Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch Greifswald ausgezeichnet: gen-ial einfacher Indikator für Arzneiverwertung

17.12.2001


Der vor Ärzte Zeitung vergebene Galenus von Pergamon-Preis, Kategorie B, ging auf der Medica-Messe an elf Forscher aus fünf Labors. Der Greifswalder Pharmakologe-Toxikologe Prof. Dr. Dr. Ingolf Cascorbi vom Institut für Pharmakologie ist dabei.

Die Forschergruppe reichte eine mit 25000 DM ausgezeichnete und 2000 in Amerika erschienene Arbeit ein aus dem Gebiet der Pharmakogenetik, dem Spezialgebiet Prof. Cascorbis: "Functional polymorphism of the human multidrug-resistance gene: multiple sequence variations and correlation of one allele with P-glycoprotein expression and activity in vivo".

Ingolf Cascorbi hat mit Göttinger, Berliner, Stuttgarter und Forschern aus Bernried am Starnberger See herausgefunden, dass ein bestimmter "Polymorphismus" des sogenannten MDR-1-Gens (Abkürzung für Multi Drug Resistance - vielfacher Arzneiwiderstand) offenbar bei einigen Arzneimitteln dafür sorgt, dass nur ein geringer Teil davon wirkt, weil der mehrere Anteil aus den Darmepithelzellen in das Lumen zurück- und damit aus dem Körper gepumpt wird.

Die elf Forscher zeigten durch klinische Studien, dass "Exon 26" (eine von 15 Varianten des MDR-1-Gens) mit der Expression von P-Glykoprotein korreliert und so unter anderem die Konzentration des Herzmedikaments "Digoxin" beeinflusst und damit dessen Wirkung. "Das MDR-1-Gen", so sagt Ingolf Cascorbi, "kodiert für P-Glykoprotein, das für den Transport von mehr als 30% aller Medikamente verantwortlich ist." Der Anteil an P-Glykoprotein-Substraten liegt bei den Zytostatika, den Krebszellstoppern, noch erheblich höher. Die entdeckte MDR-1-Gen-Mutation beeinflusst auch Immunsuppressiva und HIV-1-Protease-Hemmer. "P-Glykoprotein kommt in verschiedenen Geweben im Körper, unter anderem im Darm, vor." Je nach genetischem Profil exprimieren manche Menschen viel P-Glykoprotein und haben dann eine geringe Arzneimittelkonzentration im Körper, während bei anderen genau das Gegenteil der Fall ist: sie haben wenig von dem P-Glykoprotein und halten die Arznei viel länger im Körper. In Zukunft wird man also besser zuerst nachsehen, ob ein Mensch die Gen-Variante birgt, bevor er ein Medikament bekommt. Etwa 50% der Menschen sollen die Exon-26-Variante aufweisen.

Infos beim Preisträger: Prof. Dr. Dr. Ingolf Cascorbi, Institut für Pharmakologie, Friedrich Loeffler-Str. 23, 17487 Greifswald, Tel.: 03834-86-5650, Fax 03834-86-5651, e-mail: cascorbi@uni-greifswald.de

Dr. Edmund von Pechmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-greifswald.de/pharmako/fogeb.htm

Weitere Berichte zu: Indikator MDR-1-Gen P-Glykoprotein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik