Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selten Manager und Akademiker, oft Köche und Friseusen

22.06.2006
Erstmals in Deutschland repräsentative Daten zu Rückenschmerzen und ihren Risikofaktoren bei verschiedenen Berufen / Analyse der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg

Top Manager, Ingenieure, Ärzte und Apotheker, EDV-Experten, Musiker, Schauspieler, Lehrer und Universitätsdozenten gehören zu den Berufsgruppen, die am seltensten über Rückenschmerzen klagen: Weniger als 40 bis 50 Prozent haben es einmal im Jahr "im Kreuz". Dagegen sind andere Berufsgruppen mit harter körperlicher Arbeit (z.B. Bauarbeiter und Klempner) sowie einseitiger Körperhaltung (z.B. Köche und Friseusen) mit mehr als 70 Prozent besonders belastet. Im Durchschnitt leiden rund 60 Prozent der deutschen Bevölkerung mindestens einmal im Jahr unter Rückenschmerzen.

Dies sind Ergebnisse der ersten repräsentativen Querschnittsstudie in Deutschland, die von Wissenschaftlern der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg im "European Spine Journal" veröffentlicht worden sind. Dafür wurden Daten des Nationalen Gesundheits-Survey des Robert-Koch-Instituts in Berlin ausgewertet: Vier mobile Ärzteteams untersuchten und befragten von 1997 bis1999 rund 6.200 Personen zwischen 18 und 79 Jahren.

"Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Ursachen für eine Krankschreibung", erklärt Professor Dr. Marcus Schiltenwolf, Leiter der Sektion Schmerztherapie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, und gemeinsam mit dem Wissenschaftler Dr. Sven Schneider, der jetzt als Epidemiologe im Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg arbeitet, einer der Hauptautoren der Studie. Volkswirtschaftlich betrachtet verursachen Rückenschmerzen jährliche Verluste durch Arbeitausfall in Milliardenhöhe.

... mehr zu:
»Schmerztherapie

Auch Lärm, Luftverschmutzung und psychischer Stress sind Risikofaktoren

Wie bereits frühere Untersuchungen zeigte auch diese Studie, dass das Tragen schwerer Lasten sowie die einseitige körperliche Haltung Risikofaktoren für die Entwicklung von Rückenschmerzen sind. Aber auch Umweltfaktoren wie Lärm oder verunreinigte Luft und psychischer Stress haben einen negativen Effekt. Dagegen wirken sich Nacht- und Schichtarbeit sowie lange Arbeitszeiten nicht abträglich für den Rücken aus. Bei Frauen kamen zu den körperlichen Risikofaktoren noch psychosoziale wie Depression, Übergewicht und die Familiensituation hinzu.

"Bedenklich ist, dass gerade die Berufsgruppen, die besonders gefährdet sind, oft wenig Zugang zu vorbeugenden Maßnahmen haben und dazu wenig motiviert sind", sagt Professor Schiltenwolf. Dabei sollten nicht nur eine Kräftigung der Rückenmuskulatur und Erleichterung der körperlichen Belastung während der Arbeit in Angriff genommen werden, sondern auch die psychosozialen Faktoren berücksichtigt werden, die ein akutes Rückenleiden zu einer chronischen Erkrankung werden lassen.

Literatur:
Schneider S, Lipinski S, Schiltenwolf M:
Occupations associated with a high risk of self-reported back pain: representative outcomes of a back pain prevalence study in the Federal Republic of Germany. Eur Spine J. 2006 Jan 24

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf
Leiter Sektion Schmerztherapie
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Telefon: +49 6221 96 6323
Fax: +49 6221 96 6380
Sekretariat Frau Lueg-Damm
Email: sabine.lueg-damm@ok.uni-heidelberg.de
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.orthopaedie.uni-hd.de/
http://www.med.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Schmerztherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie