Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Leitlinie zur Behandlung der Migräne

28.11.2005


Die neue Leitlinie zur Migränetherapie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft gibt auf der Grundlage neuer Erkenntnisse wichtige Hinweise zum Einsatz der Triptane genannten Migränemitteln. Einige Analgetika wurden neu bewertet und die Liste der Medikamente zur Migräneprophylaxe ergänzt. Erstmals bescheinigen die Experten psychologisch-verhaltensmedizinischen Verfahren, dass diese in der Migräneprophylaxe ebenso wirksam sind wie medikamentöse Strategien. Darum empfehlen die Spezialisten Patienten mit häufigen Attacken eine solche Behandlung - alleine oder in Kombination mit Medikamenten.



In der Akuttherapie der Migräne sind die Triptane (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan) die Substanzen mit der besten Wirksamkeit. In ihrer neuen Leitlinie betonen die DMKG-Experten, dass die Triptane wirksamer sind, wenn sie zu Beginn einer Migräneattacke eingenommen werden, solange der Kopfschmerz noch leicht oder mittelschwer ist. Diese Empfehlung gilt jedoch nur für Patienten, die Migräne- von Spannungskopfschmerzen unterscheiden können, da Triptane ausschließlich bei Migränekopfschmerz wirken. Ebenso kann die frühe Einnahme nur empfohlen werden, wenn die Zahl der Kopfschmerztage unter zehn pro Monat liegt.



Geht den Migräneschmerzen eine Aura voraus, sollten die Patienten mit der Einnahme des Triptans warten, bis diese abgeklungen ist. Ist die erste Gabe eines Triptans bei einer Attacke nicht wirksam, ist eine zweite Gabe sinnlos.

Herzkreislauf-Erkrankungen wie Angina Pectoris oder Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte sind Kontraindikationen für Triptane. Mutterkornalkaloide sind ebenfalls wirksam. Patienten, die ohne Nebenwirkungen und Dosissteigerungen mit Ergotamin gut auskommen, können diese Therapie an höchstens zehn Tage pro Monat beibehalten.

Bei leichten Attacken sind Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac-K und Paracetamol Analgetika der ersten Wahl. Die Kombination von Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein ist wirksamer als die Kombination ohne Koffein und wirksamer als die Einzelsubstanzen. Das belegt eine neue Studie.

Die meisten Patienten leiden während der Migräneattacke unter gastrointestinalen Symptomen. Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon bessern nicht nur die vegetativen Begleitsymptome, sondern regen die Magenperistaltik an, die zu Beginn der Migräneattacke zum Erliegen kommen kann. Dies führt zu einer besseren Resorption und Wirkung von Analgetika und Triptanen.

Coxibe haben bei der Therapie der Migräneattacke eine ähnliche Wirksamkeit wie Ibuprofen oder Sumatriptan. Bisher ist jedoch keines der Coxibe zur Behandlung der Migräneattacke zugelassen. Angesichts der Diskussion um vaskuläre Risiken, können sie zur Behandlung von Migräneattacken gegenwärtig nicht empfohlen werden.

Auf Grenzen achten.

Um einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu verhindern, sollten Kopfschmerzpatienten grundsätzlich Schmerz- und Migränemittel höchstens an 10 Tagen pro Monat und maximal drei Tage hintereinander einnehmen.

Vorbeugen ist wichtig.

Menschen, die mehr als dreimal pro Monat eine Migräneattacke aushalten müssen oder deren Attacken länger als 72 Stunden dauern oder die schlecht auf eine medikamentöse Akuttherapie ansprechen, können durch vorbeugende Maßnahmen die Häufigkeit der Schmerzanfälle deutlich senken. "Hier stehen alternativ zur medikamentösen Prophylaxe psychologische Verfahren zur Verfügung, die ebenso wirksam sind", sagt Professor Stefan Evers von der Universität Münster, Präsident der DMKG. Die Autoren der neuen Leitlinie empfehlen verhaltenstherapeutische Strategien wie Biofeedback, die progressive Muskelentspannung nach Jacobson und das kognitive Schmerzbewältigungstraining.

Medikamentöse Prophylaxe. Falls diese Strategien nicht zum gewünschten Erfolg führen, steht eine ganze Palette von Arzneien zur medikamentösen Vorbeugung bereit. Die Experten empfehlen die Betablocker Propranolol und Metoprolol, den Kalziumantagonisten Flunarizin sowie Valproinsäure und das unlängst zugelassene Topiramat. Valproinsäure ist für diese Indikation nicht zugelassen, kann jedoch im Rahmen des so genannten "off-label-use" eingesetzt werden.

Mittel der zweiten Wahl sind der Betablocker Bisoprolol, das nicht-steroidale Antirheumatikum Naproxen, Pestwurz, Acetylsalicylsäure, Mutterkraut und, besonders bei gleichzeitig vorhandenem Spannungskopfschmerz oder Depressionen, das Antidepressivum Amitriptylin.

Die Wirksamkeit von Magnesium ist umstritten. Das Nervengift Botulinumtoxin befindet sich noch in der wissenschaftlichen Prüfung. Tritt die Migräne in Abhängigkeit des Mensturationszyklus auf, haben sich zur Prophylaxe die Mittel Naproxen, Östrogenpflaster, sowie Triptane bewährt.

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.
Pressestelle: Barbara Ritzert · ProScience Communications GmbH · Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking, Tel.: 08157-93 97-0 · Fax: 08157-93 97-97 · e-mail: ritzert@proscience-com.de

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.awmf.org
http://www.dmkg.de

Weitere Berichte zu: Acetylsalicylsäure Analgetika Migräne Triptane

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise