Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chance auf Mittel gegen Malaria

06.10.2006
Schwedische Forscher finden Wirkstoff gegen Blutverklumpungen

Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler Mittel gegen die tödliche Malaria zu finden. Nun haben schwedische Forscher erstmals einen Wirkstoff entwickelt, der im Tierversuch dazu geführt hat, die Blutverklumpungen, die zum gefährlichen komatösen Zustand führen, aufzulösen. Das Team um Mats Wahlgren vom Department of Microbiology am Karolinska Institut in Uppsala hat den Wirkstoff, der ähnlich wirkt wie Heparin, bereits im Tierversuch getestet, berichtet das Wissenschaftsmagazin PLOS-Pathogens in seiner jüngsten Ausgabe.

Die Anopheles-Mücke überträgt das Plasmodium beim Stich auf den Menschen. Die Gefahr, sich in einem Malariagebiet zu infizieren ist umso größer, je mehr Mücken dort die Plasmodien in sich tragen und je häufiger man von diesen Mücken gestochen wird. Die Plasmodien befallen die roten Blutkörperchen und produzieren ein bestimmtes Protein, das an Rezeptoren anderer Blutzellen und an die Innenwand der Blutgefäße anbindet. Das Protein verklebt die Blutzellen und dadurch verschlechtert sich die Blutzirkulation im Körper. Hier setzten die Forscher an: Sie suchten nach Möglichkeiten, dieses Verkleben der roten Blutkörperchen mit chemischen Substanzen zu verhindern. Wenn nämlich der Krankheitsverlauf unbehandelt weitergeht, entwickeln sich die Erreger in den Blutkörperchen fertig. Dann platzt das Blutkörperchen und setzt neue Plasmodien frei. Die Zerstörung der roten Blutkörperchen ruft einen Fieberschub hervor. Die neuen Plasmodien befallen wiederum rote Blutkörperchen und vermehren sich dort weiter. So folgt ein Fieberschub auf den nächsten.

Wahlgren und sein Team hatte eine Substanz wie Heparin im Auge. Heparine sind therapeutisch eingesetzte Substanzen zur (Blut-)Gerinnungshemmung, die die Blutzellen aus den Klumpen lösen können. Allerdings wird Heparin bei Malaria deswegen nicht eingesetzt, weil es als unerwünschte Nebenwirkung innere Blutungen verursacht. Chemisch gesehen handelt es sich bei Heparinen um Polysaccharide, bestehend aus einer variablen Anzahl von Aminozuckern. Aus Heparin konnten die Wissenschaftler allerdings den neuen Wirkstoff gewinnen, nämlich verkürzte Verbindungen aus Aminozuckern, so genannte depolymerisierte Glykosaminglykane. Im Versuch war das Ergebnis beeindruckend: Bei Ratten blockierte die intravenöse Verabreichung des Wirkstoffes 80 Prozent der infizierten roten Blutkörperchen sich zu verbinden. Auch die Bindungen bereits verklumpter Blutzellen konnten wieder aufgelöst werden. Ähnlich erfolgreich verlief auch der Versuch mit Langschwanz-Makaken.

Jährlich erkranken weltweit über 100 Mio. Menschen an Malaria. Mehr als eine Mio. stirbt daran. "Der Wirkstoff kann allerdings nur die Komplikationen der Malaria verhindern, nicht den Erreger selbst", so Andreas Bayer, Rektor der TCM-Privatuniversität, im pressetext-Interview. "Der einzige echte Wirkstoff gegen Malaria ist Artemisin. Artemisin wirkt gegen alle bekannten Malariaerreger und kennt keine Resistenzen. Die Wirksamkeit beträgt 90 Prozent", so Bayer. Der Wirknachweis wurde in Großfeldstudien mit bis zu 10.000 Patienten in China, Vietnam und Thailand erbracht. Bereits 1972 isolierte eine chinesische Pharmakologin Tu Youyou an der China Academy of Traditional Medicine die Wirksubstanz Artemisin aus der chinesischen Heilpflanze Artemisia Annua (Wermut). Diese Heilpflanze ist seit dem Jahr 168 v. Chr. in der Traditionellen Chinesischen Medizin TCM als Malariamittel in Verwendung.

"Die WHO verweigerte jedoch über 30 Jahre auf Druck der europäischen/amerikanischen pharmazeutischen Industrie die Anerkennung der Wirksamkeit von Artemisin", erklärt Bayer. "Erst nachdem China mit dem westlichen Konzern Novartis in Kooperation ging und über diese Firma bereit war, das Produkt auf den Markt zu bringen, wurde die Wirksamkeit plötzlich bestätigt und Artemisin in die WHO Gesundheitsprogramme aufgenommen."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://pathogens.plosjournals.org
http://www.tcm-university.edu

Weitere Berichte zu: Artemisin Blutzelle Heparin Malaria Plasmodien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE