Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartiger diagnostischer Herzkatheter zur indirekten Koronarangiographie vorgestellt

04.12.2001


Indirekte Koronarangiographie


Konventionelle Koronarangiographie


Die Fraunhofer-Technologie-Entwicklungsgruppe TEG in Stuttgart hat den Funktionsnachweis für einen völlig neuartigen diagnostischen Herzkatheter zur indirekten Koronarangiographie und Laevoventrikulographie erbracht. Sein Prinzip beruht auf der Verstärkung des (physiologischen) diastolischen koronaren Blutflusses mit Hilfe eines EKG-getriggerten supraaortalen Ballons und gleichzeitiger Kontrastmittelinjektion in Nähe der Koronarostien [s. Bild 1]. Hierdurch wird über mehrere Herzzyklen eine angiographische Darstellung der Koronararterien erzielt, ohne dass die Koronarostien sondiert werden müssen. Dies führt bei konventioneller Vorgehensweise immer wieder zu Komplikationen. Gefürchtet sind insbesondere die Auslösung von Herzrhythmusstörungen, die Ruptur hauptstammnaher Atherome sowie Gefäßdissektionen.


Derartige Zwischenfälle sind mit dem neuartigen Katheter nicht zu erwarten. Denn einerseits werden die Koronargefäße nicht invasiv exploriert, andererseits behält das Kontrastmittel-Blutgemisch während der Untersuchung einen deutlich höheren Sauerstoffanteil. Weitere Vorteile sind die ca. 50 Prozent schnellere Untersuchung mit entsprechend verminderter Strahlenbelastung für Patient und Untersucher sowie ein geringeres Infektionsrisiko durch Entfallen jeglicher Katheterwechsel. Da dieser Katheter auch zu der normalerweise meist vorweg durchgeführten Linksherzdarstellung geeignet ist, kann er die Funktion von mindestens drei Kathetern nach konventioneller Methode ersetzen. Darüber hinaus erscheint er besonders geeignet zum Auffinden aortokoronarer Bypassabgänge, was bislang oft sehr zeitaufwendig und mit erheblichem Kontrastmitteleinsatz sowie hoher Strahlenbelastung verbunden ist. Ein positiver Nebeneffekt ist die technisch einfachere Durchführung für den Untersucher, da der Katheter nach einmaliger Röntgenkontrolle in seiner korrekten Position verbleiben kann. Die Einführung in die Aorta kann wie bei konventionellen Koronarkathetern über eine A. femoralis-Schleuse erfolgen.

Der Katheter wurde von zwei deutschen Medizinern erfunden, die das Arbeitsprinzip in Kooperation mit der Fraunhofer TEG bis zum Funktionsnachweis begleitet und weiterentwickelt haben. Die in-vivo Versuche wurden zur größtmöglichen Annäherung an menschliche anatomische Verhältnisse an geeigneten Tiermodellen durchgeführt, wobei eine freundliche Unterstützung durch die herzchirurgische Klinik München-Großhadern und das Steinbeis-Transferzentrum für Gesundheitstechnologie in Tübingen erfolgte.


Als Referenz für die Darstellungsqualität wurden jeweils Koronarangiographien der Herzkranzgefäße in konventioneller Methode von einem Kardiologen durchgeführt [siehe Bild 2]. Es konnte gezeigt werden, dass die neuartige Methode einer indirekten Koronarangiographie in jedem modernen Herzkatheterlabor ohne zusätzliche Investitionen praktikabel ist. In den Versuchen gelang eine überzeugende gleichzeitige Darstellung beider Herzkranzgefäße [siehe Bild 1]. Weiterhin konnte auch die linke Herzkammer in gewohnter Qualität abgebildet werden.

Die Funktionsfähigkeit des neuen Katheters konnte mit relativ einfachen Mitteln nachgewiesen werden. In der Feinabstimmung der Methode, z.B. hinsichtlich der Steuerzeiten bei verschiedenen Herzfrequenzen, wird daher noch ein beträchtliches Potenzial für eine weitere Verbesserung der Darstellungsqualität gesehen.
Diese Neuentwicklung bleibt auch vor dem Hintergrund der jüngsten Erfolge nicht-invasiver koronardiagnostischer Verfahren wie EBT, Ultrafast-CT und Mehrzeilen-CT interessant, da zum einen deren Darstellungsqualität insbesondere nicht kalzifizierender Stenosen noch unbefriedigend ist. Zum anderen ist auch auf lange Sicht noch keine flächendeckende Versorgung mit diesen teuren Geräten zu erwarten. Und schließlich möchten kleinere und mittlere Katheterlabors ihr Equipment weiterhin nutzen und amortisieren. Hierbei kann der neue Ballonkatheter einerseits den Richtungswechsel zu weniger Invasivität einleiten und andererseits helfen, die Schwächen der neuen nicht-invasiven radiologischen Verfahren durch begleitende lokale Kontrastmittelapplikation auszugleichen.
Derzeit werden Kontakte mit medizintechnischen Unternehmen mit dem Ziel einer Weiterentwicklung und Markteinführung dieses innovativen Herzkatheters aufgenommen.

Dr. med. Thomas Wolffgram

Ansprechpartner
Fraunhofer-Technologie-Entwicklungsgruppe Stuttgart
Dipl.-Ing. Armin Grab, Telefon: 0711-970-3728, E-Mail: aag@teg.fhg.de

Axel Storz | idw

Weitere Berichte zu: Herzkatheter Katheter Koronarangiographie Koronarostien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert

09.12.2016 | Physik Astronomie