Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tumortherapie mit Angiogenese-Hemmern zeigt Wirkung

15.09.2006
Zunächst galt sie als Wunderwaffe gegen den Krebs. "Das ist die "Anti-Angiogenese" heute sicher noch nicht", erklärt Privatdozentin Dr. Christiane J. Bruns, Oberärztin der Chirurgischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums München (LMU) - Großhadern.

Allerdings hat sich die anti-angiognetische Therapie inzwischen in der Behandlung von Tumoren neben der chirurgischen Operation, der Chemo- und Strahlentherapie als weitere Option bewährt. Sie kann zwar den Krebs nicht vollständig besiegen, aber das Leben vieler Patienten kann bei vertretbaren Nebenwirkungen verlängert werden. Wächst ein Tumor über eine Größe von einigen Millimetern hinaus, reichen ihm die Nährstoffe aus den Blutgefäßen des umgebenden Gewebes nicht mehr aus. Um nicht zu verhungern, produziert die Geschwulst Signalstoffe, die neue Blutgefäße zur Versorgung wachsen lassen.

Diese Blutgefäß-Neubildung wird im Fachjargon "Angiogenese" genannt. Somit wieder besser an den Blutkreislauf angeschlossen, kann sich der Krebs ausreichend ernähren, ungehindert weiter wuchern und schneller in andere Organe streuen. Mit maßgeschneiderten anti-angiogenetischen Medikamenten blockieren Mediziner die beteiligten Signalstoffe oder zerstören die neu gebildeten Blutgefäße direkt, mit dem Ziel den Tumor auszuhungern.

Vor kurzem hat die Europäische Arzneimittelbehörde mit "Sutent" nach "Avastin" einen weiteren "Angiogenese-Hemmer" zugelassen. Doch die Forschung geht weiter. Etliche neue Substanzen gegen verschiedene Signalstoffe der Angiogenese werden derzeit in klinischen und vorklinischen Studien getestet. Unter anderem kombinieren Angiogenese-Forscher die anti-angiogenetische Therapie mit einer neuen Form der Chemotherapie, bei der "klassische" tumortötende Medikamente in niedrigen Dosen über längere Zeit fast täglich verabreicht werden - mit bislang viel versprechenden Ergebnissen vor allem bei fortgeschrittenem Brust- und Hautkrebs. Offenkundig ist diese Art der Chemotherapie besser verträglich als bisherige Formen.

Die optimale anti-angiogenetische Behandlung hängt von individuellen Faktoren der Patienten und des einzelnen Tumors ab - und davon, welche Signalstoffe gehemmt werden. Schon kleine genetisch bedingte Variationen der Signalstoffe schmälern offenbar den Erfolg der Therapie. Zudem zeichnet sich erstmals ab, dass ein übermäßig ausgeschütteter Botenstoff des Immunsystems namens Interleukin-8 Krebszellen resistent gegen Avastin macht. Ein ICAM genanntes Molekül oder bestimmte, im Blut zirkulierende Zellen können hingegen darauf hinweisen, welche Patienten sehr wahrscheinlich von einer Behandlung mit Angiogenese-Hemmern profitieren und welche nicht.

Ein weiteres Betätigungsfeld finden die Angiogenese-Forscher seit kurzem in der Untersuchung von Lymphgefäßen. Ihnen kommt eine Schlüsselrolle in der Streuung von Tumorzellen in Lymphknoten und andere Organe zu (Metastasierung). Eine Hemmung der sog. "Lymphangiogenese", also der Neu-bildung von Lymphgefäßen, scheint hier ein weiterer viel versprechender Therapieansatz für verschiedene Tumore zu sein.

Angiogenese und Lymphangiogenese spielen in der Organtransplatation eine besondere Rolle. Transplantationspatienten müssen lebenslang Medikamente einnehmen, die die Abstoßung des körperfrem-den Organs verhindern, indem sie das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppresiva). Allerdings steigt damit die Krebsgefahr. Jetzt stehen erstmals Medikamente zur Verfügung, die gleichzeitig als Angiogenese-Hemmer und als Immunsuppresiva wirken. Damit könnte zukünftig das Risiko sinken, nach einer Transplantation an einem Tumor zu erkranken.

Zum internationalen und interdisziplinären Erfahrungsaustausch der Angiogenese-Forscher wurde erstmals im Herbst 2004 durch Mitarbeiter der Chirurgischen Klinik des Klinikums der Universität München - Großhadern (Arbeitsgruppe Frau Dr. Bruns, Dr. Kleespies, Dr. Guba, Dr. Seeliger, Prof. Jauch) die Europäische Konferenz für Tumorangiogenese und anti-angiogenetische Therapie (ECTA) ins Leben gerufen. Im Nymphenburger Schloss trafen sich die weltweiten Spitzenforscher der "Anti-Angiogenese" zu einer dreitägigen Klausurtagung. Das Interesse und Echo der medizinischen und wissenschaftlichen Fachwelt war herausragend. Anlässlich der diesjährigen zweiten ECTA Tagung in München werden erneut weltweit anerkannte Experten die neuesten Forschungsergebnisse aus der Medikamentenentwicklung, der klinischen Erprobung und der klinischen Praxis präsentieren und für Fragen zur Verfügung stehen.

Ansprechpartner:

PD Dr. Christiane Bruns
(Tagungspräsidentin, ECTA)
Dr. Axel Kleespies
(Tagungssekretär, ECTA)
Chirurgische Klinik und Poliklinik
Klinikum der Universität München-Großhadern
Marchioninistraße 15
Tel: 089/7095-0
Fax: 089/7095-6505
E-Mail:
christiane.bruns@med.uni-muenchen.de
axel.kleespies@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München werden an den Standorten Großhadern und Innenstadt jährlich rund 85.000 Patienten stationär und 371.000 Patienten ambulant behandelt. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über etwa 2.400 Betten. Von insgesamt 9000 Beschäftigten sind rund 1800 Mediziner. Jährlich finden zahlreiche medizinische und wissenschaftliche Kongresse und Tagungen, sowie Kurse und Informationsveranstaltungen für Patienten statt. Das Klinikum der Universität München zählt zu den größten Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und hat im Jahr 2004 mehr als 52 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Seit 1. Juni 2006 ist das Klinikum der Universität München eine Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de
http://www.angiogenesis2006.de

Weitere Berichte zu: Angiogenese-Hemmer Blutgefäß ECTA Organ Signalstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Taube Kinder lernen Wörter schneller als hörende Kinder
24.01.2018 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Medikamente mildern Mukoviszidose
23.01.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher decken die grundsätzliche Limitierung im Schlüsselmaterial für Festkörperbeleuchtung auf

Zum ersten Mal hat eine internationale Forschungsgruppe den Kernmechanismus aufgedeckt, der den Indium(In)-Einbau in Indium-Galliumnitrid ((In, Ga)N)-Dünnschichten begrenzt - dem Schlüsselmaterial für blaue Leuchtdioden (LED). Die Erhöhung des In-Gehalts in InGaN-Dünnschichten ist der übliche Ansatz, die Emission von III-Nitrid-basierten LEDs in Richtung des grünen und roten Bereiches des optischen Spektrums zu verschieben, welcher für die modernen RGB-LEDs notwendig ist. Die neuen Erkenntnisse beantworten die langjährige Forschungsfrage: Warum scheitert dieser klassische Ansatz, wenn wir versuchen, effiziente grüne und rote LEDs auf InGaN-Basis zu gewinnen?

Trotz der Fortschritte auf dem Gebiet der grünen LEDs und Laser gelang es den Forschern nicht, einen höheren Indium-Gehalt als 30% in den Dünnschichten zu...

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Enzym mit überraschender Doppelfunktion

24.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neuartiger hoch-produktiver Prozess für robuste Schichten auf flexiblen Materialien

24.01.2018 | Messenachrichten

Neuartiger Sensor zum Messen der elektrischen Feldstärke

24.01.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics