Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HIV-Viren sind Überlebenskünstler

15.11.2001


HIV-Viren machen krank, weil sie den Tod fernhalten können. Die paradox erscheinende Erkenntnis deckt ein wichtiges Merkmal der Überlebensstrategie dieser Erreger auf. Zu verdanken ist sie einer Projektgruppe unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Andreas Baur an der Universität Erlangen-Nürnberg, die im Sonderforschungsbereich 466 molekulare Mechanismen der Entstehung von AIDS untersucht. Die Immunschwäche-Viren verhindern, dass das körpereigene Abwehrsystem die befallenen Zellen vernichtet, und sichern sich damit die Gelegenheit zur Vermehrung. Details zu den Forschungsergebnissen der Erlanger Gruppe sind in der Novemberausgabe der hochrenommierten Fachzeitschrift "Nature Medicine" veröffentlicht worden.

In zahlreichen Experimenten klärten die Forscher die Rolle des Nef-Proteins, eines Eiweißstoffes, den HIV-1-Viren produzieren. Das Protein blockiert die Apoptose, das Zelltod-Programm, das ansonsten abläuft, wenn Krankheitserreger in eine menschlichen Zelle eingedrungen sind. Durch diesen Trick kann das Immunschwäche-Virus in einer Umwelt überleben, die eigentlich auf seine Elimination abgestellt ist. Beim Vergleich mit modernen Hochleistungsrechnern, so Projektleiter Dr. Baur, erweist sich die Fähigkeit der Viren zur Informationsverarbeitung "um Lichtjahre überlegen".

Wer jedoch den Trick in allen Einzelheiten kennt, kann darauf reagieren und ihn eventuell abwehren. Da die Überlebensfähigkeit der HIV-Viren in einer extrem feindlichen Umgebung Teil ihrer Strategie ist und Entstehung wie Verlauf von AIDS wesentlich mitbestimmt, ergibt sich ein neuer Ansatzpunkt für Therapien. Die Krankheit könnte verlangsamt, vielleicht sogar gestoppt werden, wenn das Nef-Protein unschädlich gemacht wird.


Parallelen zur Tumorentstehung

... mehr zu:
»Aids »HIV-Vire »Nef-Protein

Der SFB 466 "Lymphoproliferation und Immundeffizienz" (Sprecher: Prof. Dr. Bernhard Fleckenstein), der seit 1996 an der Universität Erlangen-Nürnberg eingerichtet ist, ist als einziger Sonderforschungsbereich in Deutschland auf Entstehung, Ablauf und Behandlung von AIDS spezialisiert. Die hier analysierten Vorgänge, die sich zwischen Zellen und im Zellinneren abspielen, sind auch für das Verständnis einiger gefährlicher Varianten von Krebs und anderer Entgleisungen von Zellteilungs- und Immunmechanismen von Bedeutung. Die Forschungsergebnisse des Teams von Dr. Baur zur Pathogenese von AIDS können unter anderem nutzbar gemacht werden, die Bildung bösartiger Tumoren besser zu verstehen, da hier der programmierte Zelltod ebenfalls außer Kraft gesetzt wird.

Weitere Informationen:

PD Dr.Andreas Baur, Dermatologische Klinik
Tel.: 09131/85 -36307 
Andreas.Baur@derma.imed.uni-erlangen.de

Gertraud Pickel | idw

Weitere Berichte zu: Aids HIV-Vire Nef-Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie