Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sportmediziner entwickeln Schuh zur Verminderung von Achillessehnenbeschwerden im Laufsport

23.11.2005


Laufen ist ein Volkssport geworden. Umso wichtiger ist der richtige Laufschuh, abgestimmt auf den jeweiligen Läufer und seinen "Laufstil", um nachfolgende Beschwerden zu vermeiden.


In den letzten Jahren gab es im Laufschuhbereich einen starken Trend hin zu Stabilitätslaufschuhen. In der Regel soll die Stabilität durch zwei Härten in der Zwischensohle und mediale Stabilisatoren im Obermaterial erreicht werden. Untersuchungen der Sportmedizin des Universitätsklinikums Tübingen zeigen jedoch, dass diese Art der Stabilisierung häufig nicht funktioniert.

In zwei großen klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Läufer mit dem neuen Stabilitätsprinzip weniger Beschwerden an der Achillessehne bekommen als Läufer, die die herkömmliche Technologie verwenden. Der von den Tübinger Sportmedizinern zusammen mit Nike entwickelte neue Laufschuh Nike Air Cesium arbeitet daher nach einem anderen Prinzip als herkömmliche Stabilitätslaufschuhe.


Achillessehnenbeschwerden

Achillessehnenbeschwerden können aus biomechanischer Sicht zwei Ursachen haben: eine Überpronationsbewegung in der Auftreff- und Standphase (75 % der Fälle), die zu Beschwerden im Bereich des Begleitgewebes und der Sehne selber (5-6 cm über dem Ansatz startend) und eine verstärkte Supinationsbewegung im Abstoß (25 % der Fälle), die zu Beschwerden im Ansatzbereich der Sehne führt.

Stabilitätslaufschuhe

In den letzten Jahren gab es im Laufschuhbereich einen starken Trend hin zu Stabilitätslaufschuhen. In der Regel soll die Stabilität (Pronationskontrolle) durch zwei Härten in der Zwischensohle ("Dual-Density", medial härter) und mediale Stabilisatoren im Obermaterial erreicht werden. Untersuchungen der Sportmedizin des Universitätsklinikum Tübingen zeigen jedoch, dass diese Art der Stabilisierung häufig nicht funktioniert, da der Abrollvorgang ("Überpronation") vom weichen Obermateri al nicht aufgehalten wird und der härtere mediale Bereich der Zwischensohle zu spät (oder gar nicht) zum Tragen kommt.

Neuentwicklung für Läufer mit verstärkter Pronationsbewegung

Ziel der Entwicklung des Air Cesium war, Läufern, die eine verstärkte Pronationsbewegung ("Überpronation") zeigen, zu helfen, ihren Sport trotzdem ohne Verletzungsrisiko ausüben zu können. Der neue Schuh arbeitet nach einem anderen Prinzip als herkömmliche Stabilitätslaufschuhe ("Dual-Density"), indem er die Pronationsbewegung und die Pronationsgeschwindigkeit frühzeitig (mit Beginn des Fußaufsatzes) kontrolliert bzw. stabilisiert, was letztendlich zu einem neutraleren Abrollverhalten führt.

Klinische Studien

In zwei großen klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Läufer mit dem neuen Stabilitätsprinzip des Air Cesium weniger Beschwerden an der Achillessehne bekommen als Läufer, die die herkömmliche Dual-Density Technologie verwenden. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass bei Läufern mit Beschwerden schon nach einer 4-wöchigen Tragezeit des Air Cesium die Beschwerden deutlich reduziert werden konnten.

Wie funktioniert der Air Cesium:

Durch einen 3-Grad-Varus Keil in der Zwischensohle, einem Crash-Pad in der Ferse, einer integrierten Stabilisierung im Obermaterial der Ferse sowie durch eine zusätzliche Fixierung des Obermaterials im Mittelfuß wird die Ferse und der Abrollvorgang von Beginn an stabilisiert und somit die Pronation- und die Pronationsgeschwindigkeit effektiv kontrolliert. So macht der Air Cesium den Einsatz von Dual-Density überflüssig.

Obermaterial:

  • Medialer Zügel (Zuggurtsystem) zur Fixierung der Mittelfußes

  • Integrierte Stabilisierung im Fersenbereich zur Fixierung des Fersenbeins direkt nach dem Auftreffen auf den Boden

Zwischensohle/Außensohle:

  • 3-Grad-Varus Keil zur frühzeitigen Stabilisierung des Abrollvorgangs

  • Windlass-Mechanismus (WARP) zur Stabilisierung des Abrollvorgangs ("Reduktion der Pronation und der Pronationsgeschwindigkeit") und für einen effektiveren Abstoß

  • Vergrößertes PU-Crashpad zur Stabilisierung des Abrollvorgangs ("Reduktion der Pronation und der Pronationsgeschwindigkeit") mit dem Aufsetzen auf den Boden

  • Zoom-Air Technologie für eine optimale Dämpfung bei gleichzeitiger Stabilisierung des Abrollvorgangs

  • Waffelsohlenprofil

Leisten:

  • QD 23 Leisten mit engem Fersen- und Mittelfußsitz und etwas breiterem Vorfuß

  • Gebogener Leisten (von Nike Free übernommen) für guten Tragekomfort und perfekte Passform

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen, Medizinische Klinik, Sportmedizin
Dr. Stefan Grau
Tel. 0 70 71 / 29-8 06 97
Stefan.Grau@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Berichte zu: Pronationsgeschwindigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie