Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bonner Tropenarzt findet neue Therapie gegen Flussblindheit

27.04.2006


Professor Dr. Achim Hörauf leitet das neu strukturierte Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn. Bereits im Sommer 2003 erhielt der damals am Tropeninstitut in Hamburg beschäftigte Mediziner den Ruf nach Bonn. Sein Spezialgebiet "Tropische Wurmerkrankungen" führte den Nachfolger von Professor Dr. Klaus P. Schaal schon öfter nach Afrika, um beispielsweise an der Flussblindheit erkrankten Menschen zu helfen. Laut jüngsten Studien des 43-jährigen Parasitologen hilft ein Antibiotikum gegen diese durch einen Fadenwurm hervorgerufene, bisher schwer heilbare Krankheit. Etwa jeder Zehnte der Betroffenen erblindet.



Ein Stich der Kriebelmücke hat derzeit schätzungsweise 40 Millionen Menschen in Afrika mit Larven des Fadenwurms Onchocerca volvulus infiziert - Auslöser der Flussblindheit, der so genannten Onchozerkose. Als erstes wachsen die Larven zu geschlechtsreifen Würmern heran, die sich am liebsten im Unterhautgewebe einnisten. Ein Weibchen produziert täglich bis zu 1000 Nachkommen, so genannte Mikrofilarien. Diese breiten sich über die Lymphkanäle in der Haut bis hin zum Auge aus. Dort entzündet sich die Hornhaut, deren Zerstörung zur Erblindung führt.



Einsatz im Hochrisikogebiet Ghana

Im Herbst 2005 reiste Professor Hörauf nicht zum erstenmal nach Ghana. Auch diesmal hoffen Betroffene in der Nähe der Provinzstadt Dunkwa auf Hilfe des Teams um den Bonner Parasitologen und sind der Aufforderung des Dorfältesten gefolgt, der den Patientenstrom organisiert. Bis zu 100 von Juckreiz und Entzündungen geplagte Patienten am Tag versorgt jedes Teammitglied bei einem solchen zweiwöchigen Einsatz. "Das ist harte körperliche Arbeit. Doch wir helfen den Menschen direkt und gewinnen vor Ort Erkenntnisse für unsere Forschung", sagt Professor Hörauf.

Vom Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD in Deutschland ausgebildete einheimische Mitarbeiter, die auch ganzjährig die Patienten und die Therapiestudien betreuen, bauen dabei die Sprachbarriere ab. "Das erste Misstrauen der Patienten ist meist schnell überwunden. Denn wir bieten den Menschen auch eine Therapie", sagt der Bonner Tropenarzt. So entfernen die Ärzte unter anderem Knoten unter der Haut, in denen sie bis zu 70 Zentimeter lange Fadenwurm-Weibchen finden.

Billige Tabletten im Kampf gegen den Wurm

Der Fadenwurm Onchocerca volvulus beherbergt schon seit Millionen von Jahren Bakterien, die er zum Überleben braucht. Dieser von ihm entdeckten Symbiose ist Professor Hörauf auf der Spur. So zeigte sich, dass eine vollständige Abtötung der Bakterien durch Antibiotika zur Sterilität der Würmer führt - ein Hoffnungsschimmer, denn bisherige Medikamente töten nur die Wurmlarven, ohne den erwachsenen Wurm zu schädigen. So können immer wieder neue Generationen von Mikrofilarien entstehen, die für eine weitere Übertragung durch Mücken und für die Krankheitssymptome Sehstörung und Hautentzündung verantwortlich sind.

Doch werden die Patienten mit dem Antibiotikum Doxycyclin behandelt, zeigen über 90 Prozent eine völlige Abwesenheit der Mikrofilarien. "Dieses bereits zugelassene Medikament ist somit eine Chance, günstig und nebenwirkungsarm eine Übertragung der Flussblindheit dauerhaft zu verhindern", sagt Professor Hörauf.

Ein Stück Heimat im Busch von Afrika

In der kleinen Distriktstadt Dunkwa mitten in einem Hochrisikogebiet für die Flussblindheit hat das deutsche Team seit acht Jahren ein Haus gemietet. Zum Schutz unter anderem vor Malaria haben die Mediziner überall Mückengitter angebracht und eine einheimische Köchin stellt sicher, dass die Verpflegung hygienisch einwandfrei ist und die Arbeit des Teams nicht durch Magen-Darmbeschwerden eingeschränkt ist.

Von diesem Domizil startet das Team seine Einsätze im Busch gegen den Fadenwurm Onchocerca volvulus. Dort ist es bereits bekannt und jeder hofft, dass sein Dorf diesmal dran ist. "Die Menschen bedanken sich hier auf ihre Weise - beispielsweise mit riesigen Körben voll von Früchten", erzählt Hörauf.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Achim Hörauf
Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-5673
E-Mail: hoerauf@parasit.meb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Antibiotikum Flussblindheit Mikrofilarie Onchocerca

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik