Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebspatienten altersgerecht behandeln

10.12.2001


Deutsche Krebshilfe fördert "Geriatrische Onkologie"

"Krebs im Alter" ist der Themenschwerpunkt in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Deutsche Krebshilfe" IV/2001. Denn: Immer mehr Menschen werden immer älter, und immer mehr ältere Menschen erkranken an Krebs. Die Behandlung einer Krebserkrankung ist langwierig und für den Betroffenen oft sehr anstrengend. Kann man eine solche Therapie einem älteren Tumorkranken noch zumuten? Und: will er sie überhaupt noch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine interdisziplinäre Forschergruppe an der Universität Jena. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit 3,7 Millionen Mark. Sie verspricht sich davon richtungweisende Erkenntnisse von großer klinischer, humanitärer und gesundheitspolitischer Bedeutung.

Herbert A. ist 82 Jahre alt, als sein Hausarzt ihm mitteilt, dass er Darmkrebs hat. Der Rentner, der sein Leben lang in einem kleinen Ort, 60 Kilometer von Jena entfernt, gelebt hat und nie ernsthaft krank war, ist verunsichert. Der Hausarzt versucht ihn zu beruhigen: "Im Universitätsklinikum Jena arbeiten Fachärzte mit neuesten Kenntnissen. Dort werden Sie sicherlich gut behandelt und bald geheilt. Ich werde direkt einen Termin für Sie vereinbaren". Wie gelähmt geht Herbert A. nach Hause. Zwei Tage später ruft seine 55-jährige Tochter bei dem Arzt an, der die ganze Familie gut kennt: "Ist es wirklich nötig, dass mein Vater sich in der weit entfernten Klinik noch einer nebenwirkungsreichen Behandlung unterziehen muss, nach der es ihm möglicherweise schlechter geht als jetzt?", fragt sie. Große Angst hat Herbert A. vor einem künstlichen Darmausgang: "Da verliere ich im hohen Alter noch meine Würde und muss Windeln tragen wie mein kleines Enkelkind".

Der Hausarzt steht vor einem Problem, mit dem er in Deutschland nicht alleine ist. Viele Ärzte fragen sich: Nach welchen Kriterien soll ich entscheiden, ob und wie ich einen Tumorpatienten fortgeschrittenen Alters behandle? Manch ein 75-Jähriger ist rüstig, spielt jeden Tag Tennis und wünscht sich noch mindestens zehn Jahre zu leben. Ein anderer dagegen hat mit 70 bereits mehrere Herzinfarkte hinter sich, ist zuckerkrank und auf die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes angewiesen. Das kalendarische Alter nach Lebensjahren sollte daher nicht im Vordergrund stehen, wenn es um die Wahl der richtigen Behandlung einer Krebserkrankung geht. Welche Faktoren statt dessen wichtig sind und beachtet werden müssen, ist bislang jedoch noch nicht ausreichend geklärt.

Diese Situation wollen Wissenschaftler an der Universität Jena jetzt ändern. Unter der Leitung von Professor Dr. Klaus Höffken nehmen sie sich des lange vernachlässigten Themas "Krebs im Alter" an. Sie haben ein so genanntes geriatrisch-onkologisches "Assessment" etabliert, mit dem die Behandlungssituation des alten Patienten erfasst werden soll. Die Deutsche Krebshilfe fördert im Rahmen der Studie "Geriatrische Onkologie" auch die Entwicklung dieses Tests. Im Mittelpunkt stehen die beiden Fragen: Was ist sinnvollerweise bei einem alten Patienten als Therapie durchführbar? Und: Was möchte der Patient, welches sind seine Ziele und Erwartungen? Erste Daten des Projektes liegen dem interdisziplinären Team aus Internisten, Pharmakologen, Psychiatern und Psychologen bereits vor und werden derzeit ausgewertet. Langfristig soll das von den Jenaer Wissenschaftlern entwickelte spezielle Behandlungskonzept an vielen anderen Orten Deutschlands realisiert werden. Höffken empfiehlt alten Krebspatienten jedoch schon jetzt, sich auf jeden Fall in einem onkologischen Zentrum oder einer spezialisierten Praxis behandeln zu lassen, denn individuelle Therapieentscheidungen sind bei ihnen oft schwieriger zu treffen als bei jüngeren Patienten.

Infokasten: Alterskrankheit Krebs

 

Experten schätzen, dass die Zahl der Krebserkrankungen bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent zunehmen wird. Diese Annahme stützt sich auf die in den nächsten 30 Jahren zu erwartende Altersverschiebung in der Bevölkerung: Zur Zeit sind etwa 15 Prozent der Menschen in Deutschland über 65 Jahre alt. Dieser Anteil wird im Jahr 2030 rund 20 bis 30 Prozent betragen. Statistisch gesehen erkranken von 100.000 Menschen unter 65 Jahren lediglich 200 an Krebs. Bei den über 65-Jährigen ist die Erkrankungshäufigkeit zehnfach höher. Bei den häufigsten Krebserkrankungen - Tumoren der Prostata, des Darms, der Lunge, der Bauchspeicheldrüse, des Magens und der Blase - beträgt der Anteil der über 65-Jährigen 60 bis 80 Prozent. Krebs ist also im Wesentlichen eine "Alterskrankheit".

Ausführlicher berichten wir über das Thema in der Ausgabe IV/2001 unserer Zeitschrift "Deutsche Krebshilfe", die kostenlos angefordert oder im Internet abgerufen werden kann. Im Internet erhalten Sie außerdem weitere Informationen über Förderprojekte und die Arbeit der Deutschen Krebshilfe.

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Krebserkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE