Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Führende Experten diskutieren beim WHO-Treffen die Gefahren von Pneumokokken-Infektionen

15.02.2006


Die Prävention von Todesfällen bei Kindern bleibt Priorität in Asien / Eine effiziente Beobachtung ist der erste Schritt zur Ausrottung der Krankheit

Die Notwendigkeit von dringlichen und nachhaltigen Bemühungen zur Dokumentierung der Gefahren von Pneumokokken-Infektionen war das Hauptthema der Diskussionen unter führenden Wissenschaftlern, die am heutigen WHO-Treffen teilgenommen haben. Pneumokokken-Infektionen sind nach Schätzungen jedes Jahr für bis zu eine Million Todesfälle bei Kindern verantwortlich[1]. Lokale Bemühungen, das Ausmass des Problems in Asien zu messen, sind ein wesentlicher Teil der Prävention unnötiger Todesfälle bei Kindern durch das Bakterium Streptokokkus pneumoniae, das Lungenentzündung und Meningitis verursacht.

Ernsthafte Pneumokokken-Infektionen treten in jedem Alter auf, aber das Risiko, an einer ernsten Pneumokokkon-Infektion zu erkranken, ist für kleine Kinder (insbesondere unter zwei Jahren) und ältere Menschen besonders hoch. Hinzu kommt, dass über 90% der durch Pneumokokken-Lungenentzündung verursachten Todesfälle bei Kindern in Entwicklungsländern auftreten. Durch Pneumokokken verursachte Meningitis endet bei 40% der erkrankten Kinder tödlich oder hinterlässt bleibende Schäden.

"Eine effiziente Beobachtung der Pneumokokken-Infektionen und ihrer Serotypen ist notwendig, um das Ausmass des Problems akkurat zu messen und die Wirkung der verfügbaren Impfstoffe einschätzen zu können", kommentierte Dr. Thomas Cherian, Koordinator für EPI+, Impfstoffe und Biologisches bei der WHO.

Pneumokokken-Infektionen sind ein grosses globales Gesundheitsproblem, das besonders in Asien Besorgnis erregt. So wurden zum Beispiel 2003[2] am Lady Ridgeway Hospital (LRH) für Kinder in Colombo, Sri Lanka - einem der grössten Kinderkrankenhäuser der Region - 794 Fälle von Lungenentzündung (32 Todesfälle) und 295 Fälle von Meningitis (9 Todesfälle) verzeichnet. Die Beobachtung der Pneumokokken, die 2005 aufgenommen wurde, weist darauf hin, dass ein erheblicher Anteil dieser Fälle auf Infektionen mit dem Streptokokkus pneumoniae zurückzuführen sein könnte.

Dr. Nihal Abeysinghe, Chefepidermologe am Gesundheitsministerium, ist stolz darauf, dass Sri Lanka Mitglied der südasiatischen Pneumokokken-Allianz (SAPNA) ist und dass die Beobachtung von Pneumokokken in Sri Lanka sich auf fundierte Methodologien mit hoher Qualitätskontrolle stützt. Er unterstrich auch Wert und Bedeutung der technischen und finanziellen Hilfe durch die WHO und GAVI’s PneumoADIP bei der Unterstützung und Aufrechterhaltung einer effizienten Beobachtung der Pneumokokken-Bakterien in Sri Lanka.

Dr. Sarath de Silva, beratender Kinderarzt am LRH, sagte, dass das verbesserte mikrobiologische Labor der Klinik jetzt die Möglichkeit bietet, Pneumokokken als einen der hauptsächlichen Verursacher von Meningitis und Lungenentzündung bei Kindern zu identifizieren. 2005 konnte der Streptokokkus pneumoniae aus Proben von drei Meningitis-Patienten und neun Lungenentzündungs-Patienten isoliert werden.

Dr. Kumudu Karunarathne, beratender Mikrobiologe ebenfalls am LRH, kommentierte, dass die grosse Resistenz der Pneumokokken gegenüber herkömmlichen Antibiotika 2005 ein bedeutendes Ergebnis der Untersuchungen war. Die Tatsache, dass über 90% der isolierten Streptokokkus pneumoniae-Bakterien gegen Penizillin resistent sind, ist von grosser Besorgnis, und alle Kliniken des Landes sollten darüber informiert werden.

Glücklicherweise sind neue Impfstoffe zum Schutz vor tödlichen Pneumokokken-Infektionen heute in vielen Ländern in Nordamerika und Europa erhältlich und werden weitgehend genutzt. Dr. Katharine O’Brien, stellvertretende Direktorin für Beobachtung und Forschung beim GAVI’s PneumoADIP erklärte: "Eine systematische Beobachtung und koordinierte Bemühungen, Pneumokokken-Impfungen einzuführen, könnten das Leben von Millionen von Kindern retten und uns dem Millenium-Entwicklungsziel der UNO, die Todesrate bei Kindern bis 2015 um zwei Drittel zu verringern, einen Schritt näher bringen".

Das Treffen zur Pneumokokken-Beobachtung wurde von der Weltgesundheitsorganisation und GAVI’s PneumoADIP[3] gesponsert und brachte Experten aus einer Reihe von asiatischen Ländern zusammen, darunter Bangladesch, Indien, Indonesien, die Republik Korea, die Mongolei, Nepal, Sri Lanka, Thailand und Vietnam.

Die Bedeutung, die diesem Treffen beigemessen wurde, spiegelt das steigende Interesse der globalen Gemeinschaft an Pneumokokken-Infektionen und der dringenden Notwendigkeit einer globalen Lösung wider. Erst in der vergangenen Woche strahlte BBC World die zweite Folge einer bahn brechenden Serie über Pneumokokken-Infektionen und lebensrettende Impfstoffe aus. Die Dokumentation betrachtete die Gefahren der Pneumokokken-Infektionen in Indien und Nepal, und die Schwierigkeit, Impfstoffe in Entwicklungsländern einzuführen.

Pneumokokken-Infektionen

Pneumokokken-Infektionen werden durch den Streptokokkus pneumoniae verursacht. Wenn diese Bakterien in die Lunge gelangen, verursachen sie die am häufigsten vorkommende Art von bakterieller Lungenentzündung und können in den Blutkreislauf (Bakterämie) und/oder in die Gewebe und Flüssigkeiten, die Gehirn und Wirbelsäule umgeben, eindringen (Meningitis).

Nach Angaben der WHO verursachen Lungenentzündung und Meningitis zwischen 800.000 und einer Million von Todesfällen bei Kindern jedes Jahr, und mehr als 90% der durch Pneumokokken-Lungenentzündung verursachten Todesfälle bei Kindern treten in Entwicklungsländern auf. Darüber hinaus sterben jedes Jahr etwa 500.000 Kinder an vom Rotavirus verursachten Durchfallerkrankungen und weitere zwei Millionen müssen durch sie in Krankenhäusern stationär behandelt werden. Da der durch den Rotavirus verursachte Durchfall eine global vorkommende Krankheit ist, erkrankt beinahe jedes Kind auf der Welt vor dem fünften Lebensjahr einmal am Rotavirus-Durchfall.

Die Südasiatische Pneumokokken-Allianz (SAPNA)

Sri Lanka wurde 2003 Mitglied der SAPNA und begann 2005 mit der Laborbeobachtung von Pneumokokken-Infektionen am Lady Ridgeway Hospital für Kinder in Colombo. Die Epidemiologiestation des Gesundheitsministeriums koordiniert die Beobachtungstätigkeiten. Es plant, die Beobachtungen auszuweiten, so dass sie den gesamten Distrikt Colombo abdecken.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Die Weltgesundheitsorganisation ist die auf Gesundheit spezialisierte Behörde der Vereinten Nationen. Sie wurde am 7. April 1948 gegründet. Das in ihren Statuten festgelegte Ziel der WHO ist die Erreichung der bestmöglichen Gesundheit für alle Völker. Die Gesundheit wird in den Statuten der WHO als ein Zustand vollständigen, körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert und ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.

Plan für die beschleunigte Entwicklung und Einführung von Impfstoffen gegen Pneumokokken (PneumoADIP)

Ziel des PneumoADIP ist es, die Zeit zwischen der Verwendung eines neuen Impfstoffes in Industriestaaten und seiner Einführung in Entwicklungsländern zu verkürzen, indem die Ungewissheit über die Nachfrage reduziert und ein bezahlbares, haltbares Angebot an Impfstoffen erreicht wird. Dieser neue Ansatz wird von der globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI) über dessen Partner, den Vaccine Fund, finanziert. PneumoADIP hat seinen Sitz an der Johns Hopkins Bloomberg School für öffentliche Gesundheit. Die Mission der PneumoADIP ist es, die Überlebenschancen und Gesundheit von Kindern zu verbessern, indem die Untersuchung und Freigabe neuer, lebensrettender Pneumokokken-Impfstoffe für Kinder in aller Welt beschleunigt wird.

GAVI Allianz

Die globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (jetzt GAVI Allianz) wurde 2000 gegründet, um die Immunisierung der Bevölkerung zu erhöhen und die steigenden globalen Diskrepanzen beim Zugang zu Impfstoffen umzukehren. Regierungen in Industrie- und Entwicklungsländern, UNICEF, WHO, Weltbank, Nicht-Regierungsorganisationen, Stiftungen, Hersteller von Impfstoffen und Forschungs- und Gesundheitsinstitute arbeiten als Partner in der Allianz zusammen. Es ist ihr Ziel, gemeinsame Immunisierungsziele zu erreichen in Anerkennung der Tatsache, dass nur starke und vereinte Bemühungen eine grössere Unterstützung für die globale Immunisierung erreichen können. Gelder, die durch die Spendenorganisation der GAVI, den GAVI Fund (ehemals Vaccine Fund), kanalisiert werden, werden dafür verwendet, Gesundheits- und Immunisierungsdienste zu verstärken, den Zugang zu ausgewählten Impfstoffen und neuen Impftechnologien zu beschleunigen - insbesondere zu Impfstoffen, die neu sind oder nicht ausreichend verwendet werden, und die Injektionssicherheit zu verbessern. Ausser erheblicher finanzieller Unterstützung durch die Bill & Melinda Gates Stiftung wurde der Vaccine Fund bis heute von zehn Regierungen unterstützt: Kanada, Dänemark, Frankreich, Irland, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Schweden, Grossbritannien, USA sowie die Europäische Union und private Spender.

[1] World Health Organization. Pneumococcal vaccines. The Weekly Epidemiol Record 2003;14:110-9

[2] Annual Health Bulletin, LRH, 2003

[3] Pneumococcal Vaccines Accelerated Development and Introduction Plan (PneumoADIP) based at Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, USA

Hans Kvist | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.jhsph.edu
http://www.preventpneumo.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie