jahre haben aber gezeigt, dass Menschen mit Oberflächenersatz nach entsprechendem Aufbautraining auch Sportarten betreiben können, die im Allgemeinen für Träger von konventionellen Prothesen ungeeignet sind, z.B. Tennis, Judo, Fußball oder Skilaufen. Grundsätzlich bleibt aber immer zu bedenken, dass auch Kappensysteme Prothesen sind, die ein natürliches Gelenk nicht vollständig ersetzen können“, so Elenz. „Dennoch bedeutet der Oberflächenersatz für viele Menschen die Rückkehr in ein aktives und sportliches Leben. Und das ist gut so, denn der Patient soll durch sein künstliches Hüftgelenk nicht nur schmerzfrei sein, sondern auch Lebensqualität zurückgewinnen.“

Steigende Versorgungszahlen

Nicht jeder Mensch mit Coxarthrose ist grundsätzlich für eine Kappenprothese geeignet. Die Indikation richtet sich nach Alter, Geschlecht, Aktivität, der Qualität des Knochens und dem Allgemeinzustand des Patienten. „Zu den Risiken des Oberflächenersatzes zählt, dass die Möglichkeit einer Fraktur des Schenkelhalses bestehen bleibt. Nach derzeitiger Studienlage liegt dieses Risiko bei etwa zwei Prozent. Menschen mit einer eingeschränkten körperlichen Aktivität – die die Vorteile des Oberflächenersatzes wenig nutzen würden oder ein erhöhtes Frakturrisiko aufweisen – sollten mit konventionellen Prothesen versorgt werden“, erläutert Elenz. „Der Einbau ist allerdings sehr abhängig von der Knochenqualität des Patienten. Nach bisheriger Erfahrung kann die Prothese bei Frauen bis zum 60. – wegen erhöhter Osteoporosetendenz – und bei Männern bis zum 70. Lebensjahr implantiert werden. Gegen den Oberflächenersatz spricht außerdem eine starke Deformation der Hüfte, die eine Verankerung der Prothese unsicher machen und die Beweglichkeit einschränken würde.“

Der Oberflächenersatz hat sich seit Anfang der 90er Jahre in Großbritannien und später weltweit bewährt. Die Ergebnisse von Langzeitstudien sind überzeugend: Es zeigt sich eine ähnliche Lockerungsrate wie bei den herkömmlichen Prothesenmodellen. Durch die Vorteile und den Erfolg der modernen Kappensysteme ist zu erwarten, dass sie künftig einen großen Teil aller Primäreingriffe bei jüngeren Patienten ausmachen. Für die nächsten Jahre gehen Schätzungen von steigenden Versorgungszahlen auf über 15 Prozent der gesamten operativ behandelten Coxarthrosen aus.

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Weitere Informationen:
http://www.marien-hospital-mh.de

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