Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Hirntumor möglichst vollständig, aber schonend entfernen

27.01.2006


Zehn Jahre intraoperative Kernspintomographie in der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg / Vorteile für Patienten mit Hirntumoren mit geringerer Malignität



Eine Untersuchung mit der Kernspintomographie während der Operation eines Hirntumors trägt dazu bei, dass der Tumor radikaler, aber gleichzeitig schonend entfernt werden kann. Dies gilt vor allem für Astrozytome (Grad II und III), an der überwiegend Erwachsene ab dem 35. Lebensjahr erkranken. Sowohl die Überlebensraten als auch der Erhalt wichtiger Hirnfunktionen wird durch den Einsatz der intraoperativen Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) verbessert.

... mehr zu:
»Hirntumor »Kernspintomographie »MRT


Diese positive Bilanz hat der Ärztliche Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, Professor Dr. Andreas Unterberg, bei einer Pressekonferenz am 26. Januar 2006 gezogen, die anlässlich einer Tagung zum Jubiläum veranstaltet wurde. In der Heidelberger Klinik wurde vor gut zehn Jahren die erste intraoperative MRT in Europa durchgeführt - wenige Monate nach der Weltpremiere in Boston. Mittlerweile konnten in Heidelberg einige 100 Patienten von diesem Verfahren profitieren, das dem Operateur aktuelle Bilddaten während der Operation liefert.

Aktuelle MRT-Bilder werden benötigt, weil sich das Gehirn während der OP verschiebt

In Deutschland erkranken jährlich etwa 6.000 Menschen an einem Tumor, der vom Gehirngewebe ausgeht. Die Tumoren lassen sich auch unter dem OP-Mikroskop nicht sicher vom gesunden Hirngewebe unterscheiden. Mit Hilfe der MRT und der Computertomographie können die Tumorgrenzen besser erkannt werden. Diese Bilddaten fließen vor der Operation in die dreidimensionale OP-Planung ein, die als computergestützte Neuronavigation den Operateur sicher durch das Operationsfeld führt.

Zu Beginn der Operation verschiebt sich jedoch meist das Gehirn, da Gehirnflüssigkeit entweicht und der Hirndruck nachlässt. "Die MRT während der Operation kann aktuelle Bilder liefern und den OP-Plan justieren", erklärt Privatdozent Dr. C. Rainer Wirtz, Leitender Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik, der das Heidelberger Konzept von Anfang an maßgeblich mit entwickelt hat. Die zusätzliche Untersuchung birgt keine Risiken für den Patienten.

Beim Heidelberger Konzept der intraoperativen MRT wird der Patient in einem herkömmlichen neurochirurgischen Operationssaal operiert. Zur MRT-Kontrolle wird er mit Begleitung des Anästhesisten auf einem Luftkissen-gelagerten OP-Tisch in einen benachbarten Raum gefahren, wo das Lagerungsbrett vom MRT-Scanner übernommen wird. Die MRT-Untersuchung dauert 20 bis 45 Minuten. Der Kopf des Patienten ist dabei in einer speziell entwickelten Spule fixiert. Nach der Untersuchung wird der Patient in den OP zurückgebracht und die Operation wird fortgesetzt.

Das Bostoner Konzept der intraoperativen MRT sieht dagegen eine Installation des MR-Gerätes direkt im Operationssaal vor. Dies hat den Nachteil, dass nur OP-Instrumente verwendet können, die nicht von der Magnetkraft beeinflusst werden; außerdem ist die Bewegungsfreiheit der Operateure eingeschränkt.

Heidelberger Konzept wird an sechs Kliniken in der ganzen Welt umgesetzt

Der Nutzen der intraoperativen MRT bei bestimmten Patienten ist unbestritten, die Kosten pro Patient sind jedoch relativ hoch. Den Krankenkassen entstehen im DRG-Vergütungssystem (Fallpauschale pro Behandlungsfall) keine zusätzlichen Kosten. Bis heute wurde das Heidelberger Konzept an sechs Kliniken in der ganzen Welt, drei davon in Deutschland, umgesetzt.

"Vor allem jüngere Patienten mit Astrozytomen Grad II und III profitieren von dem Einsatz der intraoperativen MRT", erklärte Professor Unterberg. Hier könnten - je nach Bösartigkeit des Tumors - Überlebensraten von bis zu 15 Jahren erzielt werden. Er plädierte deshalb dafür, dass vor allem dieser Patientengruppe an ca. fünf Zentren in Deutschland dieses Verfahren angeboten wird.

Die Heidelberger Klinik möchte in den kommenden Jahren ein MRT-Gerät mit höherer Magnetfeldstärke einsetzen, das zusätzlich neuroradiologische Eingriffe sowie den Einsatz von Elektroden im Gehirn (Tiefenhirnstimulation), z.B. bei der Parkinsonschen Erkrankung, unter "Sichtkontrolle" gestattet.

Kontakt:
Professor Dr. Andreas Unterberg
Neurochirurgische Universitätsklinik
Telefon: 06221 / 56 6301 (Sekretariat)
Andreas.unterberg@med.uni-heidelberg.de

Professor Dr. Klaus Sartor
Abteilung für Neuroradiologie, Radiologische Universitätsklinik
Telefon: 06221 / 56 7566 (Sekretariat)
Klaus.sartor@med.uni-heidelberg.de

Informationen zu einer Tagung am 28. Januar anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der intraoperativen MRT am Uniklinikum Heidelberg:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=8861

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Hirntumor Kernspintomographie MRT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

moove und Sony Lifelog machen mobil

17.01.2017 | Unternehmensmeldung

Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

17.01.2017 | Physik Astronomie

Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?

17.01.2017 | Geowissenschaften