Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland beginnt

06.03.2001


Wie gesund sind unsere Kinder? So schlicht diese Frage auch klingt, sie lässt sich derzeit nicht zuverlässig beantworten. Bislang gibt es keine umfassende und über die Altersspanne von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr reichende Erhebung über den Gesundheitszustand oder das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen, sondern nur punktuelle Informationen, zum Beispiel aus dem Kinderkrebsregister oder aus Studien, die auf bestimmte Themen, Altersgruppen oder Regionen begrenzt waren.

Die vom Robert Koch-Institut ausgearbeitete "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland" - deren Pilotphase am 12. März 2001 beginnt - soll die großen Informationslücken schließen und die Grundlagen für gezielte gesundheitspolitische Maßnahmen verbessern. "Die Erhebung wird erstmals in Deutschland und Europa vergleichbare umfassende Daten zur gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen liefern", betont Dr. Bärbel-Maria Bellach, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Instituts.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung die Finanzierung der Studie sichergestellt. Da Kinder und Jugendliche leichter als Erwachsene durch Umweltbelastungen gesundheitlich beeinträchtigt werden können, finanziert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit eine Zusatzerhebung. Sie umfasst neben einer Befragung auch Schadstoffuntersuchungen und Lärmmessungen zu Hause. Mit einer solchen Verknüpfung von Umwelt- und Gesundheitsuntersuchungen wird eine wichtige Forderung des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit erfüllt.

"Wie oft hattest Du in den letzten vier Wochen Schmerzen? Trägst Du meist einen Helm, wenn Du Fahrrad oder Mofa fährst? Wann warst Du das letzte Mal beim Arzt? Rauchst Du zurzeit? Wie sehr fühlst Du Dich durch Lärm gestört? Gegen welche Krankheiten ist Ihr Kind geimpft? Wie lange wurde Ihr Kind gestillt?" Das sind einige der über achtzig Fragen, die zunächst in der Pilotuntersuchung (Pretest) an 2000 Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 18 Jahren beziehungsweise ihre Eltern gestellt werden; bei 600 von ihnen wird in Kooperation mit dem Umweltbundesamt die Zusatzerhebung zu Gesundheitsrisiken aus der Umwelt durchgeführt.

Die Pilotphase der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland beginnt in Berlin-Steglitz, in den darauf folgenden Monaten folgen Berlin-Friedrichshain, Neuruppin (Brandenburg) und Wesendorf im niedersächsischen Landkreis Gifhorn. In dieser Phase testen die Epidemiologen des Robert Koch-Instituts die Praktikabilität des von ihnen erarbeiteten Untersuchungs- und Befragungsprogramms. Die Wissenschaftler fragen die Eltern nach Krankheiten, Unfallverletzungen, nach der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, der Lebensqualität, dem gesundheitsrelevanten Lebensstil, nach sozialen Bedingungen, dem Impfstatus und Umweltrisiken. Für die Kinder und Jugendlichen ab elf Jahren wurden eigene Fragebögen entwickelt. Der Pretest soll zeigen, inwieweit die Fragebögen von den Studienteilnehmern korrekt ausgefüllt werden und wie groß die Akzeptanz für ein zusätzliches ärztliches Interview und eine medizinische Untersuchung ist. Außerdem werden im Pretest Möglichkeiten erprobt, um Kinder und Eltern zur Studienteilnahme zu motivieren. Den Teilnehmern werden die Befunde der ärztlichen und der Umweltuntersuchung mitgeteilt.

Aufbauend auf den Ergebnissen der Pilotphase soll die drei Jahre dauernde Hauptphase mit 20.000 Kindern und ihren Eltern an insgesamt 150 Studienorten im gesamten Bundesgebiet im August 2002 starten. "Wir sind optimistisch, dass sich einzelne Bundesländer unserer Studie anschließen und bei entsprechender Erweiterung der Teilnehmerzahl auch auf Landesebene repräsentative Informationen als Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen erhalten werden", sagt Bärbel-Maria Bellach.

In den Jahren 1997/1998 hat das Robert Koch-Institut erstmals einen gesamtdeutschen Bundes-Gesundheitssurvey mit mehr als 7000 erwachsenen Teilnehmern durchgeführt. "Solche Gesundheitssurveys sind in den letzen Jahren neben dem Infektionsschutz zu einem Schwerpunkt des Robert Koch-Instituts geworden. Sie liefern die Grundlage für eine aktuelle und maßnahmenorientierte Gesundheitsberichterstattung", sagt Institutsleiter Professor Reinhard Kurth.

Für Eltern und Kinder, die wegen einer Teilnahme angeschrieben oder angesprochen wurden, hat das Team Kinder- und Jugendgesundheit des Robert Koch-Instituts eine Hotline eingerichtet: 01801 - 75455421. Pressevertreter können zwei Flyer (für die Öffentlichkeit und für die Eltern) bei der Pressestelle anfordern. Weitere Informationen, darunter eine Kurzfassung des Vorhabens und Eckdaten der Studie, sind in Kürze auf eigenen Internet-Seiten verfügbar: www.kinder-jugend-gesundheit21.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Heidrun Wothe | idw

Weitere Berichte zu: Pilotphase

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Antibiotikaresistenzen durch Nanopartikel überwinden?
15.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik