Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bilder aus dem Dünndarm. Morbus Crohn Diagnostik

01.10.2001


Eine Kapsel sendet Bilder aus dem Dünndarm
Weltweit erste Studie zur Diagnostik des Morbus Crohn mittels Kapsel-Endoskopie

Erkrankungen des Dünndarms, ob durch Entzündung, Geschwürs- oder Tumorbildung, sind schwer zu diagnostizieren. Denn Röntgenkontrast- und Ultraschalldarstellung sind oft wenig aussagefähig und die Darmspiegelung gelingt im Dünndarm kaum. So bleibt der Dünndarm gewisserrmaßen ein mehrere Meter langer "blinder Fleck". Aber gerade an diesem Teilstück des Darms manifestiert sich der sogenannte Morbus Crohn, eine häufige, chronisch-entzündliche Erkrankung mit Blutungen und Schleimhautgeschwüren, deren Ursache aber unbekannt ist.
Bei längerem Verlauf muß wiederholt mit der chirurgischen Entfernung schwerst geschädigter Dünndarmabschnitte gerechnet werden. Um so wichtiger wäre eine eindeutige und möglichst frühe Diagnose. Die wird jetzt wesentlich erleichtert durch eine in Israel und den USA entwickelte Kapsel, die der Patient schluckt und die dann auf ihrem Weg durch Magen, Dünn- und Dickdarm den Zustand der Scheimhäute photographisch erschließt. Mit Hilfe dieser bildgebenden Kapsel
wird jetzt an der "Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie" der Charité unter der Leitung von Professor Herbert Lochs die weltweit erste Studie zur Untersuchung des Dünndarms von Patienten mit Verdacht auf Morbus Crohn durchgeführt.
Die Kapsel benötigt etwa acht Stunden, um den Magen-Darmtrakt zu passieren, erläutert Dr. Winfried Voderholzer, der die Kapselendoskopie an der Klinik durchführt. Während der Passage macht eine Kamera, die neben einer Batterie in der 26 mal 11 mm kleinen Kapsel untergebracht ist, in jeder Sekunde zwei Aufnahmen und sendet die Bilddaten an eine Empfangsgerät, das der Patient in einem Gürtel trägt, der auch noch Batterien für den Empfang enthält. Das Empfangsgerät wird nach Beendigung der Kapselreise durch den Verdauungstrakt an einen konventionellen Bürocomputer angeschlossen, der die empfangenen Bilddaten der insgesamt rund 80 000 Bilder so aufbereitet, dass auf dem Monitor gestochen scharfe Bilder von der Darmschleimhaut zu sehen sind. Neben dem Bildsignal kann die Kapsel auch ein Ortungssignal abgeben. Denn sie enthält Metallteile, die von acht winzigen Metalldetektoren, die dem Patienten auf die Bauchhaut geklebt werden, erkannt werden. Damit ist eine Zuordnung der Bilder zum jeweiligen Darmabschnitt möglich. Für die Auswertung der Bilder benötigt der Arzt - einen Lerneffekt vorausgesetzt - dann noch etwa zwei Stunden.
Die Studie soll nun zeigen, was sich tatsächlich am Dünndarm bei Patienten abspielt, die an einem Morbus Crohn leiden. Man hofft damit auch die auftretenden Beschwerden mit den jeweiligen Befunden in Einklang bringen zu können und mehr über den Verlauf der Krankheit zu erfahren. Auch könnte die Therapie gezielter ausgerichtet werden durch Verwendung von Medikamentenzubereitungen, die ausschließlich im Dünndarm wirksam werden.
Natürlich lassen sich auch Blutungen, Geschwüre oder Tumore beobachten. So konnte gleich bei der ersten Patientin, der mit der Kapsel-Endoskopie untersucht wurde, die Ursache ihrer jahrelang auftretenden Beschwerden gefunden werden: Ein einziger Darmpolyp ( gutartige Geschwulst), dessen Entfernung die Frau geheilt hat. Bei einem anderen Patienten mußte eine jahrelang für richtig gehaltene Diagnose korrigiert werden. Statt einer Stoffwechselerkrankung (Zöliakie), die erhebliche Ernährungseinschränkungen erforderte, litt der Patient tatsächlich an einem Morbus Crohn, der eine ganz andere Therapie erfordert.
Die Kapselendoskopie wird ambulant durchgeführt. Der Patient kommt morgens nüchtern, schluckt die Kapsel, kann zwei Stunden später etwas trinken, nach vier Stunden essen und heimgehen.
An Patienten, die an der Morbus- Crohn-Studie teilnehmen, wird die Kapsel kostenlos abgegeben. Für Untersuchungen ausserhalb der Studie wird sie mit 800,- Mark in Rechnung gestellt. Hinzu kommen die Aufwendungen für die ärztlichen Auswertung, sodaß insgesamt etwa 2000,-Mark anfallen. Daß die Untersuchung später einmal Leistung der gesetzlichen Krankenkassen wird, ist zu erwarten.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Berichte zu: Morbus Crohn

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie