Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welche Medikamente sind am besten geeignet?

31.05.2006


An der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg wurden neue wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Therapieempfehlungen für Antibiotika in der Schwangerschaft und Stillzeit entwickelt


Welche Medikamente sind für schwangere und stillende Frauen am ehesten geeignet? Wie hoch sind die Risiken im Vergleich zum Nutzen? Die Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg hat am Beispiel von Antibiotika eine neue differenzierte Risikobewertung mit acht Kategorien entwickelt, die dem Arzt konkrete Handlungsempfehlungen bei der Verschreibung von Medikamenten für Schwangere und stillende Mütter gibt. Dadurch sollen unerwünschte Arzneimittelwirkungen gezielter vermieden und Risiken für das ungeborene Kind minimiert werden. Die wissenschaftliche Arbeit wurde jetzt in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift veröffentlicht. (2006;131:1016-22).

Die Heidelberger Wissenschaftler unter der Federführung von Professor Dr. Walter E. Haefeli haben Studien, klinische Erfahrungen und Fachinformationen von Antibiotika bezüglich deren Einnahme in der Schwangerschaft und Stillzeit ausgewertet. Ausgangspunkt dieser umfangreichen Analyse war eine Anfrage der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, die in ihre Behandlungs-Leitlinien zur Vorbeugung und Therapie von Herzklappen-Entzündungen (Endokarditis) in der Schwangerschaft und Stillzeit entsprechende Empfehlungen aufnehmen möchte. Durch sachgerechte Einnahme von Antibiotika kann ein chronisches Herzleiden verhindert werden.


Viele Informationen, aber bislang keine praxisnahe Bewertung

Bestimmte Medikamente können - je nach Schwangerschaftsabschnitt, in dem sie eingenommen wurden - zu schweren lebenslangen gesundheitlichen Störungen des Kindes führen. Prominentes Beispiel ist die Katastrophe mit Contergan in den sechziger Jahren. Ärzte müssen in diesen kritischen Phasen Nutzen und Risiken von Arzneimitteln besonders sorgsam abwägen und benötigen dafür zuverlässige Informationen. Problematisch ist allerdings nicht nur der punktuelle Mangel, sondern auch die Fülle an Informationen, die eine individuelle Therapieentscheidung erschwert. Zusammenfassende Bewertungen liegen zwar bereits vor - aber diese hatten erhebliche Einschränkungen, u.a. wenig Praxisnähe. "Bislang wurden Arzneistoffe häufig in Gruppen bewertet, obwohl sich einzelne Substanzen in ihrem Profil deutlich unterscheiden; daher ist das bisherigen Vorgehen unzureichend", erklärt Professor Haefeli. Auch die Richtlinien der nationalen Arzneimittelbehörde der USA, der "Food and Drug Administration" (FDA), sind nicht ausreichend: Sie sehen keine unterschiedliche Bewertung in den verschiedenen Schwangerschaftsabschnitten vor. Die europäischen Arzneimittelbehörden wenden bisher überhaupt keine systematische Risikoklassifizierung an.

Die neuen Erkenntnisse der Heidelberger Wissenschaftler sollen Eingang in eine deutschlandweite Leitlinie von Herzspezialisten finden. In Kürze stehen sie zudem allen Ärzten des Universitätsklinikums Heidelberg in AiDKlinik, dem elektronischen Arzneimittelinformationssystem, zur Verfügung. Damit ist man am Universitätsklinikum Heidelberg in den Bestrebungen zur maßgeschneiderten Therapie zum Wohle des Patienten wieder einen Schritt weiter.

Bei Rückfragen:
Professor Dr. Walter Haefeli:
06221 / 56 8740 (Sekretariat)
walter.emil.haefeli@med.uni-heidelberg.de

Literatur:

Bertsche T, Haas M, Oberwittler H, Haefeli WE, Walter-Sack I: Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit. Neue Risikokategorien - dargestellt am Beispiel von Antibiotika. Deutschen Medizinischen Wochenschrift (2006;131:1016-22).

Links im Internet:

* Abteilung Innere Medizin VI (Pharmakologie und Pharmakoepidemologie):
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Innere-Medizin-VI-Klinische-Pharmakologie-und-Pharmakoepidemiologie.724.0.html

* AiDKlinik:
http://www.cpoe.de/

* Deutsches Ärzteblatt (26. Mai 2006, Ausgabe 21, Seite C1177ff):
Elektronische Arzneimittelinformationsmedien:
Chancen (v)erkannt? (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=51537)

Tabellen zur Pressemitteilung:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pressestelle/pdf/pm99_06_tabellen.pdf

Quelle: Bertsche T, Haas M, Oberwittler H, Haefeli WE, Walter-Sack I. Neue Risikokategorien für die Anwendung von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit - dargestellt am Beispiel von Antibiotika. Dtsch Med Wochenschr 2006;131:1016-22.

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pressestelle/pdf/pm99_06_tabellen.pdf
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Antibiotikum Schwangerschaft Stillzeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie