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Graft-versus-host-disease: Immuntherapie mit speziellen Antikörpern

06.06.2006


Die allogene Knochenmarkstransplantation ist die Therapie der Wahl bei vielen bösartigen Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems, da spezielle Immunzellen im Transplantat restliche von der Chemotherapie verschonte Tumorzellen zerstören können. Sehr häufig attackieren allerdings diese Immunzellen auch gesundes Gewebe und Organe des Patienten und rufen damit die lebensbedrohliche Erkrankung "Graft-versus-host-disease" hervor. In einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt verfolgt ein Forschungsteam um Professor Thomas Hünig vom Lehrstuhl für Immunologie der Universität Würzburg neue experimentelle Ansätze mit dem Ziel, die Schwere und Häufigkeit dieser Erkrankung deutlich zu reduzieren.




Die Graft-versus-host-disease (GvHD - Transplantat-gegen-Empfänger-Krankheit) stellt eine sehr schwerwiegende Komplikation nach Knochenmarkstransplantation dar. Bei dieser Erkrankung werden sogenannte alloreaktive T-Zellen des Spenders im Empfängerorganismus aktiviert und infolgedessen massive entzündliche Reaktionen in den Zielorganen Haut, Magen-Darm-Trakt und Leber ausgelöst. Die Therapie der GvHD beschränkt sich bislang auf die Anwendung immunsuppressiver Medikamente, die zwar die Schwere der Erkrankung vermindern aber gleichzeitig auch den erstrebten Graft-versus-Tumor-Effekt (GvT-Effekt - Transplantat-gegen-Tumor-Effekt) unterbinden. Wünschenswert sind daher neuartige Medikamente, die die Aktivität der GvHD deutlich reduzieren können, ohne einen Verlust der GvT-Aktivität herbeizführen.



Mit einem neuen immuntherapeutischen Ansatz versuchen Professor Hünig und Mitarbeiter, dieses Ziel zu erreichen. Im Zentrum des Interesses stehen dabei die sogenannten regulatorischen T-Zellen. Eine wesentliche Funktion dieser Zellen ist es, schädliche Immunzellen (z.B. solche, die Autoimmunerkrankungen hervorrufen können) in Schach zu halten. In Tiermodellen konnten mehrere Forschungsgruppen zeigen, dass regulatorische T-Zellen im Transplantat des Knochenmarksspenders unter bestimmten experimentellen Bedingungen auch die Aktivierung der die GvHD auslösenden alloreaktiven T-Zellen unterdrücken können. In der Regel reicht die Zahl der regulatorischen T-Zellen im Transplantat aber nicht aus, um den gewünschten Effekt ausüben zu können.

In der Arbeitsgruppe von Professor Hünig gelang es, spezielle Antikörper zu entwickeln, die an das Protein CD28 auf der Oberfläche von T-Zellen der Maus binden und eine massive Aktivierung und Vermehrung der regulatorische T-Zellen sowohl im Reagenzglas als auch in Versuchstieren herbeiführen können. In einem etablierten Tiermodell der GvHD wollen die Forscher diesen Antikörper einsetzen und untersuchen, ob so über die Vermehrung der regulatorischen T-Zellen die Krankheitsaktivität ohne Verlust des GvT Effektes reduziert werden kann.

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Hünig
Institut für Virologie und Immunbiologie
Universität Würzburg
Tel. +49 (931) 201 49 95 1 Fax +49 (931) 201 49 24 3
huenig@vim.uni-wuerzburg.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 290.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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