Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kampf gegen vererblichen Brust- und Eierstockkrebs gesichert

04.04.2006


Gemeinsame Finanzierung fixiert - Wiener AKH als zentrale Forschungsstelle



Im Kampf gegen den vererblichen Brust- und Eierstockkrebs gibt es einen neuen Durchbruch in Österreich: Die Genanalyse für Frauen mit familiärem Krebserkrankungen wird nun von Land, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern gemeinsam finanziert. Brustkrebs ist in den meisten industrialisierten Ländern die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Zehn bis zwölf von 100 Frauen erkranken daran. Bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen sind angeborene, genetische Veränderungen die Erkrankungsursache.



Das Ovarialkarzinom ist der dritthäufigste Krebs bei Frauen. Bei den durch gynäkologische Krebsarten verursachten Todesfällen liegt der Eierstockkrebs jedoch an erster Stelle. "Seit langer Zeit ist bekannt, dass Brust- und Eierstockkrebserkrankungen familiär gehäuft auftreten können", so Christine Fuerhauser von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Wiener AKH im pressetext-Gespräch. 1994 und 1995 wurden zwei "Brustkrebsgene" identifiziert, die es möglich machten, einen beträchtlichen Anteil der familiären Brust- und Eierstockkrebssyndrome auf eine konkrete molekulargenetische Grundlage zurückzuführen und Prognosen über das individuelle Erkrankungsrisiko einzelner Familienmitglieder zu treffen. "Die Häufigkeit von Mutationen im Brustkrebsgen BRCA1 liegt in Europa bei etwa 1:500, die Frequenz von Mutationen im BRCA2-Gen bei 1:700. Für Österreich muss folglich mit rund 25.000 Mutationsträgerinnen und -trägern gerechnet werden", so Fuerhauser.

"Die Untersuchungen, die immerhin um 3.000 Euro kosten, stellten bisher eine große finanzielle Hürde dar", so Fuerhauser. Mutationen in BRCA1 und BRCA2 werden autosomal dominant vererbt und führen bei den betroffenen Frauen zu einer dramatischen Erhöhung des Brustkrebsrisikos. "Aktuelle Berechnungen für österreichische BRCA1-Mutationsträgerinnen, die nach den genannten Kriterien ausgewählt wurden, zeigen ein Erkrankungsrisiko von 85 Prozent für Brustkrebs bis zum 70. Lebensjahr. Dabei ist das Risiko, schon in jungen Jahren ein Mammakarzinom zu entwickeln, besonders hoch", erklärt Fuerhauser. Mutationen in BRCA1 führen weiters zu einer deutlichen Erhöhung des Risikos für Eierstockkrebs: Bis zum 70. Lebensjahr erkranken 53 Prozent der österreichischen BRCA1-Mutationsträgerinnen an einem Ovarialkarzinom, wobei das Erkrankungsalter verglichen mit sporadischem Eierstockkrebs ebenfalls niedriger liegt. "Analog zu BRCA1 führen Mutationen im BRCA2-Gen zu einer massiven Erhöhung des Brustkrebsrisikos." Demnach entwickeln 84 Prozent der Frauen mit BRCA2-Gen-Mutationen Brustkrebs.

"Seit 1994 werden Mitglieder von Hochrisiko-Familien am Brustzentrum der Frauenheilkunde im AKH Wien beraten, molekulargenetisch untersucht und betreut", so Fuerhauser. Zusätzlich wurden in ganz Österreich insgesamt 34 weitere Beratungsstellen gegründet. "Die Laboruntersuchung erfolgt dabei zentral in unserem Speziallabor des Brustzentrums der Frauenheilkunde", erklärt Fuerhauser. Identifizierte Mutationsträgerinnen können zwischen zwei verschiedenen Möglichkeiten wählen, um mit ihrem Erkrankungsrisiko umzugehen: Entweder die intensive Nutzung von Früherkennungsuntersuchungen oder prophylaktische Operationen. "Da das Wissen um die genetische Prädisposition dieser Krebserkrankungen eine große Belastung darstellt, werden auch psychische Betreuungen angeboten", erklärt die Expertin abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.brustgesundheit.at

Weitere Berichte zu: BRCA1 Brustkrebs Eierstockkrebs Krebserkrankung Mutation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie