Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Salmonella Oranienburg in Schokolade nachgewiesen

20.12.2001


Gemeinsame Pressemitteilung von Robert Koch-Institut und Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin

In Deutschland ist eine Häufung von Erkrankungen an Salmonella Oranienburg, einem seltenen Salmonellen-Typ, aufgetreten. Mikrobiologische und epidemiologische Untersuchungen, die vom Robert Koch-Institut und den zuständigen Landesgesundheitsbehörden und Gesundheitsämtern durchgeführt wurden, weisen auf einen Zusammenhang mit dem Verzehr von Schokolade hin. Eine Häufung von Salmonella Oranienburg war Mitte Oktober erstmals im Hygiene-Institut Hamburg aufgefallen, das gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut das Nationale Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger bildet.

"Nur durch den hohen Einsatz der beteiligten Landesgesundheitsbehörden und Gesundheitsämter und die enge Zusammenarbeit zwischen Landesstellen, Robert Koch-Institut und Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin konnte die Untersuchung dieses Ausbruchs in dieser Weise erfolgen", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Seit dem 15. Oktober 2001 sind im Rahmen der Meldungen nach dem Infektionsschutzgesetz mehr als 270 Infektionen mit Salmonella Oranienburg, an das RKI übermittelt worden (vor diesem Zeitpunkt waren es im Jahr 2001 weniger als 50 Meldungen gewesen). Die Meldungen dieses ansonsten sehr seltenen Salmonellen-Typs stammen aus fast allen Bundesländern, wobei Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen die meisten Fallmeldungen übermittelt haben.

Isolate von mehreren Patienten sind molekularbiologisch nicht von einem Stamm zu unterscheiden gewesen, der im Rahmen betrieblicher Eigenkontrollen aus Schokolade isoliert worden war. Das ergab eine Untersuchung im Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen im Robert Koch-Institut, Bereich Wernigerode. Die Charge, aus der die positive Probe stammte, war vom Hersteller vernichtet worden und nicht in den Handel gelangt. Da aber von etlichen Erkrankten angegeben wurde, in der Woche vor Erkrankungsbeginn bestimmte Schokoladen dieses Herstellers verzehrt zu haben, konzentrierten sich die weiteren mikrobiologischen Untersuchungen darauf, bei neu Erkrankten noch vorhandene Schokolade zu untersuchen. Ein Untersuchungsamt in Nordrhein-Westfalen wies diese Woche Salmonellen nach in der Schokolade aus dem Haushalt und aus der gleichen Charge, die ein an Salmonella Oranienburg erkranktes kleines Kind verzehrt hatte. Nach den Bestimmungen des Produkthaftungsgesetzes hat der Hersteller inzwischen öffentlich vor dem Verzehr dieser Produkte, die nur in einer bestimmten Supermarktkette erhältlich gewesen sind, gewarnt.

Eine Fall-Kontroll-Studie des Zentrums für Infektionsepidemiologie im Robert Koch-Institut und der zuständigen Landesstellen zeigt, dass erkrankte Personen in der Woche vor Erkrankungsbeginn signifikant häufiger als gesunde Personen, die als Kontrolle untersucht wurden, Schokolade im allgemeinen verzehrt als auch öfter Schokolade, die in einem Supermarkt der betroffenen Kette erworben worden war, gegessen haben. Es ist damit nicht belegt, dass alle der mehr als 270 gemeldeten Fälle auf den Genuss der salmonellenbelasteten Schokolade zurückzuführen sind.

Die mehr als 270 gemeldeten Infektionen seit 15. Oktober 2001 verteilen sich auf 150 Stadt- und Landkreise in fast allen Bundesländern. Erkennung und Untersuchung dieses Ausbruchs wären ohne das neue Infektionsschutzgesetz (IfSG), das seit 1. Januar 2001 in Kraft ist, nicht möglich gewesen. Durch die seither durchgeführte elektronische Übermittlung von Einzelfällen kann das Auftreten von Erkrankungen schnell auf Landes- und Bundesebene erkannt werden. Die im IfSG erstmals vorgeschriebene Meldung der Erregernachweise erlaubt bei Salmonellen-Infektionen eine gezielte
Analyse der eingegangenen Daten auch nach Untertypen (Serovare).

Da immer noch Fälle von Salmonella Oranienburg-Infektionen an das Robert Koch-Institut übermittelt werden, verfolgen das Bundesinstitut und die zuständigen Landesstellen das Geschehen weiter aufmerksam.

Auf den Zusammenhang mit salmonellenbelasteter Schokolade weist neben der Fall-Kontroll-Studie und den mikrobiologischen Untersuchungen auch das Auftreten von 15 Erkrankungen an Salmonella Oranienburg in Dänemark hin. Diese Stämme sind molekularbiologisch identisch mit den in Wernigerode untersuchten Ausbruchsstämmen. Ein Teil der Betroffenen konnte sich

Seit den sechziger Jahren ist weltweit immer wieder von Salmonellen-
erkrankungen durch den Verzehr von Schokoladenprodukten berichtet worden. Die Besonderheit hierbei ist, dass außerordentlich niedrige Keimzahlen ausreichen, eine Erkrankung auszulösen. Diese niedrigen Infektionsdosen werden darauf zurückgeführt, dass die Salmonellen in der fettreichen Schokolade sehr gut gegen die sauren Verhältnisse im Magen des Menschen geschützt sind und größtenteils lebend in den Darm gelangen, wo sie eine Infektion auslösen können.

Salmonellen können in Schokolade bis zu mehreren Jahren überleben. Bedingt durch den niedrigen Wassergehalt der Schokolade und die schützende Wirkung des Fettes weisen sie eine sehr hohe Hitzeresistenz auf. Als Ursache für die Kontamination werden in erster Linie die Kakaobohnen, aber je nach Rezeptur auch andere Zutaten, z.B. Kokosnüsse und Gewürze angesehen.

Maßnahmen zur Keimreduktion sind das Rösten der Kakaobohnen, eine spezielle Behandlung des Kakaopulvers durch Alkalisierung und die Hitzebehandlung der Kakaomasse mit Wasserdampf. Hierbei werden Temperaturen erreicht, die zwar zu einer Reduktion, aber nicht zu einer sicheren Abtötung der Salmonellen führen. Angesichts des bestehenden Restrisikos ist eine lückenlose Kontrolle der kritischen Prozessstufen einschließlich mikrobiologischer Untersuchungen seitens der Hersteller von entscheidender Bedeutung.

Herausgeber:
Robert Koch-Institut
Presse-und Öffentlichkeitsarbeit
Nordufer 20
D-13353 Berlin
Tel 01888.754 2286
Fax 01888.754 2265
Presse@rki.de

Heidrun Wothe | idw
Weitere Informationen:
http://www.rki.de
http://www.rki.de/GESUND/MBL/MBL.HTM
http://www.rki.de/INFEKT/EPIBULL/EPI.HTM

Weitere Berichte zu: Infektion Salmonelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Therapieansatz: Kombination von Neuroroboter und Hirnstimulation aktiviert ungenutzte Nervenbahnen
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Europäisches Forschungsteam trickst Ebolavirus aus
16.01.2018 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Ein „intelligentes Fieberthermometer“ für Mikrochips

16.01.2018 | Informationstechnologie

Diagnostik der Zukunft - Europäisches Projekt zur Erforschung seltener Krankheiten startet

16.01.2018 | Förderungen Preise